Bei Elvir Ovcina zwickt die Wade

(gae) Es geht richtig zur Sache im Training der LTi Gießen 46ers! Ob Joe Werner gegen Jannik Freese, Viktor Jakovic gegen Lorenzo Williams oder Stevan Tapuskovic gegen Max Weber, keiner schenkt am Donnerstagvormittag dem anderen aber nur einen Millimeter an Raumgewinn in den Rivers Barracks. Trainer Vladimir Bogojevic und sein "Co" Gerald Wasshuber beobachten die Mann-gegen-Mann-Duelle mit Argusaugen und sind über die an den Tag gelegte Intensität erfreut. Die PS muss der weiter im Abstiegskampf verstrickte mittelhessische Basketball-Erstligist aber am Samstagabend in der EWE-Arena in Oldenburg auf den Boden bekommen, wenn der Deutsche Meister um 20 Uhr zum Tanz bittet.

Ob Gießens Center Elvir Ovcina an seiner alten Wirkungsstätte auflaufen wird (er stand von 2001 bis 2004 im Dienst des niedersächsichen BBL-Klubs), ist dagegen fraglich. Der 2,12-m-Mann hat bei der vergangenen erlittenen 80:102-Niederlage in Quakenbrück einen Schlag in die Wade erhalten, der ihn bislang außer Gefecht gesetzt hat. "Er hat muskuläre Probleme, es ist schmerzhaft", ist sich Bogojevic nicht sicher, ob der als "Retter" verpflichtete Bosnier am Samstag um 20 Uhr auflaufen wird. Physio Dirk Lösel müsse entscheiden, so "Vladi" weiter, der aber bei Ovcina "kein Risiko eingehen" wird. Einen längerfristigen Ausfall des mit Abstand effektivsten Spielers im Kader können sich die 46ers im Endspurt (noch sechs Begegnungen stehen an, und am Karsamstag die Heim-Partie gegen Tübingen) um den Klassenerhalt nicht leisten.

Der drohende Ausfall von Ovcina könnte die Chance von Jannik Freese sein, der zuletzt nur wenige Minuten Einsatzzeiten erhalten hat. Der "Mann mit der Maske", die er im Spiel wegen seines vor Kurzem erlittenen Jochbeinbruchs noch zum Schutz trägt, dürfte gute Erinnerung an die Hinspiel-Auseinandersetzung mit dem amtierenden Deutschen Meister haben. Damals, am 28.

November letzten Jahres, zeigte der 2,11-m-Hüne gegen den NBA-erfahrenen Ruben Boumtje-Boumtje eine bärenstarke Leistung und avancierte beim 78:73-Erfolg mit Tapuskovic sowie dem später nach Ulm gewechselten Austen Rowland zum Matchwinner. Bogojevic gab unmissverständlich zu verstehen, dass Freese sein erster Mann auf der Center-Startposition ist, falls Ovcina nicht mitwirken kann. Er bescheinigte ihm, obwohl er zuletzt eine harte Zeit - im Punktspiel überwiegend auf der Auswechselbank sitzend - durchzustehen hatte, im Training immer Gas gegeben zu haben und sich nicht hängen hat lassen.

Ansonsten fordert Gießens Headcoach im Vergleich zum Artland-Match "mehr Energie". Die habe in Quakenbrück gefehlt - und das habe ihn mächtig geärgert. Power werden die 46ers in Oldenburg auf jeden Fall benötigen, wenn sie bei den Baskets nicht untergehen wollen. Das Team von Predag Krunic ist zu Hause ein Macht, die Bilanz von 13:1-Siegen vorzeigbar. Überhaupt haben die Niedersachsen, die aufgrund der weniger absolvierten Spiele momentan "nur" den dritten Rang im BBL-Ranking einnehmen - wenn sie die beiden Nachholspiele in Hagen und in Göttingen gewinnen, sind sie Erster -, einen Lauf.

Ihre Serie ist schon fast ein wenig beängstigend. In den vergangenen zehn Partien gingen sie neumal als Sieger vom Feld, zuletzt siebenmal in Folge.

Dass die "Donnervögel" nach ihrem Ausscheiden in der Euroleague in der Bundesliga durchgestartet sind, ist eng mit der Rückkehr von Jason Gardner nach seiner Rückenverletzung verbunden. Seitdem der Spielmacher die Fäden wieder in den Händen hält, läuft es bei den Baskets, die am vergangenen Sonntag die nach dem Trainerwechsel von Yves Defraigne zu Aaron McCarthy nach einem Befreiungsschlag lechzenden Trierer in deren Halle beim 90:69 in alle Einzelteile zerlegten.

Bogojevic war Zeuge in der Moselstadt und sah eine souveräne Vorstellung des Meisters, der vor allem im dritten Viertel die Intensität erhöhte und aus einer druckvollen Verteidigung heraus über zahlreiche Fastbreaks zu leichten Punkten kam (26:13). Überwiegend agiert der Disziplinfanatiker Krunic in einer Neuner-Rotation.

Schlüsselspieler neben Gardner sind der Shootingguard Je’Kel Foster (14 Punkte im Schnitt), Smallforward Rickey Paulding (13), Powerforward Jasmin Perkovic (9,8) sowie der auf einer Stufe mit Center Boumtje-Boumtje stehende Marko Scekic, der 2,07 m große Forward Milan Majstorovic und der US-Amerikaner Joshua Carter.

"Die Zone müssen wir verteidigen", fordert Bogojevic keine einfachen Layups unter dem Korb. Dazu muss mit hoher Intensität verteidigt werden - so wie im Training am Donnerstag.

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