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Kevin Schmidt

Ex-Wetzlarer Kevin Schmidt muss für seinen HSV passen

Kevin Schmidt muss momentan schon mit Kleinigkeiten zufrieden sein. "Heute Morgen war ich 30 Minuten joggen. Noch geht’s mir gut. Ich hoffe, das bleibt auch so", sagt der ehemalige Linksaußen des Handball-Bundesligisten HSG Wetzlar.

Am Samstag um 19 Uhr gastiert der 26 Jahre alte gebürtige Gießener mit seinem neuen Klub HSV Hamburg an der Lahn, an einen Einsatz des Staufenbergers an seiner alten Wirkungsstätte ist allerdings nicht zu denken. Schmidts Körper spielte zuletzt nicht mit. Eine Mandelentzündung hatte ihn außer Gefecht gesetzt. Trotz vermeintlicher Genesung stiegen die Entzündungswerte im Blut bei jeder Belastung wieder an. "Ich war immer sofort wieder platt", sagt Schmidt. Eine weitere Pause war unumgänglich.

Von einer Rückkehr auf das Spielfeld ist der Rechtshänder daher derzeit meilenweit entfernt. "Ich komme mit gemischten Gefühlen nach Wetzlar. Ich freue mich natürlich, alte Bekannte wiederzusehen. Freunde und meine Familie werden zum Spiel kommen. Ich bin natürlich aber auch etwas traurig, denn ich hätte gerne mitgespielt."

Für den Profi ging seit seinem ambitionierten Wechsel zum Liga-Konkurrenten in den hohen Norden beinahe alles schief, was schiefgehen konnte. 18 Spiele, 16 Tore. Das ist für den früheren Nationalspieler viel zu wenig. Die Hamburger Zeitung "Morgenpost" schrieb kürzlich sogar: "Für Kevin Schmidt war die erste Saisonhälfte beim HSV zum Vergessen."

Noch vor dem Saisonstart hatte sich der flinke Außenspieler im HSV-Trikot die erste Verletzung zugezogen. Beim letzten Testspiel gegen den SV Henstedt-Ulzburg knickte Schmidt um. Mit dem Sprunggelenk hatte er auch in Wetzlar immer wieder größere Probleme. Schmidt spielte mit Schmerzen und konnte nie sein Potenzial abrufen. Doch auch mit dem mittlerweile entlassenen Trainer Christian Gaudin hatte er Probleme. Der Coach hatte auf Linksaußen zunächst keine klare Marschroute. Mal spielte Routinier Torsten Jansen, mal durfte Schmidt ran, manchmal wurde schon nach wenigen Minuten gewechselt, ohne dass einer der Außenspieler zuvor zu einem Abschluss gekommen wäre. "Das war einfach nur wildes Wechseln", sagt Schmidt heute. Durch die wenigen Einsatzzeiten habe ihm völlig die Sicherheit gefehlt.

Nach der WM-Pause wollte Schmidt, der in Hamburg im schicken Stadtteil Winterhude nicht weit von der Außenalster wohnt und dort am Wasser immer wieder neue Energie tankt, eigentlich angreifen, doch schon während des Trainingslagers in Wittenberge im Januar kam der nächste Rückschlag. Aufgrund der Mandelentzündung musste Schmidt abreisen. Seitdem hat er keine Einheit mehr komplett trainieren können.

Der Wechsel zum HSV sei dennoch der richtige Schritt gewesen. "Wir haben eine tolle Mannschaft. Von Spielern wie Pascal Hens, Jogi Bitter und Toto Jansen profitierte ich", erklärt Schmidt. Besonders das Verhältnis zu Konkurrent Jansen sei super. Die Unsicherheit unter Coach Gaudin habe beide Profis zusammengeschweißt. "Ich habe viel von ihm gelernt. Wir reden auch über andere Dinge", sagt Schmidt.

Dass das Spiel gegen seinen Ex-Club ein Mittelfeldduell ist, hätte der frühere Pohlheimer Jugendspieler bei seinem Wechsel damals allerdings nicht vermutet. Hamburg ist – auch aufgrund von vielen Verletzungen – schlecht in die Saison gestartet, mittlerweile haben die Hanseaten die Kurve gekriegt und rangieren auf Rang elf – einen Platz hinter Wetzlar. "Wir mussten zum Beispiel lange auf Adrian Pfahl verzichten und haben oft mit drei Rechtshändern im Rückraum spielen müssen", begründet Schmidt. Zwar gebe es kein konkretes Ziel, allerdings ist er sicher, dass der HSV Hamburg "noch einige Plätze nach oben rutschen" wird.

Vor Wetzlar hat der Europapokalteilnehmer gehörig Respekt. "Wir haben das Heimspiel verloren. Damals hat bei der HSG Steffen Fäth gefehlt. Wetzlar ist ein starkes Team. Sie haben eine gute Abwehr, und die Rückraumreihe mit Ivano Balic, Kent-Robin Tönessen und Steffen Fäth kann an einem guten Tag jedem Gegner große Probleme machen", warnt Schmidt vor seinen Ex-Kollegen.

Eine Rückkehr an die Lahn kann er sich zwar vorstellen, zunächst würde er aber gerne noch eine Weile an der Alster bleiben. "Mir gefällt es gut. Ich fühle mich sehr wohl", sagt er zufrieden. Dennoch: Sein Vertrag endet im Sommer. Noch konnte Schmidt wenig Argumente für eine Verlängerung präsentieren. Auch daher ist es für den Profi wichtig, schnell wieder auf die Beine zu kommen. Marc Schäfer

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