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Sie gibt die Richtung vor: Trainerin Janet Zeltinger, die hier ihrem Spieler Brian Bell Instruktionen gibt, möchte mit dem RSV Lahn-Dill am Wochenende in Wetzlar den Champions Cup gewinnen.

»Etwas ganz Besonderes«

  • Markus Konle
    vonMarkus Konle
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Janet Zeltinger hat ein großes Ziel: Die Trainerin des Rollstuhlbasketball-Bundesligisten RSV Lahn-Dill will sich mit ihrem Team beim Champions Cup in Wetzlar die europäische Krone aufsetzen. Die Kanadierin ist voller Vorfreude und kann das erste Spiel heute Abend kaum erwarten.

Janet Zeltinger lacht. »Im Englischen sagen wir: ›We are chomping at the bit.‹« Was so viel bedeutet wie: Wir scharren mit den Hufen. Mit dem Viertelfinale gegen Gran Canaria startet ihr RSV Lahn-Dill heute um 20 Uhr in das dreitägige Turnier um den wichtigsten europäischen Titel im Vereins-Rollstuhlbasketball. Die Mittelhessen wollen sich bei ihrem Heimspiel in Wetzlar zum siebten Mal die europäische Krone aufsetzen. Coronabedingt muss der RSV auf die Unterstützung seiner Fans vor Ort verzichten, aber immerhin werden alle Spiele im Livestream auf der Internetseite des Gastgebers unter www. rsvlahndill.de übertragen.

Dass der Wettbewerb in diesem Jahr nicht Champions League, sondern Champions Cup heißt, spielt dabei kaum eine Rolle: Weil Qualifikations- und Gruppenphase aufgrund der Pandemie ausfallen mussten, wurde der Name geändert. Am Start ist dennoch die europäische Crème de la Crème, die anhand der europäischen Rangliste eingeladen wurde . So sind aus Spanien die Teams von CD Ilunion Madrid, aus Albacete, Bilbao und von der Kanareninsel Gran Canaria dabei, aus Italien Porto Torres und die Bundesliga-Topteams RSV Lahn-Dill, Thuringia Bulls und der mit einer Wildcard ausgestattete Bundesliga-Dritte Baskets Rahden.

Für Janet Zeltinger und ihr ambitioniertes RSV-Team, das ab dem 8. Mai zudem gegen die Thüringer um den DM- Titel kämpfen wird, würde es bei einem Erfolg heute am Samstag im Halbfinale (20 Uhr) gegen den Gewinner der Partie Madrid gegen Porto Torres gehen - und im Idealfall stünde am Sonntag ab 17.30 Uhr das Finale an. Im Interview spricht die 43-jährige Kanadierin über die Aussichten für ihr Team, die Konkurrenten und ein große Plus ihres Teams.

Mit welchen Erwartungen und Zielen gehen Sie in das Turnier um den Champions Cup?

Unsere Ziel ist, immer zu gewinnen, das ist klar. Wir haben eine sehr gute Mannschaft, aber wir müssen ein Spiel nach dem anderen angehen. Wir spielen gegen sehr gute Gegner - die besten Mannschaften in Europa. Wir können nicht zu weit denken. Wir planen für alles und bereiten uns auf alle Mannschaften vor, aber unser Fokus liegt erst einmal auf Gran Canaria und danach können wir für die nächsten Spiele planen.

Wer sind aus Ihrer Sicht die größten Konkurrenten bzw. die Favoriten auf den Titel?

Das ist wirklich schwer zu sagen. Die Mannschaften sind alle sehr, sehr gut. Letztes Jahr gab es keine Champions League, deshalb ist es zwei Jahre her, dass ich die Teams wirklich gesehen habe. Bilbao, Albacete, Thüringen, Madrid oder Gran Canaria, die sind sehr gut und haben Madrid dieses Jahr geschlagen, sind alle unheimlich stark und können das Turnier gewinnen - wir natürlich auch. Es wird sehr viel davon abhängen, wer seine Form am besten im gesamten Turnier abrufen kann.

Ihr Team gilt als recht tief besetzt. Könnte das gerade im Hinblick auf den eng getakteten Spielplan mit drei Spielen an drei Tagen das große Plus für den RSV sein?

Ja, das wird uns helfen. Wir können rotieren, wir können allen Spielern Pausen geben. Wir haben die Möglichkeit, wenn ein Line-up nicht funktioniert, das wir andere probieren können. Das ist ein wichtiger Punkt für uns. Wir sind sehr zufrieden mit dieser Situation und damit, dass alle eine starke Saison bis jetzt gespielt haben. Unsere Spieler haben alle Möglichkeiten und haben es verdient, in diesem Turnier zu spielen. Und das ist toll.

Sehen Sie einen Heimvorteil für den RSV, auch wenn die Spiele leider ohne Zuschauer stattfinden müssen?

Ja, wir kennen die Arena, wir haben die ganze Saison dort gespielt. Es ist natürlich schade, dass unsere Fans nicht dabei sind. Sie sind immer unser sechster Spieler. Und unsere Fans sind definitiv die besten in ganz Europa, vielleicht in der ganzen Welt in unserer Sportart. Es ist wirklich schade, dass sie nicht in der Arena sein können. Aber wir wissen, dass sie den Livestream schauen und so dabei sind. Das hilft uns sehr. Wir spielen zu Hause. Wir fühlen uns hier wohl, das ist definitiv ein Vorteil für uns.

Wie fühlt es sich an, trotz des Heimspiels während des Turniers in einer Blase zu leben?

Das macht uns nicht so viel aus. Wie alle Mannschaften sind wir am Donnerstag in die Bubble gegangen. Und wir haben den Vorteil, dass wir nicht lange fliegen oder fahren mussten. Das hilft uns auch.

Hat der Champions Cup für Sie den gleichen Stellenwert wie eine Endrunde um die Champions League, auch wenn die Qualifikationsrunden diesmal pandemiebedingt ausfallen mussten und das Turnier deshalb umbenannt wurde?

Ja, das sehe ich schon so, dass der Stellenwert genauso hoch ist. Es sind die besten acht europäischen Mannschaften dabei. Die, die in der Qualifikation die Endrunde wahrscheinlich erreicht hätten, sind hier. Diese Turniere machen immer Spaß. Es ist die alte Form der Champions League. Und die Jungs kennen das schon. Champions League macht immer Spaß. Es ist etwas ganz Besonderes, und wir freuen uns auf unser erstes Spiel. Wir können es kaum erwarten.

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