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Fuldaer Derby eskaliert

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Von: Oliver Vogler

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Wenn es zu hart zur Sache geht, kochen die Emotionen zu schnell über. In Fulda sollen diese nach Spielschluss zu körperlichen Attacken geführt haben. ARCHIV-MUSTER © Oliver Vogler

(goe/red). Es endete mit einem Krankenwagen- und Polizeieinsatz: Das Stadtderby in der Fußball-A-Liga zwischen der SG Frischauf Fulda und dem Türkischen SV Fulda am Sonntag (3:3). Ein Zuschauer, der keiner Fan-Gruppe zugeordnet werden konnte, hatte inmitten von Tumulten nach Abpfiff einen Platzordner von Frischauf geschlagen, dieser blieb bewusstlos liegen und musste ins Krankenhaus gebracht werden.

Der TSV führte früh, Frischauf stellte zwischenzeitlich auf 3:1, ehe der Türkische SV in der Schlussphase zum 3:3 ausglich. Soweit das sportliche Geschehen, was aber eine Nebenrolle spielen sollte: »Das ganze Spiel war sehr hitzig. Der Gegner ist permanent auf die Knochen gegangen und das hat sich hochgeschaukelt«, schildert SGF-Vorstand Benjamin Möller, zwei seiner Spieler seien verletzt ausgewechselt, rotwürdige Szenen nicht geahndet worden. Trainer Besfort Tafolli stand selbst auf dem Platz und ergänzt: »Es sind Ellbogen geflogen, einer meiner Spieler hat aus dem Mund geblutet, die Nase war fast kaputt.«

Der Schiedsrichter sei nach Abpfiff in die Kabine gegangen, dann begannen die Tumulte: »Ganz viele Leute sind auf den Platz«, schildert Möller. Es gab eine Rudelbildung - wodurch ausgelöst, war nicht unbedingt zu erkennen. Zu den Spielern gesellten sich auch Zuschauer. »Dann haben wir Ordner auf den Platz geschickt und einer ist aus der Menge heraus von einem Unbekannten niedergestreckt worden«, so Möller. Der Täter konnte keinem Fanlager zugeordnet werden, »er ist über den Zaun abgehauen, danach haben wir Krankenwagen und Polizei gerufen und konnten es beruhigen«, so Möller. Der Ordner ist am Montag wieder aus dem Krankenhaus entlassen worden, der Täter sei mittlerweile ermittelt und bekomme eine Anzeige. »Unser Ordner war längere Zeit bewusstlos. Ich kenne den Zuschauer nicht, aber er war wohl schon ein, zwei Mal hier«, ergänzt Möller.

In der Rudelbildung sei vieles unübersichtlich gewesen, auch Tafolli hatte die Übersicht verloren. »Es waren einfach zu viele. Aber das hat mit Fußball nichts zu tun«, bedauert er das Vorgehen des Gegners während der 90 Minuten. »Wir kennen uns ja privat, viele verstehen sich gut. Und dann muss sowas beim Fußball passieren. Warum? Da haben Kinder zugeguckt, die waren schockiert, das hat mir einfach leidgetan.«

Auf der einen Seite merkt der Frischauf-Spielertrainer an, »dass der Schiri viel härter hätte durchgreifen müssen, schon am Anfang«. Doch in einem Gespräch nach Abpfiff in der Kabine habe er den Gastgebern mitgeteilt, dass er Angst gehabt hatte, eine rote Karte zu verteilen. »Er hat in der Kabine geweint«, schildert Möller. Und Tafolli: »Bei der ersten gelben Karte hatte seine Hand schon gezittert.«

Einen Gedanken haben die SGF-Protagonisten alle: Beim Rückspiel in der Rückrunde nicht anzutreten. »Wir sind alle Hobbyfußballer und wollen am nächsten Tag einfach gesund an die Arbeit kommen«, so Tafolli. Vorstand Möller schließt: »Unsere Spieler waren wie Freiwild.«

Die Sicht der Dinge des Gegners ist eine andere: Ibrahim Kücükler, einstiger Spielertrainer beim TSV und Verantwortlicher, der in Hälfte zwei eingewechselt wurde, sprach ebenfalls von einem hitzigen, aber nicht überharten Spiel: »Wir waren 1:3 hinten, der Platz war tief, es war körperbetont.« Ohne Körperkontakte wäre es kein Fußball »und dann gehen manche Zuschauer da natürlich mit«, so Kücükler, der die Szenerie nach Abpfiff nicht mitbekam und sich aus coronabedingten Gründen direkt auf den Heimweg machte, um zu duschen.

Ohne Frage wird sich die Sportgerichtsbarkeit mit den Vorgängen beschäftigen - und vielleicht nicht nur die. Ein weiterer trauriger Vorfall im Amateurfußball, der seit Wochen diesbezüglich bundesweit für Negativschlagzeilen sorgt.

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