+
Teamgeist in Hungen/Lich: Die HSG ist mit der weiblichen A-, B- und C-Jugend in Hessens höchster Spielklasse vertreten und sorgt gleich zum Saisonbeginn der Oberliga für Aufsehen. (Foto: ras)

Erfolgreiches Handball-Gespann Hungen/Lich

Sie haben Historisches geschafft, die weiblichen Jugenden der HSG Hungen/Lich. Zum ersten Mal gelang es einem Verein im Handball-Bezirk Gießen, die C-, B- und A-Jugend durch die Qualifikation in der Oberliga zu platzieren.

Ein durchaus geplantes Unterfangen, wie Spielerinnen und Trainer des Vereins bestätigen. Denn die herausragende Jugendarbeit der letzten Jahre soll nun endlich Früchte tragen und die Akteure sich für ihr Schaffen belohnen. Dass dies so eindrucksvoll gelingt, ist aufgrund der dünnen Personaldecke trotzdem nicht selbstverständlich. Denn trotz der Spielgemeinschaft von Hungen und Lich, die im Jahre 2012 ins Leben gerufen wurde, plagen den Verein, wie viele andere auch, Nachwuchssorgen. "Wir haben in unserem A-Jugend-Kader nicht so viele Spielerinnen, daher muss uns die B-Jugend aushelfen. Aber wir wollten auf jeden Fall versuchen, in die Oberliga zu kommen. Wir mussten da auch ganz schön kämpfen, es war nicht so, dass wir da einfach durchgeflutscht sind", berichtet A-Jugend-Spielerin Hanna Rösler grinsend, die sich vorwiegend im linken Rückraum aufhält, aber auch ab und an auf Mitte wiederfindet.

Dennoch sind die letzten beiden Spielzeiten durchaus erfolgreich verlaufen und der positive Trend setzt sich mit der Oberligateilnahme der drei Mannschaften fort. "Unser Ziel war von Anfang an die Oberliga. Mit dieser Einstellung sind wir in die Qualifikationsspiele gegangen. Und auch in der HSG Hungen/Lich stand das Thema im Raum, mit allen drei Mannschaften in die Oberliga zu wollen", ergänzt Hannah Niebergall, die in der B-Jugend im Rückraum aktiv ist. Die A-Jugend hatte sich im Qualifikationsturnier in Sulzbach als Gruppenerster sofort für die Oberliga qualifiziert. Die B-Jugend musste in die Verlängerung, da man beim Turnier in Kassel aufgrund zweier fehlender Tore nur Zweiter geworden war. Im Turnier in Hungen setzte man sich dann aber souverän durch.

In den letzten Wochen haben sich die Mannschaften akribisch auf die Saison vorbereitet. Dabei erhielten sie jegliche Unterstützung der Stammvereine, die unter anderem ein mehrtägiges Trainingslager finanzierten. Die Erfolge sind auch insofern für den Verein wichtig, als dass man für Nachwuchs für die eigenen Frauenmannschaften sorgen will und muss. "Der Schritt aus der Jugend in den Aktivenbereich ist ein sehr großer", erklärte B-Jugend-Coach Andreas Nau.

"Nur weil man in der Oberliga gespielt hat, heißt das ja nicht gleich, dass man auch bei den Frauen sofort in der Bezirksoberliga oder Landesliga spielen kann." Er sieht in der aktuellen A-Jugend aber durchaus bei einigen Spielerinnen das Potenzial, dort reinzuwachsen, wie auch das Duell gegen die aktuelle zweite Mannschaft, die in der Bezirksliga A spielt, gezeigt hat. Das haben nämlich die Mädels gewonnen. In Hungen/Lich ist man bestrebt, den Aktivenbereich mit eigenen Leuten zu füllen. "Wir haben eine gute Jugend im Mädelsbereich und davon profitiert der ganze Verein", stellt Nau klar.

An vielen Stellschrauben gedreht

Über Jahre hinweg wurde in Hungen/Lich an vielen kleinen Stellschrauben gedreht, das eigene Konzept Stück für Stück erweitert. "Wie zum Beispiel durchgängiges Training in den Ferien und das mannschaftsübergreifende Arbeiten, das ziehen wir konsequent über alle Altersklassen durch", berichtet C-Jugend-Coach Ulli Will. Trainingsbedingungen, von denen andere Vereine nur träumen können und für die Überzeugungskraft gegenüber den Hallenbetreibern vonnöten ist. Zudem ist die Fluktuation sehr gering.

"Wir profitieren auch davon, dass wir in Ruhe arbeiten können. Da sind in der A-Jugend lediglich zwei Zugänge und insgesamt keine Leute weggegangen. Wenn man dann mal zu unseren Nachbarn in der Oberliga rüberschaut, wandert dann schon mal die ganze Batterie von einem Verein zum anderen." Zwei markante Unterschiede, die auch für die Spielerinnen wichtig sind. Dazu C-Jugend-Spielerin Amy: "Ich hab ganz klein mit Handball angefangen und mag die Idee, mit anderen etwas zusammen zu machen, also keine Einzelsportart zu betreiben. So hat man automatisch auch echt gute Freunde und zusammen zu gewinnen, finde ich total schön. So muss man nicht alles alleine reißen, sondern hat Freunde, die einem den Rücken freihalten. Mir macht Handball einfach Spaß."

Aktuell ist der weibliche Jugendbereich in Hessen weit hinter dem männlichen zurück. Wettenberg und eben Hungen/Lich, wo es kaum externe Trainer gibt, sind die einzigen Vereine die seit Jahren durchgängig mit ihren Jugenden gut besetzt sind und oben mitspielen. Trotz allem ist auch die HSG nicht die Insel der Glückseligkeit, doch die kontinuierliche Arbeit spricht sich rum. Fußball und Basketball heißen in Lich die Konkurrenten, und doch finden sich im weiblichen Bereich immer wieder genügend Kinder, die den Weg in die Halle zum Handball finden.

Dabei hilft auch die enge Zusammenarbeit mit den Schulen, in denen Will als Handballtrainer unterwegs ist. "Mit den Licher Schulen arbeiten wir da ganz eng zusammen. In Hungen müssen wir das noch ausbauen", so Will. "Wir haben schon noch den einen oder anderen Faktor, der in der Zukunft durchschlagen könnte." Dazu zählt auch die Versetzung von Ex-Bundesligaspielerin Sophia Wiener an die Dietrich-Bonhoeffer-Schule.

Jeder ist bei der HSG mit Herzblut dabei. "Meine Eltern haben beide Handball gespielt und als kleines Kind wollte ich das nicht, fand Handball noch voll blöd. Mit sechs oder sieben Jahren bin ich das erste Mal mit ins Training gefahren und jetzt kann ich mir mein Leben ohne Handball nicht mehr vorstellen. Das gehört einfach dazu", erklärt Hanna Rösler lächelnd. "Wir sind in Lich und Hungen rundum glücklich. Es ist ja kein Hexenwerk, das wir hier vollbringen, sondern nur viele kleine Schräubchen, an denen wir immer wieder drehen", erklärt Will.

Die drei Mannschaften wollen derweil in der Oberliga oben mitspielen, das Wort Meisterschaft nimmt aber keiner in den Mund. "Es kommt so, wie es kommen soll, und wenn man sich nicht so hohe Ziele steckt, kann man sich immer noch steigern", grinst Hannah Niebergall. Der Start in die Saison jedenfalls ist geglückt. Die A-Jugend feierte bisher einen und musste eine Niederlage hinnehmen, während die B- und C-Jugend jeweils mit einem Erfolg begonnen haben. Die Bedingungen in Hungen und Lich sind gegeben, um auch in Zukunft ein gewichtiges Wörtchen mitzureden. Und vielleicht gelingt es auch wieder, die Frauenmannschaft in der Landesliga zu etablieren. Danny Pieth

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare