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Können dem FC Gießen mit ihrer Klasse im Abstiegskampf der Regionalliga Südwest nun entscheidend helfen: DIe Offensivkräfte (v. l.) Ali Ibrahimaj, Nejmeddin Daghfous und Milad Salem.

FC Gießen

FC Gießen: Bisher viel heiße Luft im Angriff

  • Sven Nordmann
    VonSven Nordmann
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Von fünf Spielern muss im Saisonendspurt des FC Gießen mehr kommen: Mit Superlativen angekündigt, sind die Offensiv-Zugänge des Fußball-Regionalligisten bis dato viel schuldig geblieben.

Nicht erst durch die Sturm-Malaise des FC Gießen, seitdem aber um so mehr sind die prominenten Offensiv-Neuzugänge gefragt. Der akut abstiegsgefährdete heimische Fußball-Regionalligist muss im Saisonendspurt auf seine nominellen Stürmer verzichten und lechzt nach Toren. In den vergangenen zwölf Partien gab es nur deren acht.

Es ist an der Zeit, dass die Mittelfeldstars des FC Gießen Verantwortung übernehmen. Bislang konnten die von Trainer Daniyel Cimen verpflichteten Nejmeddin Daghfous, Ali Ibrahimaj, Milad Salem, Nikola Trkulja und Antonyos Celik offensiv nur wenig Effektives zum Gießener Klassenerhalt beitragen.

Das Quintett bringt es zusammen auf weit über 400 Regionalligapartien - jeder von ihnen darf in den verbleibenden elf Partien nun beweisen, dass er einem Verein auch in der vierten Liga sichtbar helfen kann.

Denn vier erzielte Tore dieser fünf Spieler über die gesamte Spielzeit gesehen sind ernüchternd - das Problem der mäßigen Torgefahr aus dem Mittelfeld ist ein altbekanntes aus der Vorsaison.

Körperliche Probleme begleiteten zwar einen Teil der genannten Akteure, dürfen aber nicht als Ausrede gelten. Schließlich sind diese Ausfallzeiten beim verpflichteten Spielertypus zu erwarten.

Wir zeigen vor dem wichtigen Regionalliga-Doppelpack (Sa, 14 Uhr bei der TSG Hoffenheim II, Di., 18 Uhr gegen die TSG Balingen) bei Daghfous, Ibrahimaj, Salem, Trkulja und Celik, mit welchen Erwartungen sie vom Verein vorgestellt wurden, was bisher zu sehen war und was sie im Saisonendspurt zeigen können.

Nejmeddin Daghfous

Wie ihn der Verein ankündigte: Mit Daghfous, so ist auf der FC-Homepage vom 22. Januar 2021 nachzulesen, komme der nächste »sensationelle Transfer«. Der FC verwies auf die Zweit- und Drittligastationen des »tunesischen Nationalspielers«. Trainer Daniyel Cimen sagte: »Ich erwarte viel, viel Freude. Wenn man knapp ein Jahr lang kein Fußball spielen konnte, hat man extrem Bock. Er möchte das Geschehene in Offenbach klarstellen. Seine individuelle Klasse, sein Eins-gegen-Eins und seine Torgefahr, all das möchten wir von ihm sehen.«

Was bislang zu sehen war: Wenig bis nichts. Der 34-Jährige kommt auf 161 Einsatzminuten ohne Torbeteiligung. Zugegeben benötigte er körperliche Anlaufzeit und hatte es als alleinige Spitze bei seinem Startelf-Debüt gegen Offenbach schwer. Geholfen hat er dem Verein bislang aber noch nicht.

Was Daghfous zeigen darf: Weshalb er über 140 Zweitliga-Spiele absolviert hat. Welche fußballerische Klasse in ihm schlummert. Dass er die von Cimen angekündigte »Freude« nach einem Jahr Fußball-Pause verspürt und es allen zeigen will. Dass er die Offensive des FC tatsächlich mit seiner Raffinesse und Erfahrung bereichern kann.

Ali Ibrahimaj

Wie ihn der Verein ankündigte: »Ali ist für uns ein absoluter Top-Transfer«, erklärte Trainer Cimen Ende Januar 2021. Mit Verweis auf seine bisherigen Stationen in der 2. und 3. Liga sagte der Trainer: »Er ist flexibel einsetzbar, auf beiden Flügeln, auf der Zehn, als hängende Spitze. Er kommt mit einem guten Fitnesslevel.« Der Verein erklärte am 27. Januar 2021 auf seiner Homepage: »Mit der Verpflichtung von Ibrahimaj ist die Umsetzung einer deutlichen Verstärkung der Offensive und dem Ziel Klassenerhalt Rechnung getragen worden.«

Was bislang zu sehen war: Kurze Geistesblitze. Der 29-Jährige kommt auf 832 Einsatzminuten, ist also absolute Stammkraft. Dafür sind lediglich zwei Torvorlagen in einem Spiel gegen Walldorf für einen Mann mit seinem Format zu wenig. Ibrahimaj hatte mit Rückenproblemen zu kämpfen, opferte sich auch für das Team auf. Für das, was man von ihm erwartete, ist aber zu wenig Auffälliges zu sehen. Ibrahimaj kann ein Unterschiedsspieler sein, ist das bislang aber viel zu selten.

Was Ibrahimaj zeigen darf: Mehr mutige, willensstarke Aktionen wie beim Dribbling gegen Walldorf, als er das 2:0 extraklasse vorbereitete und zeigte, dass er für Höheres berufen ist. Mehr Tiefgang, auch mal ein Abschluss, riskante Pässe im letzten Drittel. Mehr Torgefahr bzw. einleitende letzte Pässe.

Milad Salem

Wie ihn der Verein ankündigte: »Mit Milad erhalten wir einen technischen sehr versierten Spieler, der in der Offensive flexibel einsetzbar ist«, sagte FC-Trainer Cimen Mitte August 2020 zum drittligaerfahrenen Akteur. »Er soll uns dabei helfen, die jungen Spieler zu führen, und wird uns mit seinen Fähigkeiten sofort weiterhelfen.«

Was bislang zu sehen war: Viel Ausfallzeit und ein paar gute Aktionen. Der 33-Jährige kommt auf 1071 Spielminuten, musste in dieser Saison zweimal wegen eines Muskelfaserrisses länger passen. Bringt es auf zwei Tore und zwei Vorlagen, starker Abschluss, zuweilen scharfe Flanken, taucht aber auch oft gänzlich ab. Zuweilen zu selbstgefällig.

Was Salem zeigen darf: Mehr Motivation über die gesamte Spieldauer, konsequent gefährliche Eckbälle und Freistöße und mehr Torgefahr auf Strecke. Zudem darf er die von Cimen bei seiner Verpflichtung angesprochene Führungsrolle auch sichtbar ausführen.

Nikola Trkulja

Wie ihn der Verein ankündigte: »Transfercoup für unseren FC Gießen«, lautete die Überschrift auf der Homepage des FC zur Verpflichtung von Trkulja vor dieser Spielzeit. Cimen sagte Anfang August 2020: »Ich bin sehr, sehr froh, dass wir auf der Sechs so einen Spieler bekommen konnten. Niko ist ein sehr guter Techniker mit einem sauberen und sicheren Passspiel. Er beweist in vielen Aktionen große Übersicht.«

Was bislang zu sehen war: Gute Ansätze und zu wenig Ertrag. Der 29-Jährige kommt auf 2487 Einsatzminuten, ist im Mittelfeldzentrum gesetzt und bringt es auf zwei Tore und eine Torvorlage. Der defensivste der fünf Akteure zieht sich für den Spielaufbau oft zurück. Das gelingt teilweise, öfter entstehen aber auch hanebüchene Risiko-Pässe, die zu gegnerischen Kontern führen. Fällt nicht ab und nicht auf. Drei Torbeteiligungen in 28 Spielen sind ausbaufähig.

Was Trkulja zeigen darf: Weshalb er in der Jugend beim FC Bayern München spielte und ein sehr begabter Fußballer ist. Seine Power in Form von körperlicher Robustheit und präzisen Pässen blitzt immer mal auf, dem folgen dann aber zuweilen vorwurfsvolle Fehlpässe. Darf sinnbildlich für mehr Torgefahr aus dem Mittelfeld stehen und kann die Mannschaft mit seinen Emotionen mitreißen.

Antonyos Celik

Wie ihn der Verein ankündigte: Mit Celik begrüßte der FC auf seiner Homepage am 8. Januar 2021 »einen weiteren attraktiven Neuzugang. Antonyos Celik spielte bereits bei der SV Elversberg, dem SV Waldhof Mannheim, dem SC Wiedenbrück, Eintracht Trier und beim schwedischen Zweitligisten Syrianska FC.« Cimen sagte: »Er hat seine Torgefahr in der Regionalliga nachgewiesen und sieht das noch einmal als große Herausforderung.«

Was bislang zu sehen war: Viele Kurzeinsätze und keine Torbeteiligungen. Der 26-Jährige kommt auf 287 Einsatzminuten, ohne effektiv an torgefährlichen Aktionen beteiligt gewesen zu sein. Der gebürtige Gießener kommt über seine Körperlichkeit und kann nicht nur an Toren gemessen werden. Dennoch war sein Wirken bislang eher blass.

Was Celik zeigen darf: Dass er seine Torgefahr in der Regionalliga nicht nur nachgewiesen hat, sondern auch nachweisen kann und man mit 26 Jahren noch lange nicht am Ende der Laufbahn sein muss. Als Brecher im Sturmzentrum kann er potenziell eine gewichtige Rolle einnehmen und einen eminenten sportlichen Beitrag für seine Heimatstadt leisten.

Kann das Team des FC Gießen mit seinen Emotionen mitreißen: Nikola Trkulja.
Kann als Brecher im Sturmzentrum eine wichtige Rolle spielen: Antonyos Celik.

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