In schwierigen Zeiten ein wenig Licht am Basketball-Horizont: Brandon Bowman und die Gießen 46ers können am ersten November-Wochenende in die Bundesliga-Saison 2020/21 starten - allerdings ohne Zuschauer. FOTO: IMAGO
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In schwierigen Zeiten ein wenig Licht am Basketball-Horizont: Brandon Bowman und die Gießen 46ers können am ersten November-Wochenende in die Bundesliga-Saison 2020/21 starten - allerdings ohne Zuschauer. FOTO: IMAGO

Lochdown 2.0

Erleichterung bei den Profis, Ernüchterung bei den Amateuren

  • Ralf Waldschmidt
    vonRalf Waldschmidt
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Der Lockdown 2.0 der Corona-Pandemie trifft erneut auch den Sport. Die Basketball-Profis der Gießen 46ers dürfen in die Saison starten, die Amateursportler müssen zwangspausieren.

Auch der Sport ist vor der Coronavirus-Pandemie weiterhin nicht gefeit. Die am Mittwoch in einer Konferenz zwischen Bundesregierung und den Länderchefs vereinbarten Einschränkungen aufgrund den zuletzt stark ansteigenden Infektionszahlen treffen auch den Sport hart - Profis wie Amateure.

Bereits am Nachmittag kam die Meldung, dass der Profisport hierzulande nun - die Verordnung gilt ab 2. November bis Ende des Monats und soll nach zwei Wochen auf den Prüfstand - komplett ohne Zuschauer starten muss. Dies betrifft die Bundesliga-Basketballer der Gießen 46ers, die Erstliga-Handballer der HSG Wetzlar und den Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim ebenso wie den RSV Lahn-Dill und den TV 05/07 Hüttenberg. Allerdings: Die regionalen Topklubs sind nicht vom Corona-Bannstrahl betroffen, können in Anbetracht der sich immer weiter ausbreitenden Pandemie wenigstens spielen.

"Gut ist erst einmal, dass die Botschaft da ist, dass es überhaupt losgehen kann", sagt Bad Nauheims Geschäftsführer Andreas Ortwein. Die Deutsche Eishockey-Liga 2 bestätigte am Mittwochabend in einer Pressemitteilung, an dem für 6. November geplanten Saisonstart festhalten zu wollen.

Zwiespältiger äußern sich 46ers-Chef Michael Koch und Wetzlars Geschäftsführer Björn Seipp, auch wenn sie erleichtert sind, dass ihnen ein Shutdown erspart bleibt. "Im Augenblick ist es so, dass sich die Situation, wenn ich übertreiben würde, fast stündlich ändert. Man muss sehr, sehr vorsichtig sein, inwieweit man Planungen vorantreibt, die dann wieder über den Haufen geworfen werden. Die Entwicklung in den vergangenen Tagen ist mit Sicherheit für alle Hallensportarten negativ. Wenn wir zwar spielen dürfen, aber ohne Zuschauer, dann tut uns das fast genauso weh, als wenn wir gar nicht spielen würden", sagt Koch. Seipp ergänzt: "Wir sind nicht glücklich mit der Situation. Wenn der Zustand länger als November anhält, wird es wirtschaftlich eng, sehr eng. Schließlich generieren wir einen großen Teil unserer Einnahmen aus dem Ticketing."

Was ist mit dem FC Gießen?

In den vierten Fußball-Ligen herrscht unterdessen deutschlandweit großes Rätselraten: Zählt etwa die Fußball-Regionalliga Südwest, in der der FC Gießen aktiv ist, zum Amateur- oder Profibereich? Darauf gab es für die Vereine von der Regionalliga Südwest GbR bis zum späten Mittwochabend keine verbindliche Aussage. Aktuell wird die Liga, die sich über fünf Bundesländer erstreckt, in jenen teils unterschiedlich eingestuft - da die ersten drei Ligen der DFL angehören und ab der Oberliga der Amateurbereich vorherrscht, bleibt die vierte Liga ein Sonderfall für den DFB. Die Ungewissheit betrifft derzeit alle fünf Regionalligen in Deutschland.

Manfred Schnieders, der Vorsitzende des Westdeutschen Fußballverbandes, der für die Regionalliga West zuständig ist, telefonierte am Mittwoch mit der Staatskanzlei - ohne Ergebnis: "Es ist noch keine Entscheidung gefallen. Wir müssen uns noch ein, zwei Tage gedulden."

Klar ist: Der Vorstand des Hessischen Fußballverbandes tagt am Donnerstagabend, um darüber zu entscheiden, ob schon der Spieltag an diesem Wochenende abgesagt wird. Dirk Reimöller, Verbandssportlehrer des Hessischen Fußballverbandes, sagt: "Es wird überlegt, ob die Option, noch zu spielen, wahrgenommen wird, oder ob man den einzelnen lokalen Verordnungen folgt und schon an diesem Wochenende alle Spiele in Hessen absagt."

Die Prognose in den heimischen Amateurligen ist schon jetzt düster, da Trainings- und Spielbetrieb untersagt werden. Rollt am Wochenende vielleicht schon zum letzten Mal in diesem Jahr der Ball auf den Fußballplätzen? Behördlich soll der Amateurfußball ab Montag bis Ende November unterbrochen werden, eine Saisonfortsetzung Mitte Dezember ergibt für den Hessischen Fußball-Verband wenig Sinn.

Alsfelds Kreißfußballwart Frank Heller ist dem schon zuvorgekommen und lässt den Spielbetrieb bereits am Wochenende komplett ruhen. Sein Gießener Kollege Henry Mohr hatte sich am Dienstag ähnlich geäußert, will aber die HFV-Maßgaben am heutigen Donnerstag abwarten. Dann wird auch Klarheit herrschen, ob vor dem Shutdown am kommenden Montag - wie oben erwähnt - wenigstens die Hessen-, Verbands- und Gruppenligisten ihre letzten Spieltage durchführen. Oder nicht.

In vielen anderen Sportarten war bereits vor dem Beschluss der Politik entsprechend reagiert worden. Der Hessische Handballverband hatte am 22. Oktober den Spielbetrieb bis einschließlich 8. November eingestellt - nun bis mindestens 30. November. Gleiches gilt für den Hessischen Volleyballverband, der bereits zwei Tage zuvor den Spielbetrieb für mehr als vier Wochen unterbrochen hatte. Andere Sportarten wie etwa Tischtennis oder Basketball hatten es den Vereinen offengelassen, ob sie angesichts der Infektionsgefahr zu einem angesetzten Spiel antreten wollen und Absetzungen straf- und kostenfrei sowie ohne Zustimmung des Gegners möglich gemacht. Auch sie werden nun wohl oder übel nachziehen müssen und die Spielzeit bis mindestens Ende November unterbrechen - und bis dahin auf weitere Signale aus der Politik warten, ob und unter welchen Umständen eine Saison fortgesetzt werden kann.

Denn durch den Beschluss, Amateursportbetriebe auf und in allen öffentlichen und privaten Sportanlagen zu schließen, wird den Vereinen auch die Möglichkeit genommen zu trainieren. Das bedeutet: Anfang Dezember ist es unmöglich, wieder zu starten, nach vier Wochen Tatenlosigkeit. Was danach passiert, steht in den Sternen.

Besonders bitter für alle Sportler allgemein: Auch Fitnessstudios, Schwimm- und Spaßbäder werden geschlossen. Allein der Individualsport, also etwa allein joggen gehen, ist weiterhin erlaubt.

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