+
Comedian Henni Nachtsheim

Fußball / Eintracht Frankfurt

"Freu dich net zu früh!"

Comedian Henni Nachtsheim und Redakteur Ronny Th. Herteux haben sich über Aktuelles aus der Bundesliga und von der Frankfurter Eintracht unterhalten. Aber auch über Hamsterkäufe.

Hallo Herr Nachtsheim, der Sport rückt gerade vermehrt in den Hintergrund. Haben Sie auch schon Hamsterkäufe getätigt?

Nein. Hamster waren alle schon weg, es gab aber noch ein paar Meerschweinchen. Die hab ich natürlich sofort mitgenommen. Total süß!

Wir nähern uns dem Weltuntergang, da ist es nur allzu natürlich, dass die Gesellschaft mehr und mehr verroht. Was sagen Sie zu den erneuten Hass-Attacken auf Dietmar Hopp? Ganz gewiss haben die Ultras auch ein Anliegen und wollen eine hohe mediale Aufmerksamkeit erreichen. Momentan allerdings ernten sie eher Ablehnung und ihre Ziele werden in den Hintergrund gedrängt. Auf die falsche Taktik gesetzt?

Wenn ich es richtig verstanden habe, sind die Angriffe auf Dietmar Hopp die kollektiv verabredete Antwort auf die Strafe für die BVB-Anhänger die erst mal nicht mehr nach Hoffenheim dürfen. Das mindert zwar nicht die Hässlichkeit der Attacken, erklärt sie aber zumindest. Um es sehr verkürzt zu sagen: Wenn sich nicht bald alle Beteiligten zusammensetzen, wird es weitere Eskalationen geben, die das Klima noch mehr vergiften. Wir Fußballfans können nur hoffen, dass sich irgendwie die Vernunft durchsetzt, auch wenn das gerade schwierig werden dürfte.

Auf die richtige Taktik hat die Eintracht gesetzt, das 2:2 in Salzburg hat ihr den Einzug ins EL-Achtelfinale eingebracht. Jetzt geht es gegen den FC Basel, ein gutes Los?

Das kann ich nicht beurteilen. Wenn früher unser Mathe-Lehrer gesagt hat, die heutige Klassenarbeit wäre nicht so schwer, und ich mich schon sicher gefühlt habe, wurde es meist viel härter als erwartet. Von daher bin ich bezüglich solcher Aussagen wie "Die packen wir, die haben gerade ziemlich viel Probleme mit sich selbst" eher vorsichtig.

Zumal, jetzt kommt wieder das Virus ins Spiel, die Schweizer bis Ende März ihre Liga unterbrochen haben. Ein Vorteil für die Eintracht? Und für das Rückspiel in Basel droht eine Geisterkulisse. Also keine Anfeuerung für die Heimmannschaft.

Normalerweise könnte ich das jetzt bejahen, aber in dem Fall wäre das ehrlich gesagt ziemlich zynisch. Stellen Sie sich mal vor, in einem Jahr unterhalten sich zwei Eintracht-Fans, und der eine sagt: "Weißte noch, wie mer in Basel gewonne habbe? "Ja logo! Dank dem Coronavirus!"

Alles andere als eine Geisterkulisse werden wir heute Abend in Frankfurt erleben: Pokal-Viertelfinale gegen Werder Bremen, wird dies ein neues Fußball-Fest?

Auch da spricht so viel für uns, dass es mich schon wieder misstrauisch macht. Unsere Mannschaft ist ausgeruht, pokalaffin und trifft auf eine verunsicherte Mannschaft - das klingt zu einfach. Denn auch wenn ich mich wiederhole: Das meistverbreitete Tattoo unter älteren Eintracht-Fans ist immer noch "Freu dich net zu früh!"

Da nicht davon auszugehen ist, dass die Eintracht über die Bundesliga noch das internationale Geschäft in der nächsten Saison wird erreichen können, sollte alle Konzentration auf den Pokal gelegt werden, oder?

Ja, klar wäre das schön. Aber wir müssen aufpassen, dass wir das mit dem internationalen Wettbewerb nicht schon fast als Selbstverständlichkeit betrachten. Deswegen mache ich dieses Jahr auch keinen Urlaub im Ausland, sondern in der Rhön - quasi als so eine Art Mental-Training.

Die Bremer haben übrigens die Verlegung der für Sonntag vorgesehenen Bundesliga-Partie wegen der Verschiebung der Frankfurter Europa- League-Partie um 24 Stunden kritisiert. Der Wettbewerbsnachteil der einen Mannschaft wäre nun zum Nachteil der anderen geworden. Wie hätten Sie das Problem gelöst?

Als Eintracht-Fan genau so, wie es jetzt entschieden worden ist! Ich bin ziemlich zufrieden mit der Lösung!

Noch einmal zu Hass und Hetze: Der Schalker Sportvorstand Jochen Schneider geht mit den eigenen Fans hart ins Gericht, die ihren Torwart Alexander Nübel verspotteten beim 0:3 in Köln: "Vor zehn Jahren war das Thema Robert Enke so groß - und wir übergießen einen 23-jährigen Jungen, der einen Fehler macht, mit dieser Art von Häme." Richtig, oder ist das im Gehalt eines Profis als Schmerzensgeld enthalten?

Es zeigt jedenfalls, dass Spieler es nicht überbewerten sollten, wenn man sie feiert. Weil die Gemütslage eben schneller kippen kann als das Wetter. Mir sind die Zeiten allerdings gerade deutlich zu rau. Jeder zeigt sofort verurteilend mit dem Finger auf den, der einen Fehler macht - und blendet dabei komplett aus, dass er selbst auch nicht fehlerfrei ist, und froh ist, wenn man ihm das nachsieht. Das nervt mich zurzeit extrem!

So, Herr Nachtsheim, ich muss nun das Interview ausnahmsweise früher beenden, ich muss noch einkaufen.

Ich gebe Ihnen gerne ein Meerschweinchen ab, wenn Sie das möchten…

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare