Was hat da gefehlt? Maximilian Holst und die HSG Wetzlar brachten Titelanwärter SG Flensburg/Handewitt arg in Verlegenheit. FOTO: VOGLER
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Was hat da gefehlt? Maximilian Holst und die HSG Wetzlar brachten Titelanwärter SG Flensburg/Handewitt arg in Verlegenheit. FOTO: VOGLER

Handball

HSG muss noch an einigen Schrauben drehen

  • Ralf Waldschmidt
    vonRalf Waldschmidt
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Die Saison-Premiere ist zwar missglückt. Die HSG Wetzlar weiß nach dem 27:29 gegen Titelanwärter SG Flensburg/Handewitt aber, an welchen Schrauben es zu drehen gilt.

Für das sinnbildliche Händeschütteln der Anhänger, der Sky-Kommentatoren und der Flensburger Kontrahenten konnten sich die Bundesliga-Handballer der HSG Wetzlar nichts kaufen. In Punktspiel eins nach der Corona-Zwangspause, aber noch immer unter Corona-Bedingungen, hatte das Team von Trainer Kai Wandschneider 42 Minuten lang die Hände am Punktepaar, nach 60 Minuten und dem 27:29 (17:14) blieben diese aber dennoch leer.

"Man weiß nicht, wo man zum jetzigen Zeitpunkt steht, weil sieben Monate Vorbereitung ohne Pflichtspiele schon eine sehr lange Zeit sind", hatte Wetzlars Trainer Kai Wandschneider noch vor der Partie erklärt. Nach dem vielversprechenden Auftakt mit packendem Spielverlauf bis in die 26:26-Endphase (52.) hinein ist man der Klärung gegen einen Bundesliga-Rivalen, der sich seit 14 Tagen mit vier absolvierten Pflichtspielen immerhin schon wieder im Wettkampfmodus befand, zwar auch nicht viel näher gekommen, Erkenntnisse hat es aber durchaus gegeben. Auch wenn sie so neu sind.

Die 6:0-Abwehr hielt den Angriffen der Norddeutschen eine Dreiviertelstunde lang super stand, geriet mit dem 22:24 (45.) aber immer mehr unter Druck, da die Flensburger ihrerseits am eigenen Kreis die Wetzlarer zu einem höheren Aufwand zwangen. 45 Minuten lang hatten die Trefferwucht des elffachen Torschützen Stefan Cavor, die Torhüter-Qualität von Till Klimpke, die Siebenmeter- Sicherheit von Maximilian Holst, die Regieführung von Filip Mirkulovski, die multiplen Spielfähigkeiten von Olle Forsell Schefvert den Champions-League-Teilnehmer nicht nur in Schach gehalten, sondern über das 16:12 (25.) ernsthaft in Bedrängnis gebracht.

Und eigene Defizite übertüncht! Über 60 Minuten hinweg waren die Unzulänglichkeiten in der zweiten Welle, die Null-Effektivität vom Kreis, die weitgehend fehlende Torgefahr von den Außen im Positionsangriff sowie die verständlicherweise noch unvollendete Integration der Neuzugänge in der Summe zu viel, um bei all den positiven HSG-Aspekten der Partie dem Titelmitfavoriten ein erstes Bein zu stellen.

Gegen das Rückraum-Trio Möller/Gottfridsson/Rõd bedarf es am Ende doch noch etwas mehr. Und wenn dann Linksaußen Holst 90 Sekunden vor Schluss gegen SG-Torhüter Buric aus spitzem Winkel den 28:28-Ausgleich verpasst, sind die Flensburger abgebrüht genug, mit dem 29:27 den Deckel drauf zu setzen.

"In der zweiten Hälfte konnten wir schließlich doch zeigen, dass wir die bessere Mannschaft sind", freute sich der Ex-Wetzlarer Keeper über den Auswärtssieg seiner Flensburger trotz einiger Personalsorgen.

Auf die Basisdaten der Vorsaison kann sich Trainer Wandschneider schon wieder verlassen. Aktuell aber abzüglich des verletzungsbedingten Ausfalls von Rechtsaußen Kristian Björnsen sowie der erkennbaren, folgenschweren Offensiv-Formschwäche von Anton Lindskog am Kreis.

Früher oder später wird der HSG-Coach nicht umhin kommen, seine Stammkräfte durch die Neuverpflichteten zu entlasten und dadurch dauerhaft etwas die Statik im Spiel zu verändern. Gegen Flensburg waren nur Philip Henningsson ein Aushilfsfaktor sowie Ivan Srsen und Patrick Gempp Premieren-Kurzarbeiter. Emil Mellegard und Magnus Fredriksen blieben ganz außen vor. Dass dann am Ende gegen ein Topteam wie Flensburg ein, zwei Körner fehlen, ist wenig überraschend.

Am Mittwoch in Minden (19 Uhr) darf dies nicht auch wieder der Fall sein.

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