Gelassenheit bei Aufsteiger Eintracht Lollar

Von Anspannung keine Spur. Lollars Trainer Peter Sichmann und der Sportliche Leiter Markus Müll-Hennig blicken völlig gelassen dem Saisonstart in der Fußball-Verbandsliga entgegen. Der Aufsteiger fühlt sich bestens vorbereitet für die Auftaktbegegnung am Freitagabend in Haddamar - und für die Spielzeit 2010/2011.

Von Anspannung keine Spur. Lollars Trainer Peter Sichmann und der Sportliche Leiter Markus Müll-Hennig blicken völlig gelassen dem Saisonstart in der Fußball-Verbandsliga entgegen. Der Aufsteiger fühlt sich bestens vorbereitet für die Auftaktbegegnung am Freitagabend in Haddamar - und für die Spielzeit 2010/2011. "Ich bin mir ganz sicher, dass wir die Klasse halten, unabhängig davon, wie die ersten Begegnungen ausgehen", sagt Sichmann. Für den Optimismus gibt es mehrere Gründe - und einer hat einen Namen: Samet Sakarya. Der Mittelfeldspieler, der zuletzt bei Neu-Hessenligist Eintracht Wetzlar unter Vertrag stand, ist die wichtigste Verpflichtung der Eintracht in diesem Sommer.

"Samet hilft uns enorm weiter", sagt Müll-Hennig - nicht nur durch seine fußballerischen Qualitäten, sondern auch als Führungsspieler. Als solchen habe das Team den 27-Jährigen, der auch schon für den FSV Steinbach und in der 2. türkischen Liga spielte, sofort akzeptiert. Denn die Eintracht hat mit einem Durchschnittsalter von 22,7 Jahren eine junge Mannschaft, die von der Erfahrung Sakaryas profitieren kann.

Der Mittelfeld-Allrounder, von dem Sichmann und Müll-Hennig regelrecht schwärmen (Sichmann: "Er war der Einzige, der gesagt hat: ›Geld spielt keine Rolle‹"), ersetzt Spielmacher Aydar Kilinc, der seine Laufbahn in der "Ersten" beendet hat und nun die "Zweite" trainiert. Sakarya ist einer von insgesamt 17 Neuen - allerdings für beide Lollarer Mannschaften. Acht Akteure sind für das Verbandsliga-Team vorgesehen. "Wir sind nun in der Breite sehr gut besetzt", erklärt der Trainer. Allerdings war mehr Quantität auch dringend nötig. "In der letzten Saison war’s manchmal ganz schön eng. Die Qualität hat für die erste Elf gereicht. Aber manchmal saßen Peter und ich alleine auf der Bank", sagt Müll-Hennig schmunzelnd.

Der Eintracht-Kader ist nicht nur größer, sondern auch stärker geworden: Mehmet Akci (vom VfB Marburg) und Volkan Alkan (zurück vom FSV Schröck) sollen beispielsweise für mehr Stabilität in der Abwehr sorgen - obwohl die Defensive der Eintracht in der abgelaufenen Saison eine der Garanten für die Gruppenliga-Meisterschaft war. Allerdings fallen in Andreas Riegel und Denis Celik (beide Kreuzbandriss) zwei Abwehrspieler noch längere Zeit aus.

In Ruben Fernandez (vom MTV 1846 Gießen) habe man zudem einen sehr talentierten Torhüter gewinnen können, und auch die jungen Tomas Glied (SC Waldgirmes II), Nico Lotz (A-Junioren der TSG Wieseck) und Barbaros Koyuncu (eigene Jugend) können sich gute Einsatz-Chancen ausrechnen, berichten die Eintracht-Verantwortlichen.

Sie haben den Kader diesmal mit Bedacht und Weitsicht verstärkt. "Als wir vor drei Jahren aufgestiegen sind, hatten wir nur Häuptlinge und keine Indianer. Das ist diesmal anders", spielt der Sportliche Leiter auf den Aufstieg in der Saison 2007/2008 in die damaligen Landesliga an. Die Eintracht hatte seinerzeit vor dem Saisonstart viel Geld investiert und sich mit Fußballgrößen aus der Region verstärkt - mit dem Ergebnis, dass die Mannschaft keine Struktur hatte, die Eintracht sofort wieder abstieg und die Altlasten aus diesem Abenteuer noch heute abtragen muss.

Die finanziellen Möglichkeiten der Lollarer haben sich vor dieser Spielzeit trotz des Verbandsliga-Aufstiegs nicht verändert. "Wir haben den gleichen Etat wie in der vorigen Saison", sagt Müll-Hennig. "Nur, dass ich das Geld, das vorher drei Spieler bekommen haben, nun auf acht verteilen muss." Die Zahl der Förderer habe aber immerhin zugenommen, sagt der Sportliche Leiter, der auch auf mehr Besucher hofft - zumal die Interessierten sich nun mit der Eintracht-Mannschaft identifizieren können. "Wir haben zehn oder elf Lollarer im Kader, vor drei Jahren hatten wir nicht einen", sagt Müll-Hennig.

Mit der Vorbereitung beim Aufsteiger war Sichmann zufrieden. Trotz der erschwerten Bedingungen wegen der großen Hitze im Juli sei die körperliche Verfassung der Mannschaft gut. Systemveränderungen nimmt der Coach ohnehin nicht vor. Er wird mit einer Viererkette anfangen, die er je nach Spielverlauf in einen Dreier-Block verändern kann. "Diese beiden Systeme musst du spielen können", sagt Sichmann, bei dem mindestens einmal pro Woche das Defensivverhalten auf dem Trainingsplan steht. Für ihn und sein Team zählt - wie es sich für einen Aufstieger ziemt - zunächst nur der Klassenerhalt.

"40 bis 41 Punkte brauchst du, um drin zu bleiben", meint Müll-Hennig. Diese sollen möglichst schnell eingefahren werden - die ersten drei Zähler am besten schon am Freitagabend (19.30 Uhr). Mit einem Gastspiel beim letztjährigen Aufsteiger in Haddamar startet die Eintracht in die Saison. Danach folgen die Mittelhessen-Duelle beim SC Waldgirmes II (8. August) und das erste Heimspiel am 11. August gegen die TSG Wieseck. Allesamt Gegner, die auf Augenhöhe mit den Lollarer sein dürften. Der Eintracht bietet sich also die Chance, nach den ersten drei Begegnungen noch gelassener in die Verbandsliga-Zukunft zu schauen.

Markus Konle

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