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Dieses Bild sagt mehr als 1000 Worte: Daniyel Cimen, der Trainer des FC Gießen, während der Partie seines Teams gegen den FC Rot-Weiß Koblenz.

Fußball-Regionalliga

Ganz bitterer Nachmittag für den FC Gießen

Der FC Gießen trägt die rote Laterne über den Martinstag hinaus: Durch die 1:2 (0:0)-Niederlage gegen den FC Rot-Weiß Koblenz bleibt die Cimen-Truppe Schlusslicht der Regionalliga.

Einen solchen Kontrast zwischen oben und unten hätten die 411 Zuschauer im Waldstadion am Samstag lieber nicht gesehen. Oben strahlte die Sonne, während unten auf dem Grün raue Luft herrschte. Sowohl auf Gießener als auch auf seiten des FC Rot-Weiß Koblenz wurde in dieser Fußball-Regionalliga-Partie gekämpft um jeden Ball. Aber das war es auch schon fast. Gefühlt die Hälfte der Abgaben hüben wie drüben landeten beim Gegner oder im Seitenaus. Selten lief der Ball über mehr als zwei, drei Stationen.

Viele lange Pässe gerieten so lang, dass sie unerreichbar die Torauslinie überquerten. Stand kein Gegenspieler in nächster Nähe frei, und das war oft der Fall, dann wurde der Ball hastig blind nach vorne gedroschen. Freilaufen, sich anbieten - das fand zu selten statt. Auf beiden Seiten gab es niemanden, der das Heft in die Hand nahm oder nehmen konnte. So entwickelte sich ein nicht besonders attraktives Geschehen auf dem Rasen.

Schiedsrichterin als Lichtpunkt

Als Lichtpunkt neben den 22 Männern auf dem Platz entpuppte sich eine Frau - Schiedsrichterin Karoline Wacker. Sie hatte das Geschehen zumeist gut im Griff und schlug wenn nötig hier und da einen rauen Ton an (»Nun macht mal!«). Die Spieler gehorchten ihr 90 Minuten lang, belegt auch dadurch, dass die Finanzbeamtin keine Gelbe Karte wegen Meckerns verteilen musste. Vier an der Zahl wurden von ihr ausschließlich wegen Foulspiels ausgeteilt.

»Man of the Match« war zweifelsfrei Gießens routinierter Torsteher Frederic Löhe. In der ersten Viertelstunde versuchte er, seine Vorderleute lautstark anzupeitschen.

Frederic Löhe der Libero

Danach spielte er den Libero insofern, dass er bei fast jeglicher Rückgabe den Ball gemächlich vor sich hintrieb, als wolle er auf Zeit spielen. Wenn dann endlich ein Gegner sich bequemte, sich ihm zu nähern, blies er die Kugel nach vorne in Richtung gegnerische Torauslinie. Selten landete einer der Bälle bei einem Mitspieler. Im näheren Bereich boten sich ihm aber kaum Anspielmöglichkeiten. Ausgebremst wurde so ein geordnetes Mittelfeldspiel mit vernünftigem Aufbau. Doch der herausragende Akteur auf dem Platz war Löhe deshalb, weil er sich durch zahlreiche Paraden auszeichnete und so eine wesentlich höhere Niederlage des FC verhinderte.

Hätte die Unparteiische in der 16. Minute für die Gießener nach einem vermeintlichen Strafraumfoul an Takero Itoi den lautstark geforderten Foulelfmeter gepfiffen, wer weiß, welchen Verlauf das Spiel genommen hätte. Selbst Gästetrainer Heiner Backhaus hätte den Elfmeterpfiff ohne Murren hingenommen, wie er später zugab. Die erste Ecke der Koblenzer Gäste wurde in der 32. Minute notiert. Bei Gießen dauerte es bis zur 78. Minute. Das sagt viel über das Spielgeschehen aus.

Gästetrainer Backhaus kommentierte das Spielergebnis als »ein bisschen verdient für uns«, hob hervor, dass »wir läuferisch gegen Ende überlegen waren.« Für Heimtrainer Daniyel Cimen war es »eine ganz bittere Niederlage. In den ersten 20, 25 Minuten haben wir es nicht geschafft, Tore zu schießen.« Koblenz sei dann besser ins Spiel gekommen und nach der Pause aktiver gewesen. Mit den Gegentoren haderte er: »Beim Freistoß zum 0:1 drehen sich drei Spieler um. Und beim 2:1 kommt nach einem Freistoß der Spieler völlig blank zum Torabschluss. Das sind Dinge, die in der Regionalliga bestraft werden.«

Hoffnung nach Itoi-Tor

Dem 1:0 durch Iosif Maroudis in der 49. Minute folgte in der 67. der hoffnungsvolle Ausgleich. Itoi hatte sich auf der linken Seite durchgetankt, legte quer in den Strafraum, und Donny Bogicevic glich aus zum 1:1. In der 84. war es erneut Maroudis, dem der Siegtreffer gelang. Löhe hatte bei beiden Gegentreffern keinerlei Abwehrchance.

FC Gießen: Löhe - Lo Scrudato (ab 79. Fisher), Reithmeir, Sarr, Takehara - Fink - Sawada, Bogicevic - Owusu, Öztürk, Itoi (ab 72. Münn).

FC Rot-Weiß Koblenz: Gaye - Weidenbach, Buckesfeld, Ghandour, Jakob (ab 46. Breitfelder, ab 90.+1 Duncan) - Ekalle, Spang, Fouley - Ceylan (ab 76. Crosthwaite), Lemmer (ab 86. Kovasevic), Maroudis.

Im Stenogramm: Schiedsrichterin: Karoline Wacker (Großerlach). - Zuschauer: 411. - Tore: 0:1 (49.) Maroudis, 1:1 (67.) Bogicevic, 1:2 (84.) Maroudis.

Die Entscheidung im Waldstadion: Gießens Torhüter Frederic Löhe (l.) muss das Tor zum 1:2-Endstand durch den Koblenzer Iosif Maroudis (nicht im Bild) hinnehmen, Michael Fink (FC, M.) und Quentin Fouley sind Zuschauer der Szene.

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