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Finja Schaake (8) kann unter Druck gute Leistungen abliefern.

Basketball

Finja Schaake – die Stress-Managerin

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Finja Schaake hat immer ihr Ding durchgezogen. Egal, wie hoch die Belastung war. Die Grünbergerin managt aktuell ihr Referendariat – nebenbei hat sie ihren Vertrag beim BC Marburg verlängert.

Wenn andere unter Stress stöhnen, legt sich Finja Schaake noch mehr ins Zeug. Die 26-Jährige hat es in all den Jahren gelernt, unter Druck zu arbeiten – und auf allen Ebenen abzuliefern. Über 250 Spiele in der Basketball-Bundesliga hat sie auf ihrem jungen Buckel. Die 55-fache Nationalspielerin hält damit nicht nur den Vereinsrekord, sondern ist von den aktiven Spielerinnen in Liga Nummer eins diejenige, die die meisten Partien bestritten und die längste ununterbrochenen Zugehörigkeit zu einem einzelnen Erstliga-Team hat. Die 1,79 m große Flügelspielerin und absolute Leistungsträgerin geht beim BC Marburg in die elfte Saison. Beim Pokal-Final-Four am vergangenen Wochenende reichte es "nur" zu Bronze. Am Wochenende starten die Playoffs in der Bundesliga – und die will Finja Schaake mit ihrem BC so richtig rocken.

Wie fühlt sich Bronze an, wenn beim Final Four auch Silber und Gold möglich war?

Finja Schaake: Natürlich hätte ich gerne Gold oder Silber gewonnen, besonders weil ich schon einige Bronze-Medaillen in der Liga und im Pokal gewonnen habe. Trotzdem gehen wir mit einem positiven Gefühl aus dem Pokal-Final-Four, weil wir im Spiel um Platz drei relativ souverän gegen Freiburg gewonnen haben, gegen die wir vor zwei Wochen noch verloren haben.

Jetzt geht es in der Liga gegen Hannover in den Playoffs weiter. Was ist für Ihr Team in dieser Saison im Kampf um die Meisterschaft möglich?

Schaake: Wir haben bisher dreimal gegen Hannover gespielt und jedes Mal gewonnen. Wir gehen somit als Favorit in die Serie. In der nächsten Runde würden wir auf den amtierende deutsche Meister Keltern treffen. In diesen Partien wird sicherlich die Tagesform entscheiden.

Sie haben sich schon frühzeitig entschieden, eine weitere Saison in Marburg zu bleiben. Warum?

Schaake: Für mich besteht in Marburg zur Zeit die optimale Möglichkeit, mein Referendariat und Leistungssport zu verknüpfen. Sowohl Schule, Studienseminar als auch mein Trainer Patrick Unger nehmen Rücksicht auf diese besondere Belastung.

Was bedeuten Ihnen die jüngst aufgestellten Rekorde – Vereinsrekord für Bundesliga-Einsätze und den für Pflichtspieleinsätze in der 1. Mannschaft (inklusive Europapokal)?

Schaake: Das macht mich natürlich schon stolz, dass ich diese Rekorde aufgestellt habe. Ich hatte in der Vergangenheit viele andere lukrative Angebote, aber nirgendwo konnte ich Ausbildung und Leistungssport so gut vereinbaren wie in Marburg.

Wo und in welchen Fächern absolvieren Sie gerade Ihr Referendariat? In welche Richtung geht es dann weiter?

Schaake: Ich absolviere gerade mein Referendariat an der Elisabethschule in Marburg. Ich habe gymnasiales Lehramt mit den Fächern Chemie, Englisch und Sport studiert. Ich merke bereits jetzt, dass mir dieser Beruf und diese Verantwortung sehr viel Spaß bereitet.

Wie klappt das, Leistungssport und Beruf unter einen Hut zu bringen?

Schaake: Es ist natürlich zurzeit sehr stressig für mich, aber das wusste ich bereits vorher. Ich hetze oft von der Schule direkt ins Training, und mein Zeitbudget ist momentan wirklich sehr eng begrenzt. Natürlich kann ich mich nicht mit der gleichen Intensität dem Basketball widmen, wie es zum Beispiel während des Studiums möglich war und wie es meine Mannschaftskameraden als Vollprofis ausüben. Trotzdem versuche ich, alles unter einen Hut zu bekommen. Es ist für meine Schüler manchmal auch witzig, wenn sie mich kurz vor Stundenbeginn noch trainieren sehen und dann anschließend als Lehrerin im Sportunterricht haben.

Welche Tipps können Sie anderen weitergeben, die auch diesen Weg einschlagen wollen?

Schaake: Das Ganze funktioniert nur, wenn sowohl Ausbildung als auch Leistungssport Spaß machen. Des weiteren ist ein gut durchstrukturiertes Zeitmanagement wichtig. Und man muss erkennen, dass man überflüssigen Ballast in jeglicher Hinsicht von sich abwirft.

Welche Ziele in naher Zukunft verfolgen Sie mit der deutschen Nationalmannschaft?

Schaake: Dieses Jahr steht der Beginn für die Qualifikation der EM 2021 an. Das Team wird sicherlich stark verjüngt werden und muss sich neu finden.

Was halten Sie davon, dass der BC Marburg die Kooperation mit dem TSV Grünberg, ihrem Heimatverein, gekündigt hat und somit ein über viele Jahre praktiziertes Erfolgsmodell, von dem Sie in Ihrer Karriere auch profitiert haben, abrupt beendet wurde?

Schaake: Ich bin ein Kind dieser Kooperation. Ich war mit 15 bzw. 16 Jahren bereits Stammspielerin bei Grünberg in der 2. Liga und habe im BTI Grünberg trainiert. Parallel dazu konnte ich beim BC Marburg in Kurzeinsätzen in der 1. Liga wichtige Erfahrungen sammeln. Sukzessive änderte sich dieses Verhältnis zugunsten der 1. Liga in Marburg, aber beide Vereine haben von dieser Kombination profitiert. Von daher ist es schade, dass es dieses Modell jetzt nicht mehr gibt. (Foto: imago)

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