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250 emotionale Fans beobachten das Testspiel der Gießen 46ers gegen Heidelberg, bei dem Kyan Anderson den Ball dribbelt, rechts von ihm Johannes Lischka, hinten Florian Koch, Phil Heyden (22) attackiert ihn.

Emotionale Fan-Rückkehr

  • VonSebastian Kilsbach
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Das erste öffentliche Spiel nach 18 Monaten war für die Fans der Gießen 46ers ein emotionaler Höhenflug. Beim 64:84-Test über Heidelberg wurden die sportlichen Baustellen aber deutlich.

18 Monate, vier Tage und - mit etwas Wohlwollen - sechs Stunden nach dem letzten Punktspiel der Gießen 46ers vor vollen Rängen kehrte am Samstag bei der Basketball-Test-Partie gegen Heidelberg Teilnormalität zurück in die Sporthalle Ost. 250 Zuschauern war erstmals seit Ausbruch der Pandemie wieder Einlass gewährt worden. Die meisten davon trafen sich bereits lange vor Spielbeginn auf dem Vorplatz: ein in jeder Form emotionales Wiedersehen.

Über die Außeneingänge wurden die Fans schließlich auf die Haupttribüne gelotst. Einmal in der Halle angekommen, schien es, als müsste sich die seit eineinhalb Jahren aufgestaute Sangeslust Bahn brechen. »Es war so ein gutes Gefühl für die gesamte Mannschaft. Die Geräusche, die Stimmung, die Leidenschaft, das hat natürlich gefehlt«, zeigte sich 46ers.Trainer Pete Strobl nach dem Spiel dankbar. Er knüpfte daran aber zugleich die Hoffnung, diese Emotionen zeitnah durch adäquate Leistungen auf dem Parkett zurückzahlen zu können.

Dort nämlich zeigten die dezimierten 46ers noch Luft nach oben. Ohne die verletzten potenziellen Leistungsträger John Bryant, Brayon Blake und Kendale McCullum waren die Mittelhessen über weite Strecken chancenlos gegen den Bundesliga-Aufsteiger MLP Academics Heidelberg. Brekkott Chapman schweißte für den BBL-Neuling in der Anfangsphase drei Dreier durch die Reuse und etablierte so eine frühe 11:3-Führung. Diese schwoll bis zur achten Minute auf 25:11 an. Gießen glückten im ersten Abschnitt nur drei Treffer aus dem Spiel.

Kurz gesagt: Der Wille war genauso erkennbar wie die Limitationen an allen Ecken. Die Mannschaft müsse noch lernen, mit »Energie und Weisheit in ein BBL-Spiel zu gehen. Wir haben zwar viele verletzte Spieler, das weiß jeder. Aber die Jungs, die da sind, müssen schneller lernen«, brachte es Strobl auf den Punkt.

Vor allem am defensiven Ende drückte sich das Entwicklungspozential aus. Immer wieder waren die 46ers den entscheidenden Schritt zu spät. Gelungene Aktionen wurden bejubelt, an Spirit und Einsatzgeist mangelte es nicht. Gegen keineswegs überragende Heidelberger war dies am Samstag aber nicht genug. Immer wieder griffen die Mittelhessen zu Fouls, um die Gäste zu stoppen. Am Ende führte dies zu einer Bruttospielzeit von zwei Stunden.

Nur selten setzten die Gießener offensiv Akzente, etwa Rawle Alkins, der die Hinterreihen der Heidelberger düpierte und mit zweihändigem Dunk zum 18:34 traf. In die Kabine ging es mit einem 25:46-Rückstand. Danach experimentierten die Hausherren mit wechselden Verteidigungssytemen. Als Alkins kraftvoll trotz eines Fouls zum 46:64 ablegte, hagelte es gegenseitige Ermunterungsrufe vom gesamten Team.

»Der Spirit ist schon gut. Die Jungs sind bereit, zu arbeiten. Aber es fehlt an Erfahrung, und wir müssen es erzwingen, dass wir schneller Lernen«, so Strobl lange nach Spielende. Fast 20 Minuten hatten er und sein Trainerstab in der Kabine zum Gespräch gebeten.

Dem Schlussabschnitt gemein war ein hohes Maß an Intensität, gepaart mit einem kaum existenten Spielfluss. Beide Teams rotierten tief durch. Tim Uhlemann ließ einen Dreier durch die Reuse flutschen und stellte auf 60:79. Hoffnung machte der hohe Einsatz am offensiven Brett. Immer wieder erackerten sich die 46ers zweite und dritte Chancen, ließen diese aber meist ungenutzt.

Der Stimmung auf den Rängen tat das keinen Abbruch. Und auch nach dem Spiel war die Wiedersehensfeier längst nicht vorüber: Vor der Halle stießen die Fans gemeinsam an, suchten das Gespräch mit auf dem Heimweg befindlichen Spielern. Auch Geschäftsführer Sebastian Schmidt suche die so vermisste Nähe und gab zu seinem Einstand Getränke aus. Fans und Team werden ein Maß an Geduld aufbringen müssen. Dann aber kann sich der sportliche Erfolg einstellen. Saisonauftakt ist am 26. September beim Heimspiel gegen Bayreuth.

Gießen: Ziring, Omot (14), Nawrocki (3), Kraushaar (7), Anderson, Begue (2), Uhlemann (9), Binapfl (5), Lischka (4), Alkins (6), Koch (3), Fayne II (6).

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