Die Frauen haben das Wort beim Fußball-Neujahrsempfang

(mac) Die Hütte war voll. Und die Frauen hatten das Wort. Kein Wunder. Immerhin eröffnete der zwölfte Neujahrsempfang des Fußball-Kreises Gießen am Freitagabend im hübschen "Hardtberggarten" der Licher Brauerei das Fußball-Jahr 2011; und damit das Jahr der Frauenfußball-Weltmeisterschaft in Deutschland, die vom 26. Juni bis zum 17. Juli stattfinden wird.

Das Organisationsteam um Kreisfußballwart Henry Mohr hatte für die rund 300 Gäste - zumeist Funktionäre und Ehrenamtler aus den vielen Vereinen des Kreises - allerhand geboten, so dass sich der Besuch für die vielen Anwesenden durchaus gelohnt haben dürfte, obwohl die ehemalige Fußball-Nationalspielerin Tina Wunderlich vom 1. FFC Frankfurt ebenso passen musste wie Jürgen Kerwer (Ballance Hessen).

Mit Prof. Silke Sinning vom Hessischen Fußball Verband hatte Mohr allerdings eine Expertin in Sachen Frauen- und Mädchenfußball zum Gespräch eingeladen, die kompetent Auskunft über Gegenwart und Zukunft dieser Sparte geben konnte. Sinning hofft sehr, dass es den Frauen gelingt, auch die letzten Männer von ihrer Spielkunst zu überzeugen. "Die Frauen orientieren sich an den Männern; das Spiel wird schneller und athletischer. Die Spiele der Frauen-Nationalmannschaft sind auf jeden Fall sehr ansehnlich", sagte die Professorin, die nach der WM einen leichten Boom erwartet.

"Wir beschäftigen uns schon jetzt damit, was wir tun können, wenn nach der WM noch Mädchenmannschaften gemeldet werden, obwohl die Anmeldefristen längst vorbei sind", sagte Sinning, die bedauert, dass Mädchen immer noch weitere Strecken in Kauf nehmen müssten, um zu einem Fußballspiel anzutreten. "Da haben es die Jungs eindeutig besser", so die ehemalige Fußballerin.

"Fußball verbindet; das sieht man hier", erklärte Gießens Oberbügermeisterin Dietlind Grabe-Bolz in ihrem Grußwort, das sie stellvertretend für alle Bürgermeister aus dem Landkreis an die "Fußballer" richtete. "Es gibt keinen anderen Sport, der so integrativ wirkt", so Grabe-Bolz weiter, die den Frauenfußball besonders seit dem "Weltmeisterinnentitel 2003" intensiv verfolge. In guter Tradition war auch Landrätin Anita Schneider - als Nachfolgerin von "Stammgast" Willi Marx - nach Lich gekommen und unterstrich damit, dass die Frauen in diesem Jahr auch in der Männerdomäne Fußball das Wort haben werden. "2011 gehört im Fußball den Frauen", sagte sie, lobte im Anschluss aber auch Verdienste der Männer und spannte den Bogen über beide Geschlechter: "Nichts geht ohne das Ehrenamt", erklärte die Landrätin und erhielt dafür großen Applaus.

Walter Biba, Vizepräsident des Hessischen Fußball-Verbandes, erklärte, er wünsche sich für 2011 ein "Sommerfrauenmärchen". "Die Frauen-WM wird das überragende Ereignis in Deutschland sein", glaubt Biba, der daran erinnerte, dass insgesamt vier Partien der internationalen Titelkämpfe vor der Haustüre in der Commerzbank-Arena in Frankfurt stattfinden werden, darunter ein Halbfinale und das Finale - hoffentlich mit deutscher Beteiligung. Da waren sich alle Redner einig.

Im Jahr der Frauenfußball-WM dominierten die Damen in Lich auch bei der Vergabe des Ehrenamtpreises, die Horst Hilgardt, der Beauftragte für das Ehrenamt, moderierte. Neun von zehn Ehrenamtssiegern waren an diesem Abend weiblich. Wie bereits berichtet, wurde Kimete Krasniq von Blau-Weiß Gießen zur Siegerin erkoren. Krasniq ist seit 2004 Mitglied der Spielgemeinschaft von der Ringallee. Über ihre drei Kinder kam die Muslima aus dem Kosovo zum Fußball, fungierte zunächst als Betreuerin und bald schon als Trainerin der F-Junioren von Blau-Weiß. Durch ihre natürliche Art wurde sie sehr schnell zur Ansprechpartnerin für andere Eltern, deren Kinder bei Blau-Weiß kicken. Immerhin versammelt der Verein rund 25 unterschiedliche Nationen auf dem Sportplatz an der Ringallee.

Krasniq, die von 2008 bis 2010 auch dem Vorstand der Spielvereinigung angehörte, bemüht sich sehr, für alle Menschen dort ein offenes Ohr zu haben.

Neben Kimete Krasniq wurden zudem Kathleen Schan (TSV Allendorf/Lahn), Anke Lörch (FC Großen-Buseck), Carola Westermeier (VfB 1900 Gießen), Silke Weisel (TSV Großen-Linden), Elke Vogl (Eintracht Lollar), Bettina Bendig (SG Birklar), Alexandra Wirth (FV Ober-Bessingen), Gisela Mambour (SV Harbach) und - Achtung Männer - Martin Lüdge (TSV Langgöns) für ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten rund um ihre Heimatvereine - vom "Trikots waschen bis zum Dienst im Kiosk", wie Hilgardt sagte - ausgezeichnet.

Mit Gül Keskinler, der Vorsitzenden des Ausschusses Integration beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), hatte Mohr noch eine weitere interessante Gesprächspartnerin an seiner Seite, ehe es zur Auslosung des Viertelfinale im SWG-Kreispokal kam (Seite 40). Keskinler lobte zunächst die Ehrenamtler für ihre Integrationsarbeit. "Sie sind es, die tagtäglich in ihren Vereinen Integrationsarbeit leisten. Denn Integration fängt bei jedem einzelnen Menschen an", so die Wahl-Kölnerin, die um Verständnis für die vielen mono-ethnischen Vereine und deren Versäumnisse warb.

"Die Probleme, die mit den Spielern und Funktionären dieser Vereine entstehen, haben damit zu tun, dass die Menschen sich nicht zugehörig fühlen. Die Alteingesessenen und die Zugewanderten müssen zueinander finden, damit sich die nächsten Generationen mehr zugehörig fühlen", erklärte Keskinler. "Den Ehrenamtler der mono-ethnischen Vereine fehlen Strukturen und Qualifikation, die andere ältere Vereine längst aufgebaut haben", sagte sie und gab zu bedenken: "Es gibt doch nichts deutscheres als einen Verein zu gründen."

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