Am Ende fehlt das letzte Fünkchen Glück

Erst der Freudenschrei, dann - nur wenige Augenblicke später - die Augen voller Tränen. Es hätte der Abend des Stevan Tapuscovic werden können, doch am Ende kam alles anders. Die LTi Gießen 46ers lieferten sich im Hessenderby der Basketball-Bundesliga gegen die Skyliners Frankfurt einen tollen Kampf, am Ende besiegelte jedoch der Routinier aus der Bankenstadt, Pascal Roller, mit zwei verwandelten Freiwürfen die äußerst knappe 68:69 (36:37)-Niederlage.

33 Sekunden waren gestern Abend im Hessenderby der Basketball-Bundesliga zwischen den LTi Gießen 46ers und den Skyliners Frankfurt noch zu spielen, als der junge Serbe in Zeitnot einen Dreier aus der Ecke verwandelte und sein Team somit mit 68:67 in Front brachte. Nun konnte selbst der sonst auf dem Feld so beherrschte Flügelspieler seine Emotionen nicht zurückhalten, er ballte die Faust und schrie seine Freude heraus. Doch sein Gegenüber Pascal Roller verdarb dem 20-Jährigen das Vergnügen rasch wieder. Mit zwei verwandelten Freiwürfen besiegelte der Routinier aus der Bankenmetropole die äußerst knappe 68:69 (36:37)-Niederlage für die Gastgeber - und trieb Tapuscovic damit die Fassungslosigkeit ins Gesicht. Ungläubig sah er nach dem Schlusspfiff zu der Anzeigetafel und fasste sich verärgert an den Kopf. In der kochenenden Sporthalle Ost war vor 3744 Zuschauern für sein Team gegen den haushohen Favoriten mehr drin gewesen.

Denn die Gießener hatten die Gäste vom Main lange Zeit gut im Griff, führten sieben Minuten vor Schluss gar mit sechs Punkten (61:55) und hatten auch in der hektischen und engen Schlussphase die Möglichkeit, den sechsten Saisonsieg einzufahren. Am Ende fehlte dem Team von Trainer Vladimir Bogojevic aber einfach das berühmte Quäntchen Glück. Denn bei 8,6 Sekunden auf der Uhr und einem Punkt Rückstand, schaffte es Maurice Jeffers noch, sich einen Wurf zu kreieren. Doch sein Versuch ging ebenso daneben wie der Nachsetzer von Kevin Johnson. "Wenn man oben in der Tabelle steht, gewinnt man solche Spiele vielleicht einfacher. Bei uns war die Erfahrung und auch ein wenig Glück am Ende der Schlüssel zum Erfolg", sagte Gästetrainer Murat Didin, der die clevere Spielweise der Gießener lobte.

Denn die verstanden es, den Ausfall von Topscorer David Teague, der mit einer Knieverletzung in Zivil auf der Bank saß, klug zu kompensieren. Bogojevic wechselte bereits zu Beginn der Partie kräftig durch und ließ besonders auf der Flügelposition gut rotieren. Hatte in der ersten Hälfte noch Aufbauspieler Lorenzo Williams das Heft des Öfteren an sich gerissen und in den ersten zehn Minuten fleißig gepunktet, stand ihm später Tapuscovic tatkräftig zur Seite. Der 20-Jährige zeigte gegen Frankfurt seine beste Saisonleistung im Dress der 46ers und strahlte sowohl von jenseits der Dreierlinie als auch mit Ziehern zum Korb Gefährlichkeit aus. Bei einer geschlossenen Mannschaftsleistung überraschten die Gießener den Tabellenzweiten mit einem erfrischenden Auftritt und überzeugten dabei sowohl kämpferisch als auch spielerisch. "Wir haben es geschafft, wenig Fehler zu machen", sagte Bogojevic.

Mit zehn Punkten in den ersten zehn Minuten hatte Williams maßgeblich daran Anteil, dass die Gießener am Ende des Viertels mit 18:12 führten. Frankfurt hatte Probleme gegen die gutsortierte Defense der Gastgeber und bekleckerte sich bei der Wurfquote nicht gerade mit Ruhm. Allerdings ließen die Bogojevic-Schützlinge des Öfteren zu viele zweite und dritte Chancen zu, sodass Frankfurt dran bleiben konnte (22:28, 16.). Zehn Offensiv-Rebounds sicherten sich die Gäste in der ersten Hälfte. Mit zwei Dreiern in Folge ließ Jimmy McKinney gar die erste Führung der Didin-Schützlinge folgen (32:31, 19.). Nach der Halbzeitpause setzte sich das ansehnliche und spannende Spiel weiter fort, in dem es kein Team schaffte, sich vorzeitig abzusetzen. Das letzte Viertel hatte es dann in sich. Mit sieben Punkten in Folge demonstrierten die Gießener ihre Stärke, wurden dabei unermüdlich von einem tosenden Publikum nach vorne gepeitscht, und so stand es 61:55 (33.). Doch dann kam Hektik auf, Probleme beim eigenen Einwurf taten ihr Übriges. Zudem hatten die Frankfurter ihre Treffsicherheit aus der Distanz wiedergefunden. Zehn Punkte in Folge bedeuteten ein 65:61-Führung der Gastgeber.

Doch die 46ers steckten nicht auf und kämpften sich noch einmal heran, sicherten sich gar noch einmal die Führung, doch dann sollte Roller die Partie entscheiden - und somit Tapuscovic die Tränen in die Augen treiben. "In einem so engen Spiel kommt es oft auf den letzten Wurf an. Heute hat ihn Frankfurt getroffen. Der verpassten Chance jetzt hinterherzutrauern, bringt nichts. Nach zwei schwierigen Spielen haben wir wenigstens einen anständigen Fight abgeliefert", sagte Bogojevic. Nora Brökers

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