Henni Nachtsheim. FOTO:; PM
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Henni Nachtsheim. FOTO:; PM

Henni Nachtsheim und Eintracht Frankfurt

Geister, Sex und Durchfall

  • Ronny Herteux
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Henni Nachtsheim vom Comedy-Duo Badesalz und Redakteur Ronny Th. Herteux haben sich über Fußball ohne Zuschauer und das Corona-Virus ausgelassen.

Hallo Herr Nachtsheim, schon seit einiger Zeit rollt wieder der Ball in der Bundesliga. Wie haben sie die lange Zwangspause überstehen können?

Ich habe gegen mich selbst Tipp-Kick gespielt, das Ganze mit einer Deckenkamera aufgenommen und mir dann mehrmals angeguckt. In Zeitlupe!

Haben Sie Zwangsstörungen durch die Zwangspause erlitten oder ist ein zwangloser Umgang mit Ihnen heute wieder möglich?

Zum Glück habe ich in dieser schweren Zeit Anschluss an eine Selbsthilfegruppe gefunden, in der ich sehr gut aufgenommen und stabilisiert worden bin. Was vor allem an dem unglaublich intensiven Austausch dort lag!

Das klingt gut. Wie genau hat man sich denn dort ausgetauscht?

Mit Panini-Bildchen! Jeder hat immer sein Eintracht-Frankfurt-Sammelalbum und alle Bilder, die er doppelt hat, mitgebracht, und dann ging es los. Heute kann ich sagen: ohne diese Gruppe hätte ich es in der fußballlosen Zeit nicht gepackt.

Stichwort Geisterspiele, also Fußball ohne Zuschauer. Ist das nicht wie Sex ohne Geschlechtsteile, oder Schnupfen ohne Nase, oder Durchfall ohne Mastdarm?

Am Tag des Re-Starts bin ich um 15.30 Uhr erst mal um meinen Fernseher geschlichen, bevor ich eingeschaltet habe, weil ich dachte, es erwartet mich das Grauen. Tatsächlich war bzw. ist es aber nicht so schlimm. Klar ist es mit Publikum sehr viel schöner, aber wenn ich wählen soll zwischen gar keinen oder Geisterspielen, nehme ich Letzteres.

Irgendwie haben Spiele ohne Publikum gefühlt eine neue Normalität eingeläutet, an die es sich zu gewöhnen vielleicht gar nicht schwer fällt. Puristischer Fußball: keine Ablenkung von den Tribünen, die totale Überwachung aus dem Kölner Videokeller, kaum noch Schauspieleinlagen der Spieler. Eine Reduktion auf das Wesentliche. Vielleicht hat die neue schöne Zukunft erste Pflöcke in der Gegenwart eingeschlagen.

Auch wenn ich das nicht gerne zugebe, in den meisten Punkten haben Sie recht. Lediglich was den Kölner Video-Keller angeht, würde ich widersprechen. Da wechseln sich Wachheit und Wachkoma genauso ab wie schon vor Corona.

Keine neue Normalität ist die Berg-und-Talfahrt der Frankfurter Eintracht. Siege in Wolfsburg und Bremen, dann der Nackenschlag gegen Mainz. Licht und Schatten beim Pokal-1:2 in München, und nun 4:1 in Berlin. Alles wie gehabt, die Corona-Krise muss spurlos an der Eintracht vorbeigezogen sein. Business as usual?

Eine richtige Diva lässt sich nun mal von nichts und niemandem aus ihrer Launenhaftigkeit bringen, da kommt auch eine Pandemie an ihre Grenzen!

Jetzt glauben einige sogar noch an die Chance auf Europa, aber fünf Punkte Rückstand auf Rang sieben bei drei noch ausstehenden Spielen - wie realistisch ist das?

Ich glaube, dass langjährige Eintracht-Fans Begriffe wie "realistisch" schon lange nicht mehr in ihrem Sprachschatz beherbergen. Wenn die Eintracht am Ende doch noch in einem europäischen Wettbewerb landet, überrascht uns das genauso wenig, wie wenn sie plötzlich doch noch in die Relegation muss. Wir nicken nur, und sagen uns "Ja, so isse halt!"

Am Mittwoch ist Schalke 04 zu Gast, da müsste natürlich der erste von drei Dreiern her. Was ist drin?

Nimmt man den sportlichen Verlauf der letzten Wochen, gewinnt die Eintracht. Nimmt man das traditionell karitative Verhalten angeschlagenen Vereinen gegenüber, verliert sie.

Was man ja auch gegen Mainz gesehen hat!

Genau! Ich hoffe, die Spieler bekommen nach solchen Spielen zumindest eine Spenden-Bescheinigung, wenn sie schon freiwillig auf ihre Sieg-Prämien verzichten!

Apropos Schalke, der selbsternannte "Arbeiter-und-Malocher-Verein". Hat nach diversen Eskapaden nun auch noch 24 Rentner in die Wüste geschickt, die auf 450-Euro-Basis im Fahrdienst tätig sind. Richten soll es jetzt ein externer Dienstleister. Da muss das Corona-Virus in der Führungsetage extrem gewütet haben.

Ja, die Indizien, dass das Virus da schon länger tobt, sind eindeutig. Erst die üblen Äußerungen von Clemens Tönnies über Afrikaner, dann die Aufforderung an die Fans, genau zu begründen, warum sie ihre Dauerkarten zurückgeben wollen, und schließlich jetzt das mit den entlassenen Fahrern. Das alles deutet auf den dramatischen Verlust von Geschmackssinn hin, und genau das ist ja ein zuverlässiges Symptom bei Corona.

Sie sind ja der reinste Fußball-Virologe!

Jetzt, wo Sie es sagen…

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