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Vergebliches Flehen: Wetzlars Torhüter Jose Hombrados konnte trotz bärenstarker Leistung die unglückliche Niederlage in Göppingen nicht verhindern. (Foto: Eibner)

Euphorie gedämpft, Stimmung nicht

(ra) Die Niederlage bei Frisch Auf Göppingen, die erste in dieser Saison, hat die Bundesliga-Handballer der HSG Wetzlar nicht umgeworfen.

Die Euphorie nach den beiden hoffnungsvollen Auftakterfolgen bei GWD Minden bzw. gegen TBV Lemgo wurde durch das 22:23 (10:10) am Sonntag im Schwäbischen zwar etwas gedämpft, die Stimmung aber ist keineswegs gedrückt.

"Nach gefühlt 115 bis 120 Minuten ist uns am Ende der Sprit ausgegangen", war für Trainer Kai Wandschneider der Kräfteverschleiß aus zwei Erstliga-Duellen binnen 48 Stunden zu groß, "ansonsten haben wir über weite Strecken wie schon gegen Lemgo Ruhe und Gelassenheit ausgestrahlt und – gepaart mit eisernem Willen – der Göppinger Heimstärke Paroli geboten."

War es am Freitag im Heimspiel gegen Lemgo Andreas Wolff gewesen, der mit 17 Paraden den Grundstein zum Heimerfolg gelegt hatte, so hatten am Sonntag die Göppinger Rückraumschützen Zarko Sesum und Daniel Fontaine großen Respekt vor Rückkehrer Jose Hombrados zwischen den Wetzlarer Pfosten und kamen zu keinem Torerfolg.

Beim erneut für die Nationalmannschaft nominierten Andreas Wolff war deutlich zu erkennen, dass er im Duell mit den gegnerischen Angreifern neben seiner ohnehin vorhandenen Schnelligkeit mittlerweile die entscheidende Zehntel- oder Hundertselsekunde zu pokern versteht. "Jose und Jasmin versuchen mir Tag für Tag zu vermitteln, dass gute Torhüter auch Strategien haben", erklärt der 23-Jährige diese Steigerung.

Die Kernaussagen zu beiden Partien dürften nach dem zuversichtlich stimmenden 4:2-Punkte-Start und vor dem Freitag-Knüller gegen THW Kiel in der Rittal-Arena (19.45 Uhr) die gleichen sein: Evars Klesniks ist auf der zentralen Position in der 6:0-Deckung nicht nur die Entdeckung der Vorbereitung, sondern auch im Bundesliga-Alltag der Stabilisator für das gesamte Gebilde. Mit Ivano Balic bzw. "Flo" Laudt auf den Halbpositionen der Abwehr hat das Umschaltspiel nach vorne an Qualität gewonnen. Überdies zeigt die versetzte 5:1-Deckung ebenso Wirkung wie das herausragende antizipative Verhalten von Evars Klesniks und Ivano Balic.

Einen besseren Einstand vor heimischen Publikum hätte sich auch Guillaume Joli nicht wünschen können. Ähnlich wie vor zwei Jahren "Air" Reichmann eroberte der Franzose mit vier Treffern in den ersten sechs Minuten (6:3) und neun Toren insgesamt die Herzen der HSG-Fans im Sturm. "Ich gebe immer alles", war der neue Rechtsaußen nach dem 32:25 über Lemgo berauscht, wobei er vom Typ her ein vollkommen anderer ist als der unterkühlt wirkende Reichmann. Jeden seiner Treffer zelebrierte der 94-fache französische Nationalspieler mit ausgebreiteten Armen und tankte sich schon beim Zurücklaufen voll mit neuer Energie für die nächste Aktion.

Kopf der Mannschaft ist und bleibt aber Ivano Balic. Der Kroate stand Freitag und Sonntag jeweils gut 40 Minuten in Abwehr und Angriff auf der Platte und schaffte es sowohl gegen den TBV als auch bei Frisch Auf immer wieder perfekt, Steffen Fäth auf Halblinks aus der Bewegung heraus in Position zu bringen. Und letztlich kreierte er gegen Lemgo zwischendurch so ganz nebenbei bewusst zwei Abschlusschancen für Linkshänder Kent-Robin Tönnesen, dem er nach fünf Fahrkarten und 37 Minuten beim 21:14 gezielt zu dessen erstem Erfolgserlebnis verhalf.

Aufbauhilfe par excellence.

"Die Mannschaft ruht in sich selbst und wird auch Rückschläge wegstecken können", hatte Kai Wandschneider am Freitag noch mit Überzeugung verlauten lassen. Zwei Tage später in Göppingen blieb zumindest ein verdient gewesener Punktgewinn verwehrt. Schon diesen Freitag gegen THW Kiel wird sich zeigen, wie das Team den "unseligen Doppelspieltag" (Wandschneider) tatsächlich weggesteckt hat.

Weinhold fehlt

Handballmeister THW Kiel muss unterdessen drei Wochen auf den deutschen Nationalspieler Steffen Weinhold verzichten. Der Linkshänder kugelte sich am Sonntag beim 20:19-Sieg gegen den HSV Hamburg das Mittelgelenk im rechten Zeigefinger aus. Damit steht er auch für das Bundesliga-Auswärtsspiel am Freitag bei der HSG Wetzlar nicht zur Verfügung.

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