Finanzielle Probleme bei Eintracht Wetzlar

(ms) In der Fußball-Verbandsliga Mitte steht der Türkische SV Wiesbaden eventuell vor dem Aus, aber auch in Mittelhessen brodelt es. Genauer bei der SG Eintracht Wetzlar. Seit geraumer Zeit warten Spieler auf ihr Salär, der Verein ist in finanzielle Schieflage geraten.

Schuld daran sind Altlasten, die aus der jüngeren Vergangenheit stammen. Dies bestätigte auf Anfrage dieser Zeitung Wetzlars Co-Trainer Kai Ranke. Einige Akteure haben den Klub aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten in der Winterpause verlassen, darunter der langjährige Kapitän Martin Mülln, den es zum Kreisoberligisten FSV Fernwald gezogen hat, ebenso wie Nico Lotz. Es liegt vieles im Argen bei dem Traditionsverein.

"Ja, der Verein war in Zahlungsschwierigkeiten, aber nun sind Teilzahlungen erfolgt", sagt Kai Ranke. Der Lehrer, der in der vergangenen Saison noch bei Liga-Kontrahent VfB 1900 Gießen aktiv war, hofft aber, dass nun wieder Ruhe einkehrt. "Wir hoffen, dass die ausstehenden Zahlungen in den nächsten Wochen vorgenommen werden. Wir verlassen uns da auf die Aussage des Vereins", führt der 36-Jährige aus. Derzeit legt er den Fokus mit Cheftrainer Stefan Hocker auf die Vorbereitung für die Restrunde, die am 21. Februar mit dem Heimspiel gegen Germania Schwanheim eingeläutet wird.

Damit aber der Baustellen nicht genug bei der Wetzlarer Eintracht, die Frauen- und Mädchenabteilung wird den Verein nach dieser Saison verlassen. Und dies, obgleich vor allem die Regionalliga-Frauen des Klubs erfolgreich sind. Es mangele an Wertschätzung des Vereins für diesen Bereich, Schwierigkeiten mit Platzbelegung und Trainingsmöglichkeiten taten ein Übriges dazu. Der Vorstand hat nun entschieden, die Frauen- und Mädchenabteilung ziehen zu lassen. Was aus dieser jetzt wird, ist noch offen. Eine Möglichkeit, die Damen schließen sich Rot-Weiß Wetzlar an, zweite Option, man gründet einen eigenen Verein.

Der Weggang der Frauen und Mädchen ist ein schwerer Schlag, denn die erste Vertretung belegt in der Regionalliga derzeit den zweiten Platz, der Sprung in Liga 2 scheint sportlich nicht abwegig. Zumal man mit Kathrin Schermuly eine U20-Weltmeisterin in den eigenen Reihen hat. Mit der U16 führt die Eintracht das Klassement der Hessenliga souverän an, der Aufstieg in die Bundesliga wäre der nächste Schritt. Doch das ist für die Eintracht hinfällig, die Frauen und Mädchen verlassen den Verein.

"Es war schwierig zu arbeiten", sagt Volker Münn, der Trainer der Regionalliga-Frauen der Wetzlarer Eintracht. Der 55-Jährige, der früher auch beim TSV Großen-Linden als Spieler und Trainer aktiv war, muss oft improvisieren. "Wir haben im Sommer auf vier Plätzen trainiert", führt der Ex-Profi der Frankfurter Eintracht aus. Dass die Eintracht jetzt ihr Okay gegeben hat, die Frauen- und Mädchenabteilung gehen zu lassen, sieht Münn als Chance. "Ich würde einen neuen Verein gründen, damit man selbstständig ist. Die Grundvoraussetzungen müssen stimmen, und ich bin sicher, dass es genug Sponsoren gibt, die Frauenfußball unterstützen wollen", erklärt Münn. Für ihn wäre damit beispielsweise der Wechsel zu Rot-Weiß Wetzlar keine Option. "Da müsste man wieder sehen, wie ist das mit der Platzbelegung und so weiter", fürchtet er ähnliche Verhältnisse wie bei der Eintracht.

Angesichts der Entscheidung des Eintracht-Vorstandes herrscht laut Münn bei den Frauen nun aber eine Art Aufbruchstimmung. "Die Mannschaft sieht es positiv." Ob Münn auch in der neuen Saison Trainer des Regionalligisten ist, wird sich zeigen. Er macht das ganz klar von den Rahmenbedingungen abhängig.

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