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Eiszeit in Bangkok: Warum ein Bad Nauheimer in Asien mit NHL-Stars spielt

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Ralf Dittmer aus Bad Nauheim (M.) steht in Bangkok mit dem schwedischen Nationalspieler Marcus Kürger (l.) und dem zweifachen Stanley-Cup-Sieger Johnny Oduya auf dem Eis. © Red

Bangkok, Thailand. Ralf Dittmer aus Bad Nauheim lebt seit 2006 in Südostasien. Der 57-Jährige steht unter anderem mit einem Stanley-Cup-Sieger von 2013 und 2015 sowie einem Spieler aus dem 2022-Olympia-Kader von Schweden auf dem Eis.

Urlaub, buddhistische Tempel, moderne Architektur und sicher auch Rotlicht - ja, Bangkok, die Hauptstadt Thailands, weckt viele Assoziationen. Aber Eishockey? Auf Platz 50 wird das Königreich im Ranking des Weltverbandes IIHF geführt, hinter Turkmenistan, Südafrika und den Vereinigten Arabischen Emiraten, immerhin noch vor Kuwait, Kirgisistan und Singapur. Rund 60 Aktive sind offiziell registriert, dazu 450 Jugendliche. Und Ralf Dittmer, in Lauterbach geboren, in Bad Nauheim aufgewachsen, bei den Roten Teufel und (für eine Saison) von der Düsseldorfer EG ausgebildert, ist mittendrin.

Einziger Deutscher bei Flying Farangs

Bei den Flying Farangs ist der Senior Manager IT & Data-Support aus der Wetterau der einzige Deutsche unter Teamkollegen meist nordamerikanischer und skandinavischer Herkunft. Sie alle sind von Kleinauf mit dem Eishockey-Virus infiziert, sie alle hat’s beruflich inzwischen in die 14-Millionen-Metropole verschlagen. Hier und da mischt auch mal ein Ex-Profi mit - wie beispielsweise Johnny Oduya oder dessen schwedischer Landsmann Marcus Krüger. Beide haben den Stanley-Cup gewonnen, für jeden Eishockey-Profi die wichtige Trophäe überhaupt.

Oduya hatte während des NHL-Lockdowns einen Freund in Bangkok besucht und das Leben dort schätzen gelernt. Der heute 40-Jährige engagiert sich in der Nachwuchsförderung, ist Schirmherr des größten Eishockey-Turniers im asiatischen Raum, das zuletzt 40 Mannschaften aus der gesamten Welt nach Thailand lockte, und er ist Mitglied der Flying Farangs. »Ein absolut cooler Typ ohne Starallüren«, sagt Dittmer. Einmal hatte Oduya (mehr als 950 NHL-Spiele) seinen Freund Marcus Krüger mitgebracht, der seine Laufbahn nach 650 NHL-Partien nun in Europa fortsetzt und im Aufgebot von Schweden bei den Olympischen Spielen in Peking zu finden war.

Zwischen Cafes und Marken-Boutiquen

In Thailand steckt der Sport (noch) in den Kinderschuhen. Klassische Eisstadien sind rar, gespielt wird zumeist auf Eisflächen in Einkaufszentrum, irgendwo zwischen zahllosen Marken-Stores und Cafes. Wer grade shoppen geht, wirft auch mal einen Blick auf das noch exotische Treiben auf dem Eis.

Ganzjährig zweimal wöchentlich steht Ralf »Didi« Dittmer mit seinen Freunden auf dem Eis. Rund 15 Euro zahlt jeder Spieler für eine Trainingseinheit, etwas mehr als 300 Euro für die Teilnahme an der Siam Hockey League (SHL), in der ohne Körperkontakt gespielt. Vier Mannschaften konkurrieren, wobei letztlich der Spaß im Vordergrund steht. Spielerpässe gibt es nicht, nach nordamerikanischem Vorbild werden die Kader »gedraftet«, um eine möglichst große Ausgeglichenheit zu schaffen. »Und wenn wir während der Saison sehen, dass das Leistungsgefälle zu groß ist, wird eben getauscht«, sagt Dittmer. Noch reiche es; um mithalten zu können, sagt er augenzwinkernd.

Im Trend

Eishockey liege in Thailand seit geraumer Zeit im Trend. Die Menschen wollen etwas Aufregendes erleben, »und mittlerweile werde ich auch nicht mehr komisch angeschaut, wenn ich mit meiner Eishockey-Tasche unterwegs bin«, sagt Dittmer.

Neben der SHL existiert auch die sogeannte Bangkok Ice Hockey League (BIHL), hier spielen in erster Linie Einhemische, ergänzend durch einige wenige Ausländer. Aus dieser Liga speist sich auch die Nationalmannschaft, die 2003 ihr erstes Länderspiel bestritten hatte. In den Rekordbüchern findet man unter anderem ein 1:52 gegen Kasachstan während der Asienspiele 2007. Bei Weltmeisterschaften spielt Thailand in der Division III, Gegner sind Südafrika, Hongkong sowie Bosnien und Herzegowina.

Den Kontakt in seine Heimat hat Dittmer nie verloren. Mit Stolz trägt er im Training das aktuelle Trikot des EC Bad Nauheim, das ihm sein Freund Marco Guhl über die halbe Erdkugel geschickt. Dittmer ist über Playoff-Hoffnungen, Derby-Siege und Verletztenmisere der Roten Teufel im Bilde und steht bei jedem Heimaturlaub mit der »Traditionsmannschaft« der Roten Teufel, wie sich das Team um Guhl, Michael Eckert, Dirk Schmalz und Murat Pak, selbst nennt, auf dem Eis. »Irgendwann«, so hofft er, »kommen die Jungs mal zu einem Spiel nach Thailand«.

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