Entdeckung der Harmlosigkeit

Ganz bequem und komfortabel reiste die HSG Wetzlar zu ihrem Auswärtsspiel am Samstag zum VfL Gummersbach ins Oberbergische. Mit dem modern ausgestatteten Bus des Fußball-Zweitligisten FSV Frankfurt wurden die Bundesliga-Handballer chauffiert - ein hoher Wohlfühlfaktor war garantiert. Doch das gemütliche und angenehme Gefühl sollte alsbald weichen. Denn kaum standen die zuletzt arg gebeutelten Mittelhessen auf dem Parkett der Eugen-Hass-Halle, wurden sie auch schon von einem keineswegs überragenden Gegner kräftig durchgeschüttelt. Die 23:33 (7:14)-Niederlage war nach dem peinlichen Pokal-Aus in Obernburg keineswegs überraschend, deckte aber einmal mehr eklatante Mängel im HSG-Spiel auf.

Ganz bequem und komfortabel reiste die HSG Wetzlar zu ihrem Auswärtsspiel am Samstag zum VfL Gummersbach ins Oberbergische. Mit dem modern ausgestatteten Bus des Fußball-Zweitligisten FSV Frankfurt wurden die Bundesliga-Handballer chauffiert - ein hoher Wohlfühlfaktor war garantiert. Doch das gemütliche und angenehme Gefühl sollte alsbald weichen. Denn kaum standen die zuletzt arg gebeutelten Mittelhessen auf dem Parkett der Eugen-Hass-Halle, wurden sie auch schon von einem keineswegs überragenden Gegner kräftig durchgeschüttelt. Die 23:33 (7:14)-Niederlage war nach dem peinlichen Pokal-Aus in Obernburg keineswegs überraschend, deckte aber einmal mehr eklatante Mängel im HSG-Spiel auf.

Dabei verstanden es die Wetzlarer im ersten Abschnitt dank einer ordentlichen Deckungsweise die klug vorgetragenen Angriffe der Gummersbacher Offensivstrategen Adrian Pfahl, Drago Vukovic und Adrian Wagner - zumindest einigermaßen - in Schach zu halten. Was die Handballer von der Lahn aber im Angriff boten, hatte mit Bundesliganiveau nicht viel gemein. "Da haben wir fast alles falsch gemacht.

Meine Spieler haben ohne Mumm und mit wenig Selbstvertrauen gespielt", ärgerte sich Trainer Michael Roth nach dem Spiel über das lethargische Angriffsspiel seiner Spieler, die es nicht verstanden, die geschickt gestaffelte 5+1-Deckung der Gummersbacher in Verlegenheit zu bringen. Dabei war es Roth, der auf den Schachzug von VfL-Trainer und Taktikfuchs Sead Hasanefendic prompt reagierte und nach Vukovic` Treffer zum 4:1 bereits nach exakt vier Minuten und 28 Sekunden eine Auszeit nahm. "Ich habe meinen Angriffsspielern erklärt, wie wir gegen diese Deckung agieren müssen", meinte Roth, dessen Ansage gänzlich ungehört blieb.

Anders ist es nicht zu verstehen, dass Lars Friedrich per Siebenmeter erst nach einer Viertelstunde den dritten Treffer für den Gast markierte (3:7). Es sollte für weitere zehn Minute der Letzte gewesen sein. Nachdem Vedran Zrnic vom Punkt zum 11:3 verwandelte, gelang Peter Jungwirth von Rechtsaußen das 4:11 (25.). Klar, dass ein solcher Rückstand bei einem Europapokalaspiranten kaum einzuholen ist. Wetzlars Philipp Müller, der im Offensivspiel nahezu unsichtbar war, startete nach der Schlusssirene Erklärungsversuche für die mutlose Darbietung: "Die Deckung der Gummersbacher hat uns überrascht und letztlich das Genick gebrochen.

Wir haben es nicht verstanden, dem VfL etwas entgegenzusetzen im Angriff. Das ist enttäuschend."

Den Wetzlarern fehlende Moral oder eine lasche Einstellung vorzuwerfen, wäre trotz der klaren Niederlage unangebracht. Ohne die Stammkräfte Steffen Fäth und Georgios Chalkidis fehlte es an Alternativen. Zudem wirkten Timo Salzer und Alois Mraz - die unter der Woche wegen Grippe im Bett lagen - noch immer schlapp und müde. Der angeschlagene Daniel Valo agierte über die komplette Spielzeit erschreckend schwach und uninspiriert.

Vor den Augen von Bundestrainer Heiner Brand traf Gummersbachs Vukovic per Unterarmschlagwurf zum 22:12 (42.) - das Spiel war endgültig entschieden. Dennoch versuchten die Roth-Schützlinge die Niederlage im Rahmen zu halten. Doch nachdem Mraz zwischenzeitlich zum 21:29 (55.) verkürzte, zogen die Gummersbacher auf der Zielgeraden noch einmal die Zügel an.

"Natürlich sind wir enttäuscht über diese Niederlage. Und nach dieser Woche ist das Selbstvertrauen vielleicht auch nicht so groß. Aber trotzdem gilt unsere volle Konzentration dem Spiel am Freitag gegen Friesenheim. Da stehen wir unter Druck und jeder weiß, worum es geht", richtete Kapitän Salzer nach der Pleite den Blick schon auf das Heimspiel am Freitag gegen die "Eulen" aus dem Ludwigshafener Stadtteil. Auch Trainer Roth, der nach dem Spiel sichtlich angefressen war, schaute auf das "erste Endspiel": "Wir hatten zum Auftakt ein Programm, bei dem wir mit diesem Ergebnis rechnen mussten. Jetzt kommt aber ein Muss-Spiel. Am Freitag zählt nur ein Sieg."

Enttäuscht und niedergeschlagen stieg die HSG-Truppe in den bequemen FSV-Bus. Irgendwie unpassend, denn die gemütlichen und beschaulichen Tage bei der HSG Wetzlar sind längst vorbei. Die harte und unbequeme Realität des Abstiegskampfes hat längst wieder begonnen.

VfL Gummersbach: Somic, Hammerschmidt; Krantz (1), Wagner (7), Schindler (3), Vukovic (8), Anic (3), Wiencek (1), Eisenkrätzer (1), Lützelberger (1), Valcic, Pfahl (5/1), Rahmel (1), Zrnic (2/1).

HSG Wetzlar: Weber, Hacko; Schmidt (3/1), Rompf, Valo (1), Jungwirth (4), Mraz (3) Müller (1), Schneider (2/1), Kristjansson, Friedrich (6/1), Rompf, Salzer (3).

Im Stenogramm / Schiedsrichter: Pritschow/ Pritschow (Leinfelden/Degerloch).- Zuschauer: 1992.- Zeitstrafen: 12:6 Minuten.- Siebenmeter: 7/2:5/3. Jan-Martin Strasheim

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