Alle Hände voll zu tun hat die Abwehr der HSG Wetzlar um Anton Lindskog (l.) und Olle Forsell Schefvert (25) bei der SG Flensburg/Handewitt um Goran Sogard (2. v. l.). FOTO: EIBNER
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Alle Hände voll zu tun hat die Abwehr der HSG Wetzlar um Anton Lindskog (l.) und Olle Forsell Schefvert (25) bei der SG Flensburg/Handewitt um Goran Sogard (2. v. l.). FOTO: EIBNER

Flensburg einen Tick abgezockter

  • Daniela Pieth
    vonDaniela Pieth
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Das Aufbäumen der HSG Wetzlar kommt zu spät, in Flensburg setzt es eine 28:31-Niederlage. Die Gastgeber schalten nach der Pause einen Gang zurück und hätten sich beinahe verzettelt.

Nichts war es mit der nächsten Überraschung gegen einen Großen der Handball-Bundesliga. Nach einer üblen ersten Halbzeit unterlag am Sonntagnachmittag die HSG Wetzlar bei der SG Flensburg/Handewitt 28:31 (9:16).

Die Gäste aus Mittelhessen hatten vom Start weg Probleme, sich gute Schussmöglichkeiten zu erarbeiten und vor allem Stefan Cavor in Position zu bringen. Kapitän Filip Mirkulovski erwischte sogar einen derart schlechten Tag, dass sein Job nach zehn Minuten erledigt war und Alexander Feld die Spielgestaltung übernahm. Gut in Form aufseiten der SG war Keeper Torbjörn Bergerud, der den Vorzug vor dem Ex-Wetzlarer Benjamin Buric erhielt und sich schnell in den Köpfen der HSG-Angreifer breitgemacht hatte. Nach Goran Sogards Treffer zum 9:3 für die SG holte Wetzlars Trainer Kai Wandschneider seine Männer bereits in der 13. Minute das erste Mal an die Seitenlinie.

Bis dahin präsentierten sich die Gastgeber vorne wie hinten als das agilere, explosivere Team, dass mit viel Tempo und Druck die Partie bestimmte. Bestes Beispiel war ein Ballverlust der HSG, den Flensburg per Einwurf blitzschnell ausführte, Sogard im Sprint die Kugel fast bis zum Torkreis beförderte, um dann mit einem gefühlvollen Pass zu Johannes Golla an den Kreis das 11:4 (17.) vorzubereiten. Immer wieder stellten sich die Wetzlarer selbst ein Bein und luden die SG zu Gegenstößen ein. "Wir haben in der ersten Halbzeit viel zu viel technische Fehler gemacht, neun direkte Kontertore kassiert", kritisierte Wandschneider bei Sky. "Wir haben im Angriff in der zweiten Welle drei Fehlpässe fabriziert, die auch mit Gegenstößen bestraft wurden. Das war der Unterschied in der ersten Halbzeit." Dazu kamen ein vergebener Siebenmeter von Maximilian Holst, eine Zeitstrafe von Lenny Rubin wegen Meckerns und etliche vergebene Chancen. Allein der Wille und einige Paraden von Torhüter Till Klimpke bewahrten die Wetzlarer in der ersten Hälfte vor einem zweistelligen Rückstand.

Im zweiten Durchgang begann SG-Coach Maik Machulla früh, Kräfte zu schonen, und wechselte im Rückraum durch. Vor allem Michal Jurecki machte auf der linken Seite ordentlich Alarm. Doch man bemerkte auch ein Aufbäumen der Gäste, die mit durchdachten Angriffen ihre Chancen suchten und immer wieder kleine Nadelstiche setzen konnten. "Das waren zwei völlig unterschiedliche Halbzeiten, was die Fokussierung und Konzentration angeht", meinte Wandschneider. Dies zeigte allerdings erst Wirkung, nachdem die Flensburger etwas Dampf rausnahmen. "Ich finde, wir haben über 40 Minuten ein starkes Spiel gezeigt und dann werden wir nachlässig", monierte Machulla bei Sky.

Fünf Minuten vor Schluss waren die Wetzlarer beim 25:28 von Rubin erstmals wieder bis auf drei Tore dran. Wandschneider wechselte von der 6:0- in die 5:1-Abwehr, die HSG geriet durch einen Doppelpack von Jurecki aber wieder mit 25:30 (57.) ins Hintertreffen. "Zehn Minuten vor dem Ende versuchte jeder wieder so ein bisschen, eine eigene Idee zu haben", monierte Machulla: "Insgesamt hatte ich großen Respekt vor Wetzlar und ich bin froh, dass wir das Spiel gewonnen haben. Das darf natürlich nicht passieren, dass wir so weit zurückfahren, dass wir noch mal in Gefahr kommen."

Für die HSG Wetzlar war es das Spiel eins nach der Bekanntgabe, dass Wandschneiders Trainervertrag nicht über das Jahr 2021 hinaus verlängert wird. Ob sich das auf das Spiel in der ersten Halbzeit ausgewirkt hat, bleibt Spekulation. "Ich finde, dass meine Mannschaft bravourös gekämpft und sich nicht aufgegeben hat", lobte der Trainer: "Hätten wir uns in der ersten Halbzeit den einen oder anderen Fehler weniger geleistet, dann hätten wir hier ein besseres Ergebnis erzielen können."

Flensburg: Buric, Bergerud; Golla (4), Glandorf (1), Svan, Wanne (5/3), Jeppsson (1), Jondal (1), Steinhauser (5/1), Heinl, Zachariassen (1), Sogard (3), Gottfridsson (5), Schöngarth, Jurecki (5).

Wetzlar: Klimpke, Ivanisevic; Feld (2), Björnsen (1), Weber, Mirkulovski, Torbrügge (1), Weissgerber (5/1), Frend Öfors (3), Holst, Waldgenbach, Forsell Schefvert (4), Rubin (6), Lindskog (1), Kristjansson (3), Cavor (2).

Stenogramm: Schiedsrichter: Blümel: Loppaschewski (Berlin). - Zuschauer: 6300. - Zeitstrafen: 4:8 Minuten. - Siebenmeter: 6/4:3/1.

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