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Tokio wir kommen: Marc Weber (vorne) vom Gießener Ruderclub Hassia und Stephan Krüger (Frankfurter RG) gehen bei den Olympischen Spielen im Doppelzweier an den Start.

Rudern

Für Hassia-Ruderer Marc Weber geht ein Traum in Erfüllung

  • Wolfgang Gärtner
    VonWolfgang Gärtner
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Für Marc Weber geht ein Traum in Erfüllung. Der gebürtige Licher startet bei den Olympischen Spielen in Tokio. Der 23-Jährige vom Gießener Ruderclub Hassia hat zusammen mit seinem Partner Stefan Krüger den Zuschlag für den Doppelzweier erhalten.

Für Marc Weber stehen noch harte Wochen an. Zurzeit bolzt der Ruderer der Gießener Hassia in Oberdorf am Weissensee in Österreich Bootskilometer, um Grundlagenausdauer aufzubauen. Dort erhielt der in Gießen in einer WG wohnende und in Butzbach aufgewachsene 23-Jährige die frohe Kunde der Olympia-Nominierung für den Doppelzweier. Natürlich war die Freude groß beim 23-Jährigen über das Tokio-Ticket. Wie er es zelebriert hat, verrät der 1,90 m große Modelathlet in unserem Interview.

Glückwunsch zur Olympia-Nominierung. Wie und wann haben Sie davon erfahren?

Vielen Dank! Ich habe es selber ganz unspektakulär über einen Instagram-Post von Team Deutschland, in dem ich markiert wurde, und später dann per Mail erfahren. Wir sind gerade im Trainingslager, und ich kam gerade von der Einheit zurück. Man duscht sich, legt sich ins Bett und scrollt etwas durch Instagram und zack auf einmal sieht man seine eigene Nominierung. Das war schon ein eigenartiges - aber auch ein super schönes Gefühl.

Was ging in Ihnen vor, als Ihnen bewusst war, die Olympia-Teilnahme in der Tasche zu haben?

Man muss natürlich sagen, dass die Teilnahme sich schon etwas abgezeichnet hat. Wir haben in den letzten Monaten den int ernen Ausscheid in Deutschland gewonnen und sind danach auch die Weltcups in dieser Besetzung gefahren. Dennoch bin ich vom Typ her jemand, der erst daran glaubt, wenn es wirklich offiziell ist - und das ist seit Dienstag der Fall. Da fällt schon etwas Anspannung ab, man ist erleichtert und nochmal voll motiviert, sich die nächsten Wochen so gut wie möglich zu entwickeln.

Haben Sie sich daraufhin etwas Besonderes gegönnt?

Mittagsschlaf (lacht). Wir sind ja gerade im Trainingslager und machen da nochmal richtig Tra iningsumfänge. Die Freude war groß, aber man denkt natürlich auch direkt wieder an die nächste Einheit. Nach Tokio fahren zu dürfen, ist nur der erste Schritt, der zweite ist dann, auch möglichst weit vorne dabei zu sein.

Wie war das Feedback von Familie, Verein und Freunden?

Ich habe von allen Seiten Glückwünsche bekommen, me in Handy stand für ein paar Stunden gar nicht mehr still. Das war besonders beim Mittagsschlaf dann ein Problem (lacht).

Was hat nach Ihrer Meinung den Ausschlag für Ihre Person gegeben?

Ich glaube das Gesamtpaket meiner Leistung stimmt. Ich kon nte mich bei ziemlich allen Überprüfungen in der Teamselektion sehr gut durchsetzen und vorne platzieren, außerdem harmoniert unser Boot mit meinem Zweierpartner sehr gut. Wir sind eine wirklich gut funktionierende Einheit, die international mitfahren kann - und das sehen die Trainer, denke ich, auch.

Wie geht es nun trainingsmäßig weiter für Sie?

Wir haben noch knapp 30 Tage Zeit bis zu unseren Rennen. Die verbringen wir fast vollständig zusammen im Training mit dem Team. In den nächsten zwei Wochen heißt es nochmal, sich in Österreich Grundlagenausdauer zu holen, danach werden wir in Kinosaki (Japan) an unserer Renngeschwindigkeit arbeiten und von dort aus direkt nach Tokio anreisen.

Wann starten Sie nach Japan, wann beginnen die Wettbewerbe für Sie?

Wir starten Anfang Juli scho n nach Kinosaki (ca. 450 Kilometer von Tokio entfernt; Anm. der Red.). Die Ruderwettkämpfe beginnen sehr früh, die ersten Rennen finden wenige Tage nach der Eröffnungsfeier statt.

Wie sind Sie vor Ort untergebracht, teilen Sie sich ein Zimmer mit Ihrem Zweierkollegen Stefan Krüger?

Das wissen wir alle noch nicht so richtig. Normalerweise waren die Zimmer für zwei bis fünf Personen gedacht, aber durch Corona ändert sich ja alles. Wir dürfen nur noch drei Tage vor dem ersten Rennen überhaupt in das Olympische Dorf und müssen 24 Stunden nach dem letzten Rennen aus dem Land sein. Im Dorf selber dürfen wir uns wohl auch nur mit Genehmigung bewegen, die Stadt Tokio an für sich ist wahrscheinlich tabu.

Hatten Sie schon einmal Kontakt mit der Olympia-Ruderstrecke - was ist an ihr außergewöhnlich oder besonders zu beachten?

Ich hatte noch keinen Kontakt mit ihr. Aber grundsätzlich ist es eher schlecht., wenn eine Strecke ins Meer gebaut wurde. Das macht sie sehr wind- sowie wellenanfällig und damit schwer ruderbar. Rudern ist eben eine Outdoor-Sportart - und das bedeutet, bei schlechtem Wetter können manchmal andere Boote gewinnen als bei flachem Wasser. Wir können beides gut. Ich freue mich auf die Rennen - unabhängig vom Wetter.

Welches Ziel stecken Sie sich für Tokio?

Das Doppelzweier Feld ist international sehr eng. In keiner anderen Bootsklassen sind so viele Boote auf Medallienkurs. An ein em guten Tag wird man Olympiasieger, an einem schlechten schafft man es nicht einmal in das A-Finale der Top-Sechs. Wir haben uns daher erstmal das Ziel A Finale gesteckt. Wenn wir da rein fahren, ist auch eine Medaille in greifbarer Nähe.

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