Einer dieser wunderbaren Abende

Stevan Tapuskovic wirkte etwas unbeholfen. Als sich seine Kollegen nach und nach auf den Boden setzten und ein 46ers-Anhänger unter dem Korb die Menge anbrüllte, ihm ein "H" zu geben, blickte der Serbe etwas irritiert zu seinem Mitspieler Jannik Freese, ehe er schließlich auch auf dem Parkett Platz nahm. Und als der Vorsänger ein "U", ein "M", ein "B" und ein "A" erhalten hatte und als alle aufsprangen und ausgelassen umherhopsten, fand auch Tapuskovic richtig Spaß an dem "Humba Täterä". Im Sport uraufgeführt haben’s angeblich die Mainzer Fußball-Fans. In den großen Stadien der Republik wird der Karnevals-Hit mit dieser Choreographie inzwischen nach außergewöhnlichen Auftritten und großen Siegen immer mal wieder zelebriert. Da war es nur richtig, dass auch die Fans der LTi Gießen 46ers am Samstagabend mit dem "Humba Täterä" gemeinsam mit ihrem Team feierten. Denn es war ein großer Sieg, das 78:73 (33:39) gegen den amtierenden Deutschen Basketball-Meister EWE Baskets Oldenburg.

Stevan Tapuskovic wirkte etwas unbeholfen. Als sich seine Kollegen nach und nach auf den Boden setzten und ein 46ers-Anhänger unter dem Korb die Menge anbrüllte, ihm ein "H" zu geben, blickte der Serbe etwas irritiert zu seinem Mitspieler Jannik Freese, ehe er schließlich auch auf dem Parkett Platz nahm. Und als der Vorsänger ein "U", ein "M", ein "B" und ein "A" erhalten hatte und als alle aufsprangen und ausgelassen umherhopsten, fand auch Tapuskovic richtig Spaß an dem "Humba Täterä". Im Sport uraufgeführt haben’s angeblich die Mainzer Fußball-Fans. In den großen Stadien der Republik wird der Karnevals-Hit mit dieser Choreographie inzwischen nach außergewöhnlichen Auftritten und großen Siegen immer mal wieder zelebriert. Da war es nur richtig, dass auch die Fans der LTi Gießen 46ers am Samstagabend mit dem "Humba Täterä" gemeinsam mit ihrem Team feierten. Denn es war ein großer Sieg, das 78:73 (33:39) gegen den amtierenden Deutschen Basketball-Meister EWE Baskets Oldenburg.

Nach einem sensationellen letzten Viertel, das mit 26:14 an die Gießener ging, zwangen die 46ers nur eine Woche nach dem Sturz des Bundesliga-Tabellenführers Artland Dragons das nächste Top-Team nach einer beeindruckenden Vorstellung in die Knie.

Sehr zur Freude der 3310 Zuschauer (mit Ausnahme der 30 Oldenburger Fans), die ab Mitte der zweiten Hälfte mit ebenso viel Enthusiasmus anfeuerten wie die Mannschaft auf dem Feld rackerte. Gegen eine Oldenburger Mannschaft, der nach dem Europapokalspiel am Mittwoch in Athen gegen Ende zusehends die Kräfte ausgingen, überzeugten die 46ers aber nicht nur mit Einsatz und Leidenschaft, sondern im letzten Abschnitt auch spielerisch. Ja, es war wieder einer dieser wunderbaren Basketball-Abende in der Osthalle, an dem sich fremde Menschen in den Armen lagen und von dem man sich noch länger erzählen wird.

Und man wird dann auch von Tapuskovic sprechen. Dass der Serbe nach dem Spiel nicht Platz nehmen wollte, war nur zu verständlich. In den letzten Wochen saß er öfter als ihm lieb war auf der Bank - in der letzten Partie gegen die Artland Dragons gehörte er nicht einmal zum Kader. Am Samstag war es Tapuskovic, der die Mannschaft zum Sieg führte. Der Flügelspieler bekam mehr Einsatzzeit, weil in Maurice Jeffers (Grippe) der Starter auf der Position drei ausgefallen war. Und Tapuskovic nutzte seine Chance. Als die Partie in den letzten Minuten auf der Kippe stand, übernahm er die Verantwortung. Mal traf er von außen, mal zog er zum Korb oder war nervenstark von der Freiwurflinie - neun seiner 13 Punkte erzielte der 20-Jährige in den letzten fünf Minuten. Neben Tapuskovic waren es zwei weitere Rollenspieler, die sich diesmal das Prädikat "wertvoll" verdienten: Pointguard Austen Rowland und Center Jannik Freese.

"Ich freue mich riesig über den Sieg, weil das zum wiederholten Male - auch wenn es sich langweilig anhören mag - eine mannschaftlich geschlossene Leistung war", sagte 46ers-Trainer Vladi Bogojevic, der seinem Team aber ein Riesenkompliment machte: "Das war unsere beste Mannschaftsleistung." Bewiesen haben die 46ers mit diesem Erfolg auch, dass sie kompensieren können, wenn David Teague einen schwächeren Tag erwischt. Der Kapitän, der bislang in allen Begegnungen Topscorer war, traf diesmal nur vier seiner 18 Schüsse und blieb mit neun Zählern unter seinen Möglichkeiten. Und weil in Jeffers und Spielmacher Lorenzo Williams, dessen Sprunggelenksverletzung sich wieder bemerkbar machte und der deshalb in der zweiten Hälfte nach Aussage von Bogojevic geschont wurde, zwei weitere zuverlässige Schützen von außen fehlten, machten die 46ers aus der Not eine Tugend und brachten den Ball unter den Korb - mit Erfolg: Es war das erste Spiel in dieser Saison, das die Gießener am Brett entschieden.

In der ersten Halbzeit hatten es die Mittelhessen gegen die starke Verteidigung der Oldenburger aus der Distanz versucht, doch im hektischen ersten Abschnitt fielen die Schüsse nicht. Oft fehlte die Struktur im Spiel der 46ers, die sich gegen die knüppelharte Baskets-Verteidigung viele Ballverluste leisteten und in einigen Szenen die Cleverness vermissen ließen. So hieß es nach dem 15:18 (10.) zur Pause 33:39. Die Oldenburger überzeugten bis dahin in der Verteidigung, im Angriff lebten sie aber vor allem von der individuellen Klasse eines Rickey Paulding, Bryan Bailey oder Je’Kel Foster. Als zu Beginn der zweiten Hälfte Oldenburg auf 50:40 davonzog, schien es so, als würde den 46ers die Partie aus den Händen gleiten. Doch Johannes Lischka hielt die Gießener im Spiel, zog immer wieder kompromisslos zum Korb und sorgte zusammen mit einigen umstrittenen Schiedsrichter-Entscheidungen dafür, dass erstmals richtig Leben in die Osthalle kam.

Dennoch ging der Meister mit einer 59:52-Führung in das letzte Viertel - und das hatte es sich: An Gießens Zonenverteidigung bissen sich die Gäste nun die Zähne aus, und im Angriff fingen die 46ers plötzlich an zu zaubern. Erst verkürzte Freese nach Rowlands Zuckerpass auf 58:59, wenig später klaute Freese seinem Gegenspieler die Kugel und schickte Kevin Johnson auf die Reise. Dessen hinter dem Rücken gespielter Pass hämmerte Lischka beidhändig zur 60:59-Führung durch die Reuse. Die Zuschauer sprangen jubelnd auf - und blieben bis zum Ende stehen. Freese legte zum 62:59 nach, und Tapuskovic setzte mit einem Dreier zum 65:59 (35.) das i-Tüpfelchen auf einen 13:0-Lauf der Gießener. Allerdings blieben die Oldenburger durch wilde Dreier im Spiel (66:68, 69:70). Doch Teague nach Tapuskovic-Assist zum 72:69 und Lischka zum 74:69 sorgten 50 Sekunden vor Schluss für einen neuerlichen Fünf-Punkte-Vorsprung, den Tapuskovic mit den letzten vier 46ers-Zählern unter den "Hier regiert der MTV!"-Gesängen zum 78:73-Sieg ins Ziel brachte. Der Rest war grenzenloser Jubel nach einem dieser wunderbaren Basketball-Abende. Markus Konle

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