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Fußball / Eintracht Frankfurt

Eintracht noch nicht bereit für Haaland

Henni Nachtsheim vom Comedy-Duo Badesalz hat sich wieder den Fragen von Ronny Th. Herteux über Fußball im Allgemeinen und die Frankfurter Eintracht im Speziellen geäußert. Bitte schön ...

Hallo Herr Nachtsheim, falls Sie sich mal schlapp, kaputt und ausgelaugt fühlen, machen Sie doch einfach Aktivurlaub in Florida. Sie kommen stärker denn je zurück. Wirklich.

Ich glaube, ich bin der Falsche für einen "Aktivurlaub". Es sei denn, es geht um aktives Abhängen, aktives Dösen und aktives Überlegen, was ich als Nächstes essen möchte.

Also, dass die Eintracht nach dem Absturz vor der Winterpause und dem Trainingslager in Florida mit Siegen bei der TSG Hoffenheim und gegen Spitzenreiter RB Leipzig startet, damit konnte nun wirklich niemand rechnen. Obwohl, Ihnen hätte ich einen solchen Optimismus schon zugetraut.

Wenn ich jetzt behaupte, dass ich vor den ersten beiden Spielen optimistisch gewesen sei, müsste ich lügen. Aber zumindest war ich sicher, dass die Eintracht das Zeug dazu hat, auch solche Mannschaften zu schlagen, vorausgesetzt, sie kann ihr Potenzial auch abrufen. Und diesbezüglich hat das Trainingslager offensichtlich etwas bewirkt. Das erinnert mich übrigens ein bisschen an meinen Großvater. Wenn der aus der Kur wiederkam, war er auch nicht wiederzuerkennen. Hat den Garten umgegraben, die Garage entrümpelt und ist freiwillig einkaufen gegangen. Allerdings dauerte das nur ein, zwei Tage, dann hing er wieder schlapp im Sessel. Von daher hoffe ich mal, dass es da doch gewisse Unterschiede zwischen Florida und Bad Orb gibt.

Zugegeben, besonders der Sieg gegen Leipzig ist bemerkenswert, weil nicht zu erwarten. Oder war einfach auch einmal das Glück auf der Seite der Frankfurter, zumindest während der ersten Hälfte?

Es war zumindest schon irre, wie unterschiedlich die beiden Hälften gelaufen sind. Ich habe nach dem Spiel mit Jürgen Grabowski gesprochen und ihn gefragt, wie er das Spiel empfunden hat. Er hat gesagt, dass das Schlimmste für eine haushoch überlegene Mannschaft der Halbzeitpfiff sei, weil man am Liebsten durchspielen möchte. Das dürfte für Leipzig auch zugetroffen haben!

Bemerkenswert auch, Julian Nagelsmann hat seine Spieler öffentlich kritisiert. Sie seien nicht bereit, das "Gipfelkreuz erreichen zu wollen". Sie würden "kurz darunter stehen bleiben, um die schöne Aussicht zu genießen". Ein gelungenes Bild, oder?

Ja, das hat er ziemlich klug dargestellt, und sehr geschickt jeden einzelnen Spieler in die Pflicht genommen. Ich fand es auch sehr schön, dass er dabei ausnahmsweise mal kein Kaugummi gekaut hat.

Kennen Sie Situationen aus Ihrem Leben, in denen Sie ebenfalls die schöne Aussicht genossen und den Gipfelsturm deshalb verpasst haben?

Ich habe mal mit meinen Mitspielern in der B-Jugend nach einem Tor so ausführlich gejubelt, dass der Schiri irgendwann die Schnauze voll hatte und wieder angepfiffen hat. Und während wir immer noch in einer Spielertraube aufeinanderhingen, hat der Gegner einfach um uns rum gespielt und dann ins leere Tor getroffen. Kurz drauf war Schluss und wir hatten verloren. Das liegt zwar lange zurück, aber hat seine Wirkung bis heute nicht verfehlt.

Zurück zur Bundesliga: Wochenlang wurde die Ausgeglichenheit im oberen Tabellendrittel begrüßt und darüber spekuliert, wer denn nun die Bayern als Meister ablösen werde. Aber klammheimlich haben sich die Münchner mit nur noch einem Punkt Rückstand wieder auf Rang zwei in Position gebracht. Same procedure as every Year?

Ich glaube, es wird etwas spannender als die Jahre zuvor. Ich glaube an einen Dreikampf mit Leipzig, Bayern und Dortmund. Der Fußball-Gott wäre ein echt lausiger Drehbuchschreiber, wenn er uns das verwehren würde.

Stärker hat die Dortmunder ganz offenbar die Verpflichtung von Erling Haaland gemacht, der 19-Jährige erzielte in zwei Spielen fünf Tore. Die 20 Millionen, die der BVB für den Norweger hingeblättert hat, hätten die die Frankfurter nicht auch übrig gehabt?

Doch, und ich bin sicher, dass wir den auch mit Kusshand genommen hätten. Aber so weit sind wir noch nicht, dass sich ein Spieler eher für die Eintracht als für Dortmund entscheidet. Was nicht heißt, dass das für immer so sein muss!

Der junge Stürmer wird nun in Windeseile überall in den Himmel gehoben, um ihn möglicherweise im Misserfolg ruckzuck in die Hölle zu schubsen. Ist das nicht wieder mal typisch für unsere Zeit?

Wenn "Hölle" bedeutet, dass man bei einem Jahresgehalt von mehreren Millionen öffentlich kritisiert wird, weil man nicht gut Fußball spielt, muss man sich in Zukunft gut überlegen, ob man wirklich in den Himmel kommen möchte!

Wo sehen Sie die Frankfurter am Ende der Saison? Himmel oder Hölle? Schaffen sie noch den Sprung nach Europa oder bleiben sie im breiten Mittelfeld hängen?

Ich sehe es relativ einfach: Ich glaube nicht, dass die Eintracht in ernsthaften Abstiegskampf gerät, und das ist für mich das Wichtigste! Ich traue ihr auch eine Serie zu, die sie weiter nach oben bringt, kann aber sehr gut damit leben, wenn sie die Europa League nicht erreicht. Wie hat meine Tante Lilli immer gesagt? "Wenn du zwei Sommer hintereinander auf den Malediven Urlaub gemacht hast, kann es auch mal wieder einen Sommer Zelten an der Lahn sein!"

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