Tennisbälle auf dem Sandplatz - das ist derzeit nur in Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern erlaubt - Gießens Tennisspieler sprechen sich für eine Öffnung aus, sind beim Thema Medenrunde aber zwiegespalten. FOTO: FRIEDRICH
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Tennisbälle auf dem Sandplatz - das ist derzeit nur in Brandenburg, Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern erlaubt - Gießens Tennisspieler sprechen sich für eine Öffnung aus, sind beim Thema Medenrunde aber zwiegespalten. FOTO: FRIEDRICH

Tennis

Eine Sportart wirbt um Sonderstellung

  • Sven Nordmann
    vonSven Nordmann
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Ja, Tennis kommt an der frischen Luft ohne Körperkontakt aus. Nein, ohne Geselligkeit und mögliche Doppelpartien soll ein Wettkampfbetrieb nicht stattfinden.

Am Tag der Ministerpräsidentenkonferenz haben wir unter heimischen Tennisakteuren Für- und Wider-Argumente zur Durchführung der Medenrunde gesammelt:

Der Sport", sagt der ehemalige Busecker ATP-Spieler Steven Moneke, "stand bei der Politik bisher nicht auf der Agenda." Das soll sich heute auf der nächsten Sitzung der Länderchefs ändern. Auch im Tennis hofft man auf eine Entscheidung der hessischen Landesregierung - können die Tennisplätze wie seit diesem Montag in drei Bundesländern ab dem 4. Mai auch in Hessen öffnen und die Medenrunde ab dem 15. Juni beginnen?

Wir haben unter heimischen Akteuren Pro- und Contra-Argumente für eine Tennissaison unter besonderen Umständen gesammelt. "Jeder", stellt die 21-jährige Alena Sättler vom TC RW Gießen stellvertretend für viele klar, "wird es verkraften, wenn die Medenrunde ein Jahr aussetzt. Aber es wäre sehr, sehr schade."

63 Prozent der vom Hessischen Tennisverband befragten 2770 Mannschaftsführer/innen sprachen sich für eine Medenrunde, aber ohne Absteiger, aus - das gab der Verband in einem Informationsschreiben am Dienstagmittag bekannt.

Coronabedingte ungewöhnliche Situationen und Fragestellungen würden sich kaum vermeiden lassen: Würden im Wettkampf nur Einzel- und keine Doppelpartien zugelassen? "Wie regelst du es, wenn an einem Sonntag auf einer großen Tennisanlage 40, 50 Personen von verschiedenen Teams aufeinandertreffen, sich umziehen wollen?", fragt Robert Komp vom TV Lollar.

Pro Medenrunde

Abstand:"Tennis ist eine Freiluftsportart ohne Körperkontakt - beim Einzel kannst du dir wunderbar aus dem Weg gehen", sagt der 33-jährige Steven Moneke. "Beim Seitenwechsel geht der eine links, der andere rechts um das Netz herum."

Der Deutsche Tennisbund schreibt in seinem Brief an das Bundeskanzleramt zudem, dass "eine Kontaminierung durch das Spielgerät nicht möglich" sei. Im Abstandsargument sind sich alle Akteure einig: Tennis sollte unter kontrollierten Bedingungen wieder erlaubt sein. Robert Komp, 33 und Lehrer an der Stadtschule in Butzbach: "Ich bin mit meiner Abschlussklasse mit 15 anderen Personen in einem Raum, darf aber nicht zu zweit mit 20 Metern Abstand auf den Tennisplatz. Das Verhältnis passt nicht."

Zeitliche Flexibilität:Die Medenrunde, die am 8. Juni beginnen soll, würde für die meisten Teams maximal acht, oft sogar weniger Begegnungen bedeuten. "Die könnte man auch in den Sommerferien austragen", schlägt der Vereinstrainer des TC RW Lich, Peter Ruppert, vor. "Wer fährt denn in diesem Sommer in den Urlaub?" Die Medenrunde könnte bis Oktober ausgedehnt werden, meint Moneke.

Psychologischer Aspekt:Mit der Wiedereröffnung der Tennisplätze und einem Ermöglichen von Wettkämpfen wird ein Angebot geschaffen, "das die Menschen zum Sport animiert - das ist gesund und trägt zum besseren Wohlbefinden bei, ist also eine sinnvolle Beschäftigung", sagt Komp. Der Spaßfaktor am Tennis und der Teamgeist im Wettkampf seien wichtige Parameter, meint Alena Sättler, Mannschaftsführerin der Verbandsliga-Damen: "Die Medenrunde ist zum Sammeln von LK-Punkten für viele enorm wichtig." Bei einer Absage müssten die Leistungsklassen für das Jahr 2020 ihrer Meinung nach eingefroren werden.

Contra Medenrunde

Vereinsleben ja, Wettkampf nein:Freundschaftsduelle seien etwas anderes als Wettkämpfe um Punkte, sagt Peter Ruppert: "Im Wettkampf kann auch der Erwachsene im Ehrgeiz schnell die Besonnenheit verlieren. Dabei denke ich auch an die Doppel, wo der Abstand nicht eingehalten werden kann. Vor allem Jugendlichen ist das schwer zu vermitteln. Es wäre einfacher, in diesem Jahr nur das Vereinsleben zu ermöglichen und so einen nachvollziehbaren kleinen Schritt zurück in die Normalität zu gehen", meint der 57-Jährige. Stephan Thylmann, 65 und Vereinstrainer beim TC Wettenberg, stützt die These: "Im Verein kennt man sich und kann die Einhaltung der Regeln untereinander besser kontrollieren. Da ist gesellige Entfernung möglich."

Kaum Geselligkeit:Eine Medenrunde in Corona-Zeiten sähe anders aus: Kein Handshake, kein Duschen, kein gemeinsames Essen danach, erhöhte Vorsicht abseits des Spielfeldes. Stephan Thylmann spricht vor allem vielen Hobbysportlern aus der Seele, wenn er sagt: "Das widerspricht dem sportlichen Gedanken des Tennis, bei dem man sich in der Medenrunde freundschaftlich begegnet und Zeit zusammen verbringt. Ich stelle mir vor, es kommt eine Mannschaft aus Bensheim, einer hustet falsch - und es kommt zu ungewollt komischen Situationen. Man sollte die Medenrunde in diesem Jahr einfrieren."

Notwendigkeit:Vor allem ambitionierte Hessen-, Verbands- oder Gruppenligisten haben Kraft, Zeit und Geld in die Kaderplanung gesteckt - Peter Ruppert aber meint: "Auch wenn die Medenrunde ein Fixpunkt im Tennisjahr ist, wiegt es das Restrisiko nicht auf. Ein Todesfall im Verein würde alles in einem anderen Licht darstehen lassen. Ja, ohne die Medenrunde fehlt etwas - aber in diesem Jahr wird sowieso viel fehlen."

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