Immer emotional - RSV-Kapitän Michael Paye feuert nach eigenem gelungenen Korbwurf Annabel Breuer an. FOTO: RAS
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Immer emotional - RSV-Kapitän Michael Paye feuert nach eigenem gelungenen Korbwurf Annabel Breuer an. FOTO: RAS

Frau und Freunde für das Leben gefunden

  • vonRichard Albrecht
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(ria). 2006 verabschiedete sich mit dem Kanadier Patrick Anderson der zu der Zeit weltbeste Rollstuhlbasketballer, nachdem er zusammen mit seinem Nationalmannschaftskollegen Joey Johnson den RSV Lahn-Dill dreimal in Folge zum Triple (deutsche Meisterschaft und Pokal sowie Europapokal) geführt und maßgeblich daran beteiligt war, aus dem Wetzlarer Verein eine europäische Top-Adresse zu machen. Seinen Europaaufenthalt krönte Anderson in Amsterdam mit dem Gewinn der Weltmeisterschaft. Im Finale bezwang Kanada das Team aus den USA. In deren Kader: Michael Paye, den das RSV-Management gerade verpflichtet hatte.

"Wir wollten als Nachfolger von Patrick einen ungeschliffenen Rohdiamanten verpflichten, um mit ihm langfristig etwas aufzubauen. Auf Michael wurden wir aufmerksam, weil er in dem Jahr als bester Collegespieler ausgezeichnet wurde", umriss RSV-Manager Andreas Joneck die damalige Situation. "Wir wurden uns auch schnell einig. Dass es dann sogar 14 Jahre wurden, hat uns alle überrascht. Natürlich haben wir das auch seiner Frau Lena zu verdanken", schmunzelte Joneck. Kapitän Michael Paye beendet nach der Saison seine außergewöhnliche Karriere. Wir haben am Samstag nach der Niederlage gegen die Bulls beim Guard des RSV Lahn-Dill nachgefragt, wie es dann mit dem US-Amerikaner weitergeht.

Soeben hat Ihr RSV das Spitzenspiel gegen die Bulls verloren. Woran lag es?

Ich will jetzt nicht viel Negatives sagen, ich bin eher stolz. Wir haben gezeigt, dass wir das ganze Spiel auf einem hohen Niveau bestreiten konnten. Natürlich nervt eine Niederlage, aber wir konnten gegen das beste Team Europas spielen, wir haben einige junge Spieler im Team, die noch sich entwickeln werden. Diese Niederlage kostet uns jetzt nicht viel, die entscheidenden Spiele kommen noch.

2006 haben Sie die Nachfolge von Patrick Anderson angetreten. Wie erging es Ihnen damit?

Ich wusste, dass ich Patrick Anderson niemals vollwertig würde ersetzen können, aber ich hatte mit Joey Johnson einen der weltbesten Spieler mit im Team. Mein Ziel war, mit dem Team immer auf dem höchsten Level zu spielen, auch wenn wir natürlich nicht alles gewinnen konnten. Aber wir haben in dieser Zeit sehr oft das Finale der Champions League erreicht und alle Titel, die möglich waren, gewonnen (Anm. der Red.: inklusive dem Weltpokal). Ich kann mit viel Stolz auf diese Zeit zurückblicken. Ich habe mit vielen verschiedenen Teamkameraden gespielt, bin mit der Mannschaft zusammen durch Höhen und Tiefen gegangen, habe mit diesem Verein alles erreicht, was ich mir erträumen konnte. Dazu habe ich hier meine Frau Lena und andere Freunde für das Leben gefunden. Es bleibt nichts Unerfülltes zurück.

Was wird nach Ihrer Karriere Ihr nächstes Ziel sein?

Ehrlich gesagt: Ich weiß es noch nicht. Ich bin noch voll auf das Ende dieser Saison mit Pokal, Meisterschaft, Europapokal und dann Tokio mit der Nationalmannschaft fokussiert. Ich kann nicht einmal sagen, ob ich dann mit dem Spielen ganz aufhören werde, aber ich weiß, dass die Bundesliga dann hinter mir sein wird - mit großer Dankbarkeit für die Jahre, die ich hier spielen konnte.

Zur Zeit herrscht Ungewissheit darüber, ob aufgrund der Klassifizierungskriterien der Rollstuhlbasketball im Programm der Paralympics bleibt.

Der Rollstuhlbasketball ist eine großartige Mannschaftssportart bei den Paralympics, mit viel Aufmerksamkeit. Viele kümmern sich um diese Angelegenheit, und ich bin optimistisch, dass die Verantwortlichen eine Lösung finden, damit unsere Sportart im Programm bleibt.

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