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Einer von zwei Höhepunkten

  • Ronny Herteux
    VonRonny Herteux
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In Gießen geht es am Sonntag rund um das Stadttheater hoch her. Beim traditionellen Radrennen wird auch die Kriteriums-DM entschieden. Mit dabei Niclas Zimmer von der gastgebenden RSG Gießen und Wieseck.

Niclas Zimmer (Bild, im blauen Trikot) kommt in dieser Saison in den Genuss von gleich zwei »Heimspielen«. Traditionell startet der Mountainbike-Experte beim »Dünsberg-Marathon«, der in diesem Jahr am 26. September stattfindet, allerdings wird der THM-Student der Fachrichtung Social Media Systems bereits an diesem Sonntag den 800 m langen Kurs »Rund um das Stadttheater« mit dem Rennrad unter die Räder nehmen. Denn der 22-jährige Biebertaler vom Bundesliga-Team Erdinger Alkoholfrei hat sich für das Finale um die Kriteriums-DM in Gießen qualifiziert und startet dort als Elite-Amateur.

Sie als ausgewiesener Mountainbiker, was sind die grundlegenden Unterschiede zwischen einem MTB- und einem Straßenrennen?

Zunächst natürlich erst einmal das Fahrrad, was eine viel aerodynamischere Sitzposition auf dem Rennrad mit sich bringt, da man in einem Rennradrennen viel höhere Geschwindigkeiten als bei einem Mountainbike-Rennen fährt. Bei Cross-Country-Rennen mit dem MTB fährt man einen Schnitt von maximal 20 km/h, da es viel technischer und bergiger ist. Kriterien sind meist komplett flach und in Gießen erwarte ich einen Schnitt von ca. 47 km/h. In der Distanz ist es aber kein großer Unterschied, beide Rennformate (Kriterien und Cross-Country) sind circa 1:30 Stunden lang, weshalb sich das für mich auch gut vereinbaren lässt.

Der Laie würde jetzt denken, MTB-Rennen über Stock und Stein sind gefährlicher als jene auf Asphalt. Allerdings zieht sich das Teilnehmerfeld hier schneller auseinander. Wie ist Ihre Einschätzung?

Das stimmt, bei Mountainbike-Rennen zieht sich das Fahrerfeld meist direkt nach dem Start auseinander, wodurch man bei Stürzen fast immer selbstverschuldet ist. Wie eben schon erwähnt, fährt man mit dem MTB nicht so hohe Geschwindigkeiten wie mit dem Rennrad, aber die Strecken sind viel technischer, wodurch man bei Stürzen meistens nur kleine Abschürfungen bekommt, aber das Risiko auf Brüche oder ähnliches höher ist, was ich zuletzt leider im Mai selbst mit einem Bänderriss erfahren musste. Bei Rennradrennen ist man oft gar nicht selbst für einen Sturz verantwortlich, da man in großen Feldern mit hohen Geschwindigkeiten unterwegs ist - und wenn da jemand drei Reihen vor einem stürzt, kann man manchmal nicht mehr so schnell reagieren und liegt schon mit auf dem Boden. Dafür trägt man dann fast immer »nur« Schürfwunden durch den Asphalt davon.

Haben Sie in den letzten Wochen das Training in Richtung »Rund um das Stadttheater« umgestellt?

Nein, das Training habe ich für Gießen nicht extra umgestellt. Leider konnte ich sogar in den letzten Wochen nur meine Grundlagenausdauer trainieren, da ich seit circa vier Wochen Probleme mit meinem Knie habe und dadurch das harte Intervalltraining ausgelassen habe, damit es sich nicht noch verschlimmert. Jetzt geht es aber wieder besser und ich konnte unter der Woche noch ein paar Sprintintervalle in mein Training einbauen.

Der Oval-Kurs ist mit 800 Metern kurz und fast schon bahnartig. Was zählt hier mehr: Taktik, Ausdauer, Schnellkraft?

Eine Kombination aus allem würde ich sagen. Erst einmal braucht man die Ausdauer, um über die 80 km bestehen zu können. Dann braucht man Schnellkraft, um bei den Wertungssprints, die alle fünf Runden erfolgen, mitgehen zu können. Außerdem wird es zwischen den Sprints auch noch viele Attacken geben, um das Feld zu minimieren oder kleine Spitzengruppen zu schaffen. Aber die Taktik darf man auf keinen Fall außer acht lassen, denn es gibt viele taktische Möglichkeiten in einem Kriterium. Es kann sich zum Beispiel eine kleinere Spitzengruppe bilden, wo wir als Team hinterherfahren müssen, wenn sich kein Fahrer von uns in der Gruppe befindet. Oder wenn das Feld geschlossen bleibt, muss das Team seinen Sprinter für die Wertungssprints so weit wie nur irgend möglich vorne platzieren.

Bei dieser Kriteriums-DM zählen Sie gewiss nicht zu den Favoriten, mit welcher Erwartung werden Sie am Start stehen?

Zu den Favoriten gehöre ich nicht, das stimmt, aber mein Teamkollege Joshua Asel. Das hat er in den ersten zwei Qualifikationsrennen in Chemnitz und Eschborn unter Beweis gestellt, wo er die Plätze drei (Eschborn) und vier (Chemnitz) belegte. Daher ist das Ziel des Teams, mit Joshua Asel eine Medaille zu holen, wobei ich ihn im Rennen unterstützen werde.

Der nächste heimische Höhepunkt findet bereits im September mit dem »Dünsberg-Mountainbike-Marathon« statt - auch für Sie ein besonderes Rennen?

Der Dünsberg-Marathon ist immer ein besonderes Rennen für mich. Dadurch, dass es ein heimisches Rennen ist, kennt man natürlich einige Leute, die selbst am Rennen teilnehmen oder am Renntag an der Strecke stehen. Außerdem ist es immer eine coole Sache, wenn man auf den Strecken, wo man fast täglich trainiert, ein Rennen fährt.

Über die 55-km-Distanz waren Sie im Vorjahr Gesamtzweiter, ist das noch zu toppen?

Na klar, mein Ziel ist es, den Gesamtsieg über die 55-km- Strecke zu holen, wie ich es auch schon 2019 geschafft habe. FOTO: BF

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