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Da schaut der Italiener etwas trostlos: Mario Interbartolo zeigt sich in der Pizzeria "Lava" in Krofdorf-Gleiberg als fairer Verlierer, Jennifer Göttler jubelt. (Foto: sno)

Fußball-EM: 120 Minuten Stichelei

So hat das deutsch-italienische Paar Jennifer Göttler/Mario Interbartolo am Samstagabend in Krofdorf-Gleiberg das packende EM-Viertelfinale verfolgt.

Auf der Suche nach einem deutsch-italienischen Paar aus Gießen haben wir auch Absagen bekommen: "Seit Beginn der EM herrscht bei uns ein kleiner Krieg", schreibt etwa Marisa Giorno, die einen deutschen Freund hat. "Aus diesem Grund werden wir uns das Spiel am Samstag nicht zusammen ansehen, da unsere Emotionen sonst überkochen würden." Ein Glück, dass sich Jennifer Göttler und Mario Interbartolo bereit erklären, ihre Emotionen vor, während und nach der Partie zu teilen. Mit dem Paar aus Gießen schauen wir das EM-Viertelfinale im Hinterhof der Pizzeria "Lava" in Krofdorf-Gleiberg. Mario Interbartolo, sonst ganz Italiener, gibt sich nach dem Aus im Elfmeterschießen überraschend versöhnlich: "Jenny hätte man trösten müssen, mich nicht. Deutschland hat verdient gewonnen." Das sage er nur, "weil er von Anfang an gewusst hat, dass es für Italien diesmal nichts zu holen gibt", meint Jenny.

Dieser Abschlussdialog ist typisch für das Paar, das sich im April 2015 kennenlernte. Sie provozieren gerne. Beide haben Kinder aus der ersten Ehe, bekommen nun eine gemeinsame Tochter, Mila. Der Mann, Mario Interbartolo, an diesem Abend mit dem blauen Nationaltrikot und der Nummer eins "Mario" auf dem Rücken, ist typischer Italiener. Der 41-Jährige fährt einen Ferrari, "ein Kindheitstraum, den ich mir erfüllt habe". Er lässt sich gerne von seiner Mutter bedienen, sagt selbst von sich: "Ich bin verwöhnt von zuhause aus." Und er ist von sich und seinem Land überzeugt: "Wir gewinnen, aufgrund der Bilanz und unserem Können", meint Interbartolo vor der Partie.

Seine Sitznachbarin, Jennifer Göttler, weiß all das, kommt sehr gut mit ihrem italienischen Freund zurecht. Die 38-Jährige sagt: "Lieben können die Italiener. Und unser Humor passt." Sie ist eine, die gerne stichelt. Schon vor der Partie verlinkt sie ihren Freund auf jedem "Wir-hauen-Italien-raus"-Video im Internet. "Wir ziehen uns gerne gegenseitig auf – da ist der Fußball ein schöner Anlass", sagt Jenny Göttler.

Das erste Highlight steigt schon vor dem Spiel: Mario Interbartolo isst eine Stunde vor dem Klassiker zwischen Deutschland und Italien ein Schnitzel – in der Pizzeria. Das postet Jenny unverzüglich. Während der ersten 45 Minuten sticheln beide gelegentlich, konzentrieren sich aber hauptsächlich aufs Spiel. Zwei Kommentare von Jenny bleiben hängen. Als Sami Khedira verletzt liegen bleibt, wird er von Dr. Müller-Wohlfahrt behandelt. Dessen Sohn ist nun mit Lena Gercke zusammen – die wiederum die Ex von Sami Khedira ist. Diese Verbindung fällt Jenny auf, sie muss lachen. Der italienische Mann schüttelt nur den Kopf.

Zweite Anmerkung: "Wir Deutschen machen doch viel mehr für’s Spiel – die Italiener sind so faul wie du auf der Couch!" Dort verbringt Mario Interbartolo in der Regel seinen Sonntag. "Dieser Tag ist schließlich zum Entspannen da." Nach 45 Minuten steht es 0:0 und auch der Halbzeitstand zwischen Jenny und Mario ist unentschieden. Beide schenken sich nichts, man muss allerdings anmerken: So ruhig schauen wenige italienische Männer zu. Als Deutschland immer stärker wird, fragt Jenny dann mal nach: "Schatz, du bist so still, was ist denn los?"

Der Mann erkennt an, dass die DFB-Elf Vorteile hat. Trotzdem fällt der Ausgleich. "Typisch italienisch", meint Jenny. Mario schweigt zufrieden, er ist ohnehin tiefenentspannt und von seiner Elf überzeugt. "Wir haben uns auf die Verlängerung eingestellt", meint er. Nachdem Jonas Hector den entscheidenden Elfmeter verwandelt und um Mario Interbartolo herum wild gejubelt wird, bleibt der Italiener ruhig. Er erkennt an und bestätigt, dass dieses Paar sich gerne anstachelt. "Siehst du Schatz, das ist der Unterschied zwischen uns. Du hast nur provoziert. Ich kann auch jetzt ruhig bleiben." (sno)

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