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Emil Mellegard: »Ich war ganz ruhig«

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Von: Ralf Waldschmidt

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Die Goldmedaille baumelt bei der Rückkehr auf dem Stockholmer Flughafen um den Hals von Emil Mellegard. © pv

Emil Mellegard ist als Handball-Europameister zur HSG Wetzlar zurückgekehrt. Der schwedische Linksaußen hat sein erstes Karriereziel erreicht.

Handball-Bundesligist HSG Wetzlar hat sechs Jahre nach dem EM-Trio Andreas Wolff, Jannik Kohlbacher und Steffen Fäth wieder einen Europameister in seinen Reihen. Linksaußen Emil Mellegard hat mit Schweden vor zehn Tagen in Budapest mit 27:26 im Finale gegen Spanien triumphiert und steht bereits heute Abend (19.05 Uhr) wieder mit den Grün-Weißen gegen die SG Flensburg/Handewitt auf dem Bundesliga-Parkett.

Zehn Tage nach der Rückkehr. Haben Sie den EM-Titelgewinn bereits realisiert?

Ich glaube nicht. Das dauert noch ein wenig. Es ist ja der erste große Titel meiner Laufbahn. Es ist auf jeden Fall ein tolles Gefühl und eine Bestätigung dafür, was wir geleistet haben.

Was ging in Ihnen vor, als sie noch auf den EM-Zug aufspringen konnten?

Das war ja erst eine Woche vor Turnierbeginn. Nationalcoach Glenn Solberg hat mich angerufen und mich vom positiven Corona-Befund von Lucas Pellas informiert. Ich habe mich 40 Kilometer vom Trainingslager der Nationalmannschaft entfernt in Göteborg natürlich bereit gehalten, das war in diesen besonderen Zeiten so abgesprochen. Als die Situation dann tatsächlich so eingetreten ist, war ich kurze Zeit später dort.

Welche Gründe sehen Sie für den schwedischen EM-Triumph?

Wir waren einen ganzen Monat zusammen und hatten eine wirklich gute Vorbereitung in Schweden. Wir haben zwar ganz viele Stars im Team, aber keiner von uns hängt den Star raus. Bei aller individuellen Klasse haben wir uns immer gesagt, wir müssen als Team stark sein. Nur so geht es, wenn man große Titel gewinne will. Das war der Fall. Die Team-Mentalität, die positionelle Stärke und die individuellen Fähigkeiten, das ist alles zusammengekommen.

Gab es für Sie besondere persönliche, besondere sportliche Momente?

Der ganze Monat war ein besonderer Moment.

Wie ist man mit den ständig neuen Corona-Meldungen umgegangen?

Das hat man natürlich immer im Hinterkopf. Wir hatten auch einige Corona-Fälle, aber jeder Spieler, der nachnominiert wurde, hat sofort Anschluss gefunden und seine Leistung gebracht. Das war herausragend und zeigt die enorme Breite in unserem Kader.

In der Vorrunde mussten sie sich aber hart in das Turnier reinkämpfen.

Das stimmt. Dem leichten Auftaktsieg (30:18 gegen Bosnien/Herz., Anm. d. Red.) folgten die Niederlage gegen Spanien (28:32) und das Unentschieden gegen Tschechien (27:27). Fast hätten wir die Vorrunde nicht überstanden, sind nur wegen des besseren Torverhältnisses weitergekommen. Dann aber wurde es von Spiel zu Spiel besser.

Wann ist der Knoten geplatzt? Wer waren die stärksten Kontrahenten in der Zwischenrunde?

Als wir zum Hauptrunden-Abschluss gegen Norwegen gewonnen und uns für das Halbfinale qualifiziert haben (24:23, Anm. d. Red.), ist der Glaube an den EM-Erfolg gewachsen und hat uns neue, weitere Energie gegeben. Der Halbfinal-Sieg (34:33, Anm. d. Red.) gegen Frankreich hat dann die entscheidenden Kräfte freigesetzt, die uns im Endspiel zum Triumph getragen haben.

Was hat beim 27:26 im Finale gegen Spanien den Ausschlag gegeben?

Natürlich sind das auf diesem Niveau nur Nuancen, die über Sieg und Niederlage entscheiden. Aber - wie bereits erwähnt - im Endspiel haben wir als Team, als Mannschaft überragt. Natürlich hat Andreas Palicka im Tor super gehalten, natürlich hat sich Jim Gottfridsson zurecht zum MVP des Turniers aufgeschwungen. Aber: Das war keine Solo-Leistung. Darauf sind wir alle stolz. Einer war für den anderen da.

Sie haben nach der Rückkehr des genesenen Lucas Pellas von außen in der packenden Endphase gebangt wie die ganze schwedische Nation. Der finale Strafwurf von Niclas Ekberg beim 26:26 war echt nichts für schwache Nerven.

Ich war ganz ruhig an der Seite. Ich wusste, dass Niclas ein sicherer Schütze ist und 1000 Prozent überzeugt, dass er trifft.«

Mit dem EM-Triumph knüpft Schweden an die glorreichen Zeiten der Wislanders und Anderssons an. Beginnt nun eine neue Epoche?

Magnus Wislander war bei meinem letzten Verein vor dem Wechsel nach Wetzlar mein Trainer. Ich habe viel von ihm gelernt und habe großen Respekt vor den Leistungen dieser Generationen, die Schweden so lange stark gemacht haben. Ich denke, auch mit der aktuellen Generation können wir eine Ära prägen. Die Team-EM ist ein Anfang, Wir haben viele junge, hungrige, talentierte Handballer in Schweden. Wir sind jedenfalls auf einem guten Weg.

Ein Wort zum deutschen Team und zu ihren Wetzlarer Kollegen.

Mein Fokus lag ehrlicherweise voll und ganz auf unserem eigenen Team. Von den vielen Corona-Fällen im deutschen Team habe ich gehört, auch dass es mit Till Klimpke meinen Wetzlarer Teamkameraden getroffen hat. Das hat mir für ihn sehr leid getan.

Heute geht es in der Bundesliga gleich gegen die SG Flensburg/Handewitt und mit Hampus Wanne und Jim Gottfridsson zwei ihrer schwedischen Europameister. Eine besondere Partie?

Das ist wieder Alltag. Flensburg ist eine komplette Mannschaft mit herausragenden Individualisten, die auf jeder Position zwei absolute Klassespieler hat. Wir müssen zum einen unseren eigenen Matchplan durchziehen, zum anderen aber trotz seines Flows nicht nur auf Jim Gottfridsson oder die Flügelzange achten. Zu Hause sind wir für jeden Kontrahenten gefährlich. Ich freue mich auf die Partie und bin voller Optimismus.

Was trauen Sie der HSG Wetzlar noch zu in dieser Saison?

Wir wollen unsere Leistungen aus 2021 in der Rückrunde bestätigen, dürfen jetzt aber nicht starr auf den fünften Platz achten. Der Fokus muss losgelöst davon neu auf jedem einzelnen Spiel liegen.

Bei der HSG Wetzlar sind sie zum Leistungsträger geworden, der auch in der Abwehr besondere Aufgaben übertragen bekommt. Was erwarten Sie von ihrer weiteren Laufbahn?

Der Trainer gibt mir viel Vertrauen und überträgt mir auch in der Abwehr als aktiver Part Verantwortung. Diese möchte ich aber auch haben, um mich weiterzuentwickeln. Durch den Wechsel nach Wetzlar habe ich alle meine bislang gesetzten Ziele erreichen können - mit dem EM-Titel als vorläufige Krönung.

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Handball-Europameister im Trikot der HSG Wetzlar: Der Schwede Emil Mellegard. © Imago Sportfotodienst GmbH

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