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Die richtige Balance finden muss die 46ers-Mannschaft von Trainer Rolf Scholz bei den Baskets in Würzburg.

Basketball-Bundesliga

Für die Gießen 46ers ein Gegner in Reichweite

  • Markus Konle
    vonMarkus Konle
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Nach drei Spielen gegen Topteams der Basketball-Bundesliga wartet auf die Gießen 46ers der Tabellen-14. Würzburg, der zu Hause noch sieglos ist - und das soll auch so bleiben.

Am Dienstagabend endet für die Gießen 46ers in Würzburg die turbulente Vorrunde in der Basketball-Bundesliga. Zwei magere Siege hat der Tabellenletzte vor dem 17. Spieltag erst eingefahren. Es wird also allerhöchste Zeit für den dritten Erfolg, der am Dienstag (20.30 Uhr/MagentaSport) in Würzburg endlich geholt werden soll - bei einem Gegner, der nicht zuletzt durch große personelle Probleme ungefähr auf Augenhöhe mit den 46ers ist und auch in der Tabelle mit 10:22 Punkten in Sichtweite liegt.

Die immense Bedeutung der Partie ist klar, aber Gießens Trainer Rolf Scholz versucht, etwas Druck von seinem Team zu nehmen: »Das Spiel ist enorm wichtig für uns, wie alle Spiele, gerade gegen Mannschaften, die nicht zur Spitzengruppe gehören«, sagt der Coach: »Aber ich würde es vermessen finden, in unserer Situation zu sagen, wir müssen Spiele auswärts in der BBL gewinnen. Ich weiß aber natürlich, dass wir Spiele gewinnen müssen, um in der Liga zu bleiben.« Nach der 82:101-Niederlage nach einer desolaten ersten Hälfte gegen Crailsheim am Samstag erwartet er eine Reaktion seiner Mannschaft, die vor allen Dingen härter verteidigen und konsequenter rebounden muss.

Die Lage: Die Situation ist kritisch, aber nicht hoffnungslos für die 46ers (4:28 Punkte): Tabellennachbar Vechta (6:26), der ebenfalls auf einem Abstiegsplatz steht, hat zwei Zähler mehr. Bonn und Chemnitz (je 8:22) sind ebenso in Reichweite wie Würzburg, Göttingen und Weißenfels (je 10:22) - zumindest, wenn die 46ers mal wieder einige Erfolgserlebnisse feiern.

Der Gegner: Die Baskets Würzburg um Ex-46ers-Coach Denis Wucherer haben enormes Verletzungspech, gleich drei US-Amerikaner fallen langfristig aus. Deshalb haben die Franken kürzlich den US-Powerforward Perry Jones verpflichtet, der 155 NBA-Spiele für Oklahoma absolviert hat. In seinen beiden bisherigen Begegnungen hat der 2,11-Meter-Mann im Schnitt 5,5 Punkte und 5,0 Rebounds verbucht. Die letzten vier Partien verloren die Würzburger, standen aber zuletzt gegen den FC Bayern (70:74) vor einer Überraschung und auch am Samstag gegen Göttingen (82:87) fehlte nicht viel. Kurios: Die Baskets haben keines ihre Heimspiele gewonnen. In Wucherers Startformation standen zuletzt neben US-Allrounder Tyson Ward in Nils Haßfurther, Felix Hoffmann, Alex King und Jonas Weitzel vier Deutsche.

Die Schlüsselspieler: Rückkehrer Alex King (36), der vom FC Bayern ausgeliehen wurde, ist der Anführer der Würzburger. Der Flügelspieler absolviert eine starke Saison und war gegen Göttingen mit 22 Punkten der Topscorer der Baskets, für die der von der Bank kommende Cameron Hunt (12,2 Punkte im Schnitt) der verlässlichste Scorer ist. Von der Papierform sollten die 46ers am Brett durch John Bryant und Chad Brown Vorteile besitzen gegenüber dem 22-jährigen Weitzel. Er ist nominell der einzige verbliebene Center der Franken, die angekündigt haben, unter anderem auf dieser Position noch einmal nachzubessern.

Personelles: Den Würzburgers fehlen in Brekkott Chapman (Achillessehnen-Anriss), Justin Sears (Knie) und Zach Smith (Schulter) gleich drei Leistungsträger. Bei den 46ers sind alle Mann an Bord. Welcher US-Amerikaner bei den Gießenern diesmal aussetzen muss, will Scholz erst nach dem Abschlusstraining am Dienstagmorgen entscheiden. Scottie James, der gegen Crailsheim zuschauen musste, wird wohl wieder ins Team rücken. Legt man die Leistung von Samstag zugrunde, hat Brandon Bowman unter den Importspielern wohl die schlechtesten Chancen auf einen Platz im Kader.

Das sagen die Trainer: Rolf Scholz: »Das Kollektiv ist die größte Würzburger Stärke. Das ist ja in den vergangenen Jahren in den Teams von Denis Wucherer immer so gewesen. Aber ich glaube, in diesem Punkt sind sie uns zwei Schritte voraus. Trotz der personellen Ausfälle arbeiten sie als Gruppe schon eine ganze Zeit zusammen. Sie verteidigen unglaublich intensiv als Mannschaft und haben ein gefährliches Umschaltspiel.« Denis Wucherer sagt über die 46ers auf der Klub-Homepage: »Sie haben eine erfahrene Mannschaft. Und wir müssen natürlich sehen, wie wir mit John Bryant klarkommen, nachdem uns Göttingens großer Mann Tai Odiase sehr weh getan hat.«

Drei Fragen an Trainer Rolf Scholz

Wie erklären Sie mit etwas mehr Abstand die Vorstellung in der ersten Halbzeit gegen Crailsheim?

Wir wollen nichts schönreden: Das war richtig schwach. Man hat wieder gemerkt, wie sensibel es ist, Spieler innerhalb von ein paar Tagen zu integrieren. Diesen Prozess haben wir schon ein paar Mal durchleben müssen in dieser Saison. Ein Aufbauspieler ist ja nicht irgendein Spieler auf dem Feld. Das war, was den Rhythmus angeht, kompliziert, auch wenn es Diante Garrett ordentlich gemacht hat. Und ein Grund ist, dass wir nicht die richtige Reaktion gezeigt haben in der Verteidigung. Das geht ja oft bei uns im Angriff los, dass wir uns Fehler erlauben, die überflüssig sind. Wir lassen uns davon auch in der Verteidigung anstecken. Das hat dann in Kombination mit den starken Crailsheimern dazu geführt, was wir erleben mussten in der ersten Halbzeit.

Wie haben Sie mit der Mannschaft die Partie aufgearbeitet?

Erst muss man das mal verdauen. Eigentlich war am Sonntag eine regenerative Einheit geplant. Wir haben das dann doch etwas anders gemacht. Wir haben am Sonntagvormittag sehr intensiv trainiert. Wir haben auch sehr deutlich angesprochen, was uns nicht gepasst hat. Manchmal ist das im Video auch ein bisschen einfacher zu erklären. Da muss man nicht so viele Worte finde, sondern kann das aufzeigen. Und es ist ja vieles eindeutig gewesen. Das hat uns geholfen. Diese sehr intensive Einheit hat den Jungs auch gut getan als Mannschaft. Und jetzt haben wir einen Haken an das Crailsheim-Spiel gemacht. Es hilft ja nicht, noch lange zu sinnieren, was alle nicht gut war. Jetzt gucken wir nach vorne.

Und wie bauen Sie das Team vor dem wichtigen Spiel in Würzburg wieder auf?

Wir haben uns noch einmal verdeutlicht, dass wir in den letzten Wochen auch viel Gutes gezeigt haben. Zum Beispiel in den Spielen gegen Oldenburg oder in Ludwigsburg, das waren ja ähnlich starke Mannschaften wie Crailsheim. Das haben wir den Jungs noch einmal deutlich gemacht: Wir können ja auch so spielen. KUS

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