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Dr. Pascal Bauer (l.) im Gespräch mit HSG-Neuzugang Benjamin Buric beim Gesundheitscheck im Gießener Uni-Klinikum. (Foto: phk)

Fragen und Antworten: Plötzlicher Herztod bei Sportlern

(phk). Unter Sportlern ist das Risiko eines plötzlichen Herztodes 2,8-mal höher, als beim Rest der Bevölkerung, pro Jahr beläuft sich die Anzahl solcher Todesfälle in Deutschland auf mehrere Hundert. Hier gibt's die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema.

Viele Studien belegen die positive Wirkung von Sport auf das Herz-Kreislauf-System, das Gehirn und damit den gesamten Körper. Dennoch gibt es auch immer eine Gefahr: Laut Sportmedizinern der Universität Saarbrücken ist bei Sportlern das Risiko eines plötzlichen Herztodes 2,8-mal höher, als beim Rest der Bevölkerung. Pro Jahr beläuft sich die Anzahl solcher Todesfälle in Deutschland auf mehrere Hundert. Wir haben deshalb am Rande des obligatorischen Gesundheitschecks der Bundesliga-Handballer der HSG Wetzlar mit dem Herzspezialisten Dr. Pascal Bauer vom Universitätsklinikum Gießen die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema plötzlicher Herztod und Herzgesundheit geklärt.

Was sind die Ursachen für einen plötzlichen Herztod beim Sport?

"Bei Athleten unter 35 Jahren ist meist eine angeborene Herzkrankheit zugrunde liegend", sagt Dr. Bauer. Am häufigsten sei hierbei die sogenannte hypertrophe Kardiomyopathie, also eine chronische Erkrankung des Herzmuskels, die dafür sorgt, dass das Herz seine Pumpfunktion nicht mehr korrekt ausführen kann. Das Schwierige: Gerade bei jungen Sportlern lassen sich solche Krankheiten nicht immer gleich diagnostizieren, da sie erst noch auswachsen, weshalb regelmäßige Kontrollen unabdingbar seien, so Bauer. Bei über 35-Jährigen ist die häufigste Todesursache im Zusammenhang mit dem Herzen eine koronare Herzerkrankung, also eine Verkalkung der Herzkranzgefäße. Auch diese lassen sich mit Vorsorgeuntersuchungen diagnostizieren.

Wann empfiehlt sich eine Untersuchung auf mögliche Herzerkrankungen?

Vor allem bei Menschen, die mit dem Sporttreiben allgemein beginnen wollen oder nach einer längeren Pause wieder anfangen, sei ein Check angebracht, rät der Gießener Oberarzt Bauer: "Dann kann man den Sport wirklich sicher ausüben."

Was ist das sog. Sport-Paradox?

Sport ist zunächst einmal gesund für den menschlichen Körper, aber in der Zeit, in der der Mensch Sport treibt, hat er ein höheres Risiko, einen plötzlichen Herztod zu erleiden. Je häufiger man trainiert, desto niedriger ist dieses Risiko und desto mehr tut man für seine eigene Gesundheit, etwa gegen das Risiko an Alzheimer, Krebs oder Bluthochdruck zu erkranken. Das Risiko ist gerade in der Anfangsphase und besonders bei Männern über 35 Jahren aber hoch, da diese beim Sport oft übertreiben und damit über die eigenen Grenzen gehen.

Welche Art der Vorsorge empfiehlt sich und wo kann man diese durchführen lassen?

"Es gibt verschiedene Stufen des Screenings", sagt Dr. Bauer. Eine einfache Variante ist die Erhebung der Krankengeschichte, eine körperliche Untersuchung sowie ein Ruhe-EKG. Dies kann meist der Hausarzt leisten. Bei Personen über 40 empfiehlt sich zudem ein Belastungs-EKG, etwa auf dem Ergometer. Optional ist die Herz-Ultraschall-Untersuchung, die z.B. in der Uni-Klinik Gießen durchgeführt werden kann.

In der Regel ist Letzteres eine Selbstzahlerleistung, die die Krankenkasse nicht übernimmt. Ausnahme: Der Hausarzt hat einen medizinisch begründeten Verdacht, der die zusätzliche Untersuchung rechtfertigt. Aber: Viele Krankenkassen bezuschussen im Rahmen von Präventionsleistungen inzwischen auch umfangreichere Sporttauglichkeitsuntersuchungen.

Bei welchen Anzeichen sollte der Freizeitsportler unabhängig von der Vorsorge zum Arzt gehen?

"Schmerzen auf der Brust, Luftnot auch bei geringer Belastung, Ohnmacht während und kurz nach dem Sport, Schwindel oder ein unregelmäßiger Herzschlag sind Warnsymptome, bei denen kein Weg an einem zeitnahen Arztbesuch vorbeiführt", rät Dr. Bauer allen Freizeitsportlern. Auch ein Leistungsstillstand oder -abfall sind Anzeichen, bei denen ein Arzt aufgesucht werden sollte.

Wie kann man Herzerkrankungen vorbeugen?

Generell sind Bluthochdruck und Verkalkungen der Gefäße die Hauptrisikofaktoren. Um diesem vorzubeugen, sollte man etwa seinen Salzkonsum reduzieren. Eine ausgewogene Ernährung sowie regelmäßige körperliche Aktivität sind die Parameter, die uns am meisten schützen, vor allem vor dem Hintergrund, dass sich der durchschnittliche Deutsche pro Tag nur 750 bis 800 Meter zu Fuß bewegt. "Das ist viel zu wenig. Dafür sind wir nicht gemacht, denn der Mensch ist ein Läufer. Wir brauchen insgesamt eine höhere körperliche Aktivität, dazu zählt auch spazier gehen oder im Garten arbeiten", sagt Dr. Bauer. Um das zu erreichen empfiehlt er einen Schrittzähler, der misst, wie viel man sich am Tag bewegt. Ausgehend davon sollte man als erstes Ziel sein Pensum um 3000 Schritte steigern. Die allgemeine Empfehlung des Mediziners lautet fünf- bis siebenmal 30 Minuten körperliche Aktivität pro Tag.

Welche Sportarten haben ein besonders hohes Risikopotenzial?

Die Topdrei sind laut Dr. Bauer Handball, Fußball, Basketball, aufgrund der hohen Anzahl der Sportler, sowie Golf, weil das tendenziell eine ältere Bevölkerung betreibt, wo es dann auch vermehrt zu Herzinfarkten kommt. Außerdem sind alle Sportarten mit einem höheren Risiko ausgestattet, die draußen bei Wind und Wetter betrieben werden. Hier kann es zu einer Erkältung kommen. Wenn diese nicht richtig auskuriert ist oder gar bei Fieber Sport betrieben wird, kann eine Herzmuskelentzündung mit lebensgefährlichen Herzrhythmusstörungen die Folge sein.

Stichwort: Sommer und Hitze. Was gibt es zu beachten?

Bei hohen Temperaturen ist die Pulsfrequenz natürlicherweise schon erhöht, sodass sportliche Leistungen limitiert sind. Dr. Bauer empfiehlt: "In der Mittagssonne, wenn es stark drückt, würde ich auf keinen Fall Sport treiben. Wichtig ist es, auf den Flüssigkeitshaushalt zu achten. Der entscheidende Parameter ist aber, wie man sich selbst fühlt. Es ist nicht sinnvoll, zu trainieren, wenn man sich selbst nicht gut fühlt oder nur widerwillig zum Training geht."

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