Getragen von der Euphorie und zahlreicher Unterstützung von Passanten: Das Trio des TSV Allendorf/Lumda (v. l.), Silke Kuhl, Uschi Vogel und Carmen Damm. FOTO: PV
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Getragen von der Euphorie und zahlreicher Unterstützung von Passanten: Das Trio des TSV Allendorf/Lumda (v. l.), Silke Kuhl, Uschi Vogel und Carmen Damm. FOTO: PV

Der ganz persönliche Marathon

  • Sven Nordmann
    vonSven Nordmann
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Weil die Großevents abgesagt wurden, stellten drei Damen des TSV Allen- dorf/Lumda ihren eigenen Marathon auf die Beine. Wie kommt es, dass alle Beteiligten vom Lauf entlang der Lumda und Lahn in höchsten Tönen schwärmen?

17 Marathons hat die 54--jährige Uschi Vogel aus Allendorf (Lumda) in ihrem Leben schon absolviert - "dieser persönliche, ganz eigene gestaltete in der Gießener Landschaft, der war mein schönster".

Mit ihren beiden Freundinnen aus dem Lauftreff, der 52-jährigen Silke Kuhl und der 48-jährigen Carmen Damm, reagierte sie auf die coronabedingten Absagen der Marathonläufe in Hamburg und Frankfurt - das Trio organisierte sich Mitte September seinen ganz eigenen 42,195 Kilometer langen Lauf entlang der Lumda und der Lahn.

Dabei entfachten die drei sportlichen Frauen im TSV Allendorf/Lumda eine Begeisterung. "Wir haben die Leute mit unserer Freude angesteckt", erklärt Silke Kuhl. Zehn Wochen bereiteten sich die Frauen intensiv vor, "rund zwei Wochen vor dem geplanten Start hat sich alles verselbstständigt", erinnert sich Kuhl.

"Die Vereinsmitglieder haben uns sehr geholfen. Plötzlich gab es eine Strecke, Streckenposten, Verpflegung, Sanitäter. Es wurde immer mehr, es wurde zu einem Event."

Am Sonntag, dem 13. September, starteten die drei Frauen vom Allendorfer Festplatz aus, folgten dem Lumdatalradweg bis nach Lollar, liefen über die Badenburg nach Gießen, zum Alten Eishaus über die Neue Lahnbrücke, drehten dort eine Schleife und machten sich über Launsbach, Wißmar und Lollar auf den Heimweg.

Während Uschi Vogel schon 17 Marathons absolvierte und Carmen Damm, von den anderen als "die Fitteste" beschrieben, schon sieben Langstreckenläufe dieser Art auf dem Buckel hatte, war es für Silke Kuhl die Premiere.

"Ich habe mir die volle Distanz nicht zugetraut, dachte, meine Knie machen das nicht mit. Ab Kilometer 35 ging es mir wirklich nicht gut. Ich dachte: Entweder ich falle um oder ich laufe weiter."

Unterstützung bekamen sie auf der Strecke nicht nur vom mitradelnden Mann von Carmen Damm, sondern auch immer wieder von Läufern, die sie kurzzeitig begleiteten. "Durch unsere orangefarbenen Trikots sind wir vielen aufgefallen", wusste Damm. Bis zu Kilometer 35 und nach dem Zieleinlauf hatten die drei TSV-Damen viel Spaß - "wir haben so unglaublich viel gelacht, während der Trainingseinheiten, aber auch während des Marathons selbst", erzählt Uschi Vogel. "Teilweise konnten wir deswegen kaum weiterlaufen."

Das Persönliche heben alle drei hervor. "Ich fand es toll, dass man sich so aufrafft und gemeinsam so eine Disziplin an den Tag gelegt hat", erklärt Damm. Vogel räumt ehrlich ein: "Ich war immer ein Fan von Städte-Marathons: Da ist viel los. Ich dachte mir, dass es ätzend langweilig wird, durch die Pampa zu laufen. Aber das hat sich als Trugschluss herausgestellt. Es war landschaftlich nicht nur anspruchsvoll, sondern auch sehr schön. Und durch die Vereinsmitglieder und den Gegenverkehr an einem Sonntag haben wir viel Unterstützung bekommen."

Nach vier Stunden und 54 Minuten lief das Trio, der Septembersonne entgegen, auf dem Festplatz in Allendorf ein - und wurde empfangen von rund 20 Mitgliedern, die für Verpflegung, Luftballons, Medaillen, Pokale und T-Shirts gesorgt hatten. Auf einer kleinen Geburtstagsparty im Garten ließen die Damen den besonderen Tag ausklingen.

"Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass es so lustig wird", sagt Silke Kuhl nach ihrem persönlichen Premieren-Marathon. Vorstellen könne sie sich nun, solch einen zu wiederholen. "Weil es einfach so viel Spaß gemacht hat."

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