Der Videoanalyst und Scout im Interview

»Es hat schon auch was von Detektivarbeit«

  • Sven Nordmann
    VonSven Nordmann
    schließen

(sno). Als Fünfjähriger zog Helo Schlothauer mit seiner Familie aus Bayern nach Mittelhessen, spielte in B- und A-Jugend für den SC Waldgirmes und arbeitet seit dieser Saison als Videoanalyst und Scout für Regionalligist FC Gießen.

Im Fußball will der 27-Jährige nach seinem Studium der Sportwissenschaften in Marburg hauptberuflich tätig werden. Hier spricht er über seine Arbeit.

Herr Schlothauer, was motiviert Sie an Ihrem Beruf?

Fast jeder Junge hat den Traum, Fußballprofi zu werden. Irgendwann merkst du: Das wird nix. Dann kam bei mir schnell die Idee: Geld verdienen mit Fußball schauen, das wär’s (lacht). Letztlich ist es mehr Arbeit als Vergnügen. Aber es ist ein Privileg. Während meines Praktikums bei Werder Bremen habe ich mit festangestellten Scouts gearbeitet und verstanden, was wirklich auf dem Feld passiert. Es hat schon auch was von Detektivarbeit, Informationen über Spieler herauszufinden. Und einen Gegner in der Analyse so zu zerlegen, dass die Mannschaft das dann nutzen kann und gewinnt, das ist reizvoll.

Was ist das für ein Gefühl, nach der Gegnervorbereitung abhängig zu sein von der Umsetzung der Mannschaft auf dem Platz?

Das ist eine sehr gute und interessante Frage. Häufig wird es zum Glück umgesetzt und die Jungs passen dann auch auf, wenn wir vorher darauf hinweisen. Das ist ein sehr schönes Gefühl, wenn du deinen Beitrag leisten konntest. Ich ziehe generell den Hut vor den Jungs, die oft innerhalb kurzer Zeit Entscheidungen treffen müssen. Da musst du auch Verständnis haben, wenn es mal nicht so läuft, wie du dir das von außen vorstellst.

Wie scouten Sie für den FC Gießen?

In den kommenden Wochen werde ich eine Liste von Spielern für Daniyel Cimen komprimieren, die für die Kaderzusammenstellung für die Saison 2021/22 genutzt wird. Für jede Position werden fünf, sechs Namen vorgeschlagen, die ich auf Basis von Gegnerbeobachten und dem Nutzen der Videos von den Regionalliga-Spielen aufgeschrieben habe. So kann das Trainerteam dann die Liste besprechen und Gespräche führen, sofern auf verschiedenen Positionen Bedarf herrscht. Ich schaue auch auf Spieler mit regionalem Bezug - die verfolgen wir schon. Da gibt es ein zehn Seiten langes Word-Dokument. Da stehen auch Namen drin, die jetzt noch utopisch erscheinen, aber die zum Ende ihrer Karriere interessant für Gießen werden könnten. Die Liste verändet sich immer wieder.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare