Fortbildung einmal ganz anders

(se) Fußballer wissen, was gut ist – und wo es ihnen gut geht. Vor allem dann, wenn ihnen an ihren angestammten Plätzen keine optimalen Bedingungen geboten werden, zum Beispiel im Winter. Was machen die Fußballer zwischen Oder und Rhein? Sie flüchten dahin, wo es schön ist und die Bedingungen den Bedürfnissen entsprechen.

Dabei hat sich das türkische Belek zu einem regelrechten El Dorado für heimische Erst- und Zweitligisten entwickelt. Der Ort liegt an der türkischen Rivera unweit von Antalya und bietet praktisch alles, was sich Fußball-Vereine wünschen. Vor allem aber ideale äußere Bedingungen, gepflegte Plätze und natürlich ein mildes Klima. Besonders in den ersten Wochen eines Jahres tummeln sich zahlreiche Profiklubs in Belek. Wer sehen will, wie diese trainieren, wird dort bestens bedient. Dies machen sich mit Daniyel Bulut, Trainer des Hessenligisten FSV Fernwald, und Stefan Frels, A-Junioren-Trainer der TSG Wieseck, zunutze.

Eine Woche lang hielten sich die beiden an der türkischen Rivera auf, um ihren "Berufskollegen" über die Schulter zu schauen und einfach mal mit dem einen oder anderen zu plaudern. Besonders intensiv war der Kontakt zu Andries Jonker, Co-Trainer beim VfL Wolfsburg. Der Niederländer war viele Jahre "Co" von Louis van Gaal, derzeit Trainer (Bondscoach) der niederländischen Nationalmannschaft, davor u. a. beim FC Barcelona und bei Bayern München tätig. Rund 90 Minuten hatten sich Freils und Bulut mit Jonker unterhalten. Es wurde gefachsimpelt über alle möglichen Spielformen im Training, über Trainingsinhalte usw.

; Jonker vertritt logischerweise die niederländische "Trainerschule". "In den Wald" gehen die niederländischen Spieler nicht. "Dafür werden alle Übungen wie Passformen und Ähnliches unter Belastung absolviert", berichtet Bulut. Den beiden deutschen Trainern hat das Gespräch mit Jonker auf jeden Fall sehr gut gefallen.

Bulut ist später beim VfL Wolfsburg etwas aufgefallen. "Die haben 32 Mann im Kader, und im Training haben elf gegen elf gespielt. Diejenigen, die nicht dabei waren, können sich leicht ausrechnen, dass sie in den Planungen von (Trainer) Dieter Hecking zunächst einmal keine Rolle spielen", stellte der Hessenliga-Trainer fest. Für einige bedeutet das auch: Ihnen wird wohl nahegelegt, sich einen anderen Verein zu suchen.

Den "Reiseverlauf" hat Stefan Frels genau ausgearbeitet. Trainingsbesuche des VfB Stuttgart, des VfL Wolfsburg, der Spvgg. Greuther Fürth, des FC Augsburg, des SV Werder Bremen und des 1. FC Köln standen ebenso auf dem Dienstplan wie Besuche der türkischen Klubs Istanbul BB, Trabzonspor sowie des RSC Anderlecht, Standard Lüttich oder KRC Genk. Ein Höhepunkt war sicherlich das Freundschaftsspiel zwischen Fenerbahce Istanbul und dem KRC Genk (1:1), zu dem sich Bulut "sicherheitshalber" mit einem Fenerbahce-Schal eingedeckt hatte.

Bemerkenswert fand Bulut unter anderem die freundschaftliche Atmosphäre, die zwischen den Fans der deutschen Klubs geherrscht habe. Diese Fans verstanden sich prächtig, wussten alles über ihre Teams und dienten daher als zusätzliche Informationsquelle.

Ob es in den von Bulut oder Frels trainierten Mannschaften Spieler gäbe, die das Zeug zum Profi hätten, wusste Bulut nicht, er wollte aber nicht ausschließen, dass "ein, zwei Spieler" dafür infrage kommen. "Sie müssten mal zwei, drei Monate mittrainieren. Dann kann man sehen, ob sie auch mithalten können. Außerdem bräuchten sie Glück und auch den richtigen Berater." Namen wollte der Fernwälder Trainer aber nicht preisgeben.

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