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Wieder für den SK 1858 Gießen in der Hessenliga am Brett - Altmeister Gerhard Orwatsch.

Freude über Rückkehr von Orwatsch

  • VonFrank Drill
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(fjd). Mit dem Heimspiel gegen den FTV 1860 Frankfurt eröffnet der SK 1858 Gießen an diesem Sonntag die Punktspielsaison 2021/22 in der höchsten hessischen Spielklasse (Beginn um 14 Uhr in den Räumen der Gesellschaft für Soziales Wohnen, Hannah-Arendt-Strasse).

Wer geimpft oder genesen ist, der darf nur sechs Wochen, nachdem sich die coronabedingt über 23 Monate (!) erstreckende Hessenliga-Saison 2019/21 mehr schlecht als recht ihren Abschluss gefunden hat, einen neuen Anlauf wagen. Die Plätze des sportlichen Absteigers SC König Nied (Platz zehn mit 3:15 Punkten), des freiwilligen Absteigers SC Griesheim II (die Südhessen hatten trotz Klassenerhalt ihr Team komplett zurückgezogen) und des in Richtung Oberliga Ost abgewanderten Überraschungsmeisters SK Bad Homburg haben die VSG Offenbach, der SC Heusenstamm II (startet mit einem Drei-Punkte-Abzug) und die Sfr. Emstal/Wolfhagen II eingenommen, ansonsten ist scheinbar alles beim Alten geblieben.

Bei Gießen Urgestein Gerber für Brett acht gemeldet

Während bei den zweiten Mannschaften der hessischen Großvereine mächtig geklotzt wird, sind bei den übrigen Teams personelle Veränderungen eher kleingeschrieben. Der SK 1858 Gießen darf sich über die Rückkehr von Altmeister Gerhard Orwatsch (DWZ 1975) freuen, der in den vergangenen beiden Spielzeiten bei der SSG Hungen/Lich gute Resultate in der Landesklasse West vorweisen konnte. Ziehen lassen mussten die Mittelhessen im Gegenzug die Albanierin Bruna Tuzi, die sich dem Verbandsliga-Aufsteiger SV Wiesbaden II angeschlossen hat. Auch Holger Burkhardt, der sich beruflich nach Norddeutschland verändert hat, wird wohl nicht mehr für den SK 1858 auflaufen, auch wenn dessen Spielberechtigung noch besteht.

Gemeldet fürs achte Brett wurde daher Urgestein Peter Gerber, der bereits in der Vorsaison mit fünf Einsätzen für seine Verhältnisse überdurchschnittlich oft aushalf. Top-Scorer Thomas Sunder, der in der Vorsaison nicht nur ungeschlagen blieb, sondern mit fünf Punkten aus sechs Partien das hessenweit beste Einzelergebnis der Liga aufwies, rückt von Brett sieben auf Brett vier auf. Neben Sunder gehörten Dr. Lutz Konrad (vier Punkte aus sechs Partien) sowie der alte und neue Erstbrettspieler FM Roger Derichs (3 aus 5) zu den unbezwungenen Leistungsträgern des Gießener Teams, die mit 10:8 Punkten und Rang fünf 2019/21 einen soliden Mittelplatz belegen konnten.

13-jähriger Hagner bei Auftaktgegner FTV am Spitzenbrett

Auftakt-Gegner FTV 1860 Frankfurt, denen neben den Biebertaler Schachfreunden und Sfr. Neuberg die hessenweit beste Nachwuchsarbeit nachgesagt wird, setzte mit der Nominierung des erst 13-jährigen Bennet Hagner ans Spitzenbrett (!) ein deutliches Zeichen. Der Abgang des nach Trier abgewanderten Positionsspielers Jerome du Maire dürfte mit dem amtierenden Deutschen U-14-Vizemeister Lucas Förster-Yialamas adäquat kompensiert worden sein. Der Leistungsstand der Frankfurter ist stark abhängig vom Mitwirken des erstbundesligaerfahrenen Internationalen Meisters Sven Telljohann (DWZ 2324), dessen Vorjahres-Score am dritten Brett (5,5 aus 7) - wie bereits erwähnt - prozentual nur vom Gießener Thomas Sunder übertroffen werden konnte.

In der abgelaufenen Spielzeit musste sich der FTV 1860 Frankfurt bei nur 4:14 Punkten mit dem vorletzten Tabellenplatz zufriedengeben.

Neben dem SK Gießen und dem FTV 1860 gehören die Neuberger Schachfreunde II (Abgang: Dennis Hankel), die VSG Offenbach (Abgang: Dominik Laux) und der SC Fulda zu dem Quintett von Teams, die den bzw. die Absteiger unter sich ausmachen werden.

Aufstellung des SK 1858 Gießen: Brett 1: FM Roger Derichs, 2: Peter Rudolph, 3: Dr. Lutz Konrad, 4: Thomas Sunder, 5: Prof. Roland Arbinger, 6: Thorsten Eckhardt, 7: Jens Bahlo, 8: Peter Gerber.

Biebertaler müssen in der Verbandsliga zur alten Stabilität zurückfinden

Ausgesprochen deprimierend verlief die abgelaufene Spielzeit für die Biebertaler Schachfreunde. Von den sieben durchgeführten Punktspielen der Verbandsliga Nord gingen deren sechs für die Mittelhessen verloren, einzig Schlusslicht SK Gelnhausen konnte mit 6,5:1,5 bezwungen werden. Auch mit den zwei kampflosen 8:0-Erfolgen gegen die nordhessischen Vertreter SK Vellmar und dem bereits als Meister feststehenden Sfr. Emstal/Wolfhagen II, die pandemiebedingt gegen Biebertal nicht angetreten waren, reichte es für die Mittelhessen nur zum vorletzten Tabellenplatz der zweithöchsten hessischen Spielklasse.

Die an diesem Sonntag mit der Auswärtsbegegnung beim Vorjahresfünften SV Oberursel II beginnende Punktspielsaison 2021/22 ist für Biebertal gewissermaßen das Jahr eins nach FM Alexander Krastev. Der frischgebackene U-16-Europameister hatte sich bereits im Sommer 2020 dem Zweitbundesligisten SG Solingen II angeschlossen und wollte damit in seiner schachlichen Karriereplanung den nächsten Schritt vollziehen. Pandemiebedingt war Krastev in der Zweiten Bundesliga bislang noch nicht zum Einsatz gekommen.

Dem Abgang von Alexander Krastev wäre um ein Haar noch der Wechsel von Franziska Blaschke (vor ihrer Hochzeit Franziska Liez) zur Schachjugend Herborn hinzugekommen, die unbedingt gemeinsam mit ihrem Ehepartner Tobias Blaschke in einem Team spielen wollte. Da die Schachjugend Herborn aus unterschiedlichen Gründen vor dem Zusammenbruch steht und in Kürze aus dem Vereinsregister gestrichen werden wird, wurde aus Biebertaler Sicht aus dem Figurenverlust über Nacht ein Turmgewinn. Das Blaschke-Paar machte die Rolle rückwärts. Nicht nur, dass beide in der kommenden Saison nun das Biebertaler Trikot tragen werden, aus der Herborner Konkursmasse hat sich zusätzlich der ebenfalls verbandsligaerfahrene Fabian Bietz den Fellinghäusern angeschlossen. Zudem wird Christopher Ottway, der infolge von Hausbau und Nachwuchs mehrere Jahre pausiert hatte, wieder voll ins schachliche Geschäft einsteigen. Originellerweise unterrichtet Studienrat Ottway nach der von ihm gewünschten Versetzung von einem Friedberger Gymnasium an die Gießener Liebigschule in diesen Wochen in Klasse 11 seinen ehemaligen Teamkollegen Alexander Krastev.

Neuzugang Tobias Blaschke mit Gattin vereint

Ohne Krastev, dafür mit Blaschke, Ottway und Bietz möchte Biebertal das im doppelten Wortsinn »Seuchenjahr« hinter sich lassen und sich in der neu gestalteten Verbandsliga Nord adäquat positionieren. Einen »soliden Mittelplatz belegen«, lautet die Vorgabe von Mannschaftsführer Andreas Barth. Die Sterne für dieses Unterfangen stehen durchaus nicht ungünstig. Einerseits ist es wenig wahrscheinlich, dass Biebertal ein zweites Mal derart krass unter seinen Möglichkeiten agiert, zudem scheint das Niveau der Liga insgesamt deutlich niedriger geworden zu sein.

Neben dem zugegeben extrem schwachen Schlusslicht SC Gelnhausen haben mit dem gesponsorten Ausnahmeteam Emstal/Wolfhagen II und dem soliden SK Gründau (nun Verbandsliga Süd) zwei starke Teams die Lage verlassen und wurden durch Schachfreunde Frankfurt, den SC Bad Soden und Aufsteiger SVG Caissa Kassel ersetzt. Während Caissa Kassel, bei denen nur Erstbrettspieler FM Markus Hahn und Nachwuchsmann Erik Simukov Rating-Zahlen oberhalb von 2000 DWZ aufweisen, in der Rangliste auf Rang neun stehen, müssen Bad Soden und Sfr. Frankfurt den Abgang ihrer Top-Spieler Kevin Haack (wechselt zum Hessenligisten SV Hofheim II) und Omri Schlesinger (möchte coronabedingt aussetzen) verkraften.

Personell noch deutlicher abspecken musste Biebertals Auftaktgegner SV Oberursel II, dessen Durchschnitts-Rating von 2075 DWZ (Saison 2019/21) auf jetzt nur 1984 DWZ abstürzte, wodurch Oberursel II in der Rating-Rangliste auf Rang fünf einen Platz hinter den Biebertaler Schachfreunden (DWZ-Schnitt 2001) rangiert. Die beiden 80-jährigen Ex-Bundesliga-Haudegen FM Georg Haubt und Thomas Schwenkreis wurden (möglicherweise pandemiebedingt) nicht mehr nominiert, während der junge FIDE-Meister Samuel Weber ins Oberurseler Oberliga-Team aufrückte. Mit dem Polen Marcin Olesiak (DWZ 2081) hat zudem ein langjähriger Stammspieler den SVO mit unbekanntem Ziel verlassen.

Falls Biebertal in voller Kappelle den Weg in den Hochtaunus antreten sollte, ist der Partieausgang völlig offen, zumal in der Vorsaison die Partie an gleicher Stätte nur knapp mit 3,5:4,5 verloren gegangen war.

Bereits in der darauffolgenden Woche (6. November) empfängt Biebertal den SK Marburg II, der aufgrund diverser Abgänge in der Rating-Rangliste mit schlappen 1915 DWZ-Schnitt abgeschlagen an letzter Stelle steht. Ein Sieg wäre dann Pflicht für die Hausherren. Die Begegnung wird übrigens im Saal der Mehrzweckhalle Fellinghausen ausgetragen, dem früheren Domizil der Schachfreunde.

Anbei die gemeldete Aufstellung der Biebertaler Schachfreunde: Brett 1: Philipp Risius, 2: Tobias Blaschke, 3: Christopher Ottway, 4: Andreas Barth, 5: Frank Roeberg, 6: Nils Damm, 7: Alexander Lähnwitz, 8: Florian Reichelt, Ersatz: Fabian Bietz und Franziska Blaschke.

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