Trainer-Rückkehrer Martin Schwalb und den Rhein-Neckar Löwen ist im Bundesliga-Titelkampf einiges zuzutrauen. FOTO: IMAGO
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Trainer-Rückkehrer Martin Schwalb und den Rhein-Neckar Löwen ist im Bundesliga-Titelkampf einiges zuzutrauen. FOTO: IMAGO

Eine harte Saison

  • Ralf Waldschmidt
    vonRalf Waldschmidt
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(dpa/ra). Eine Sache scheint so gut wie sicher: Auf dem Weg zur nächsten Handball-Meisterschaft führt kein Weg am THW Kiel vorbei. Richtig. Aber 2020/21 nicht der einzige. Die Rhein-Neckar Löwen, die SG Flensburg/Handewitt, MT Melsungen und die Füchse Berlin werden den Norddeutschen das Leben richtig schwer machen.

Ob die am Donnerstag beginnende Spielzeit überhaupt zu Ende gebracht werden kann, weiß aktuell niemand. Wie viele der wirtschaftlich ohnehin kriselnden Clubs einen erneuten Saisonabbruch überhaupt überleben würden, ist ebenfalls unklar. Er hätte jedenfalls drastische Folgen.

"Ein weiterer Lockdown wäre kaum noch zu verkraften", sagt etwa Bob Hanning, der Geschäftsführer der Füchse Berlin. Marc-Henrik Schmedt, der Manager des SC Magdeburg, rechnet damit, dass die Liga und damit auch die Vereine einen zweiten Abbruch "nicht überstehen" würden. Die HBL steht nicht nur aus diesem Grund vor der außergewöhnlichsten und schwierigsten Spielzeit ihrer Geschichte. Es gibt etliche Fragezeichen, die den Neustart am Donnerstag und die Monate danach begleiten. Es gibt aber auch Hoffnungsschimmer, die den Clubs und ihren Verantwortlichen zumindest etwas Mut machen.

Dass wieder vor ein paar Zuschauern gespielt werden kann, begrüßen die meisten Clubs. Die bis Ende Oktober geltende 20-Prozent-Regelung wird aber nur als erster Schritt angesehen. Für die Zukunft wünsche sich die gesamte Branche "natürlich mehr Zuschauer", sagt HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann. Kiels Aufsichtsratschef Marc Weinstock wird deutlich: "20 Prozent Zuschauer helfen uns nicht wirklich weiter."

Die Rhein-Neckar Löwen dagegen werden ohne Zuschauer starten, weil bei ihnen die Zeit nicht ausreichte, um das Hygienekonzept an die 20-Prozent-Regelung anzupassen. Nicht nur bei den Mannheimern wurde und wird gerechnet, wie sich mit den wenigen Zuschauern zumindest etwas Geld verdienen lässt. Es rechnet jedoch kaum einer der Clubbosse damit, dass das in dieser Saison noch gelingen wird. Man müsse sich nun langsam herantasten, meint Füchse-Manager Hanning.

Durch die Aufstockung der Liga von 18 auf 20 Teams wird es noch mehr Partien als sonst geben, hinzu kommen der ebenfalls eng getaktete Länderspielkalender sowie für die Spitzenclubs die Spiele im Europapokal. Bundestrainer Alfred Gislason spricht deshalb von einer "ganz besonderen Saison durch die Wettkampfdichte".

Obwohl sein Ex-Club THW Kiel zu den Vereinen zählt, die in dieser ungewöhnlichen Spielzeit am meisten gefordert sein werden, gilt der Rekordchampion natürlich als Favorit auf den Titel. Aber nicht uneingeschränkt, denn trotz der Verpflichtung des norwegischen Weltklasseprofis Sander Sagosen ist der Titelverteidiger nicht unanstastbar, da z.B. der Kader klein ist und die Rückraum-Linken Lukas Nilsson (zu den Rhein Neckar Löwen) und Nikola Bylik (verletzt) zwei wurfsstarke Korsettstangen nicht ersetzt worden sind.

So gibt sich auch die SG Flensburg/Handewitt kämpferisch: "Wir und auch andere Mannschaften möchten sicherlich ein gehöriges Wörtchen um die Meisterschaft mitreden", sagt Geschäftsführer Dierk Schmäschke. Ob das gelingen wird, ist offen - wie so viele andere Dinge in dieser außergewöhnlichen Saison, in der bei vier Absteigern auch der Existenzkampf ein anderer sein wird.

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