Trotz Corona hat Tobias Reichmann die WM und Olympia im Blick. FOTO: DPA
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Trotz Corona hat Tobias Reichmann die WM und Olympia im Blick. FOTO: DPA

"Eine 100-prozentige Sicherheit gibt es nicht"

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(bm). Mit dem Verzicht von Kiels Kreisläufer Patrick Wiencek auf die Handball-WM im Januar in Ägypten fehlt der deutschen Nationalmannschaft eine wichtige Stütze. Wir haben mit dem Ex-Wetzlarer Rechtsaußen Tobias Reichmann (MT Melsungen) gesprochen.

Herr Reichmann, wie sehr bedauern Sie die Entscheidung Wienceks?

Natürlich bin ich ein bisschen enttäuscht. Vor allem, weil uns "Bambam" sportlich und menschlich sehr fehlen wird. Aber ich kann seine Entscheidung auch nachvollziehen.

Haben Sie mit Wiencek darüber geredet?

Ja, ich habe gemerkt, dass er absolut klar im Kopf ist und sich viele Gedanken gemacht hat. Die Gedankengänge hatte ich allerdings auch.

Das heißt?

Ich fühle mich recht sicher - wir werden ja ständig getestet. Aber ich habe auch eine Frau und zwei Kinder zu Hause. Und wenn etwas coronabedingt passieren würde, dann müsste das gleich die ganze Familie ausbaden. Deshalb: Wenn meine Frau und meine Kinder gesagt hätten, dass ich nicht zur Weltmeisterschaft fahren solle, dann hätte ich das so akzeptiert.

Wie groß sind Ihre Bedenken?

Der letzte Lehrgang hat gezeigt, dass es im Nachhinein vielleicht besser gewesen wäre, noch ein paar Tage zu warten, bis wir wieder mit unseren Vereinskollegen zusammenkommen. Wir hatten nun inzwischen zu dem Thema eine Konferenz mit dem DHB. Eine 100-prozentige Sicherheit kann es natürlich nicht geben. Aber es wird wirklich alles dafür getan, die Risiken zu minimieren. Die Pandemie wird uns noch einige Zeit beschäftigen. Ich möchte dennoch zu einem einigermaßen normalen Leben zurück. Und die WM ist wichtig für unseren Sport.

Haben Sie die Olympischen Spiele schon im Hinterkopf?

Wenn ich jetzt abgesagt hätte, hätte das keine Auswirkungen auf einen möglichen Tokio-Start gehabt. Die Verantwortlichen des Deutschen Handballbundes haben uns klar gemacht, dass sie die Entscheidung der Spieler respektieren werden. Wenn also einer sich nicht in der Lage sieht, dann hat das kein Nachspiel für die weitere Karriere im Nationalteam. Es ist aktuell nun einmal eine ganz besondere Situation.

Sie waren vor der WM 2019 in Deutschland kurzfristig vom Ex-Bundestrainer Christian Prokop aus dem Kader gestrichen worden. Inwieweit ist Ihnen eine Teilnahme bei der anstehenden WM besonders wichtig?

Eine WM-Medaille fehlt uns noch. Das Turnier ist auf jeden Fall sportlich für uns sehr bedeutend. Wir wollen uns weiter einspielen - und wir haben die Chance zu beweisen, dass wir unter unserem neuen Coach Alfred Gislason Fortschritte machen. Zudem können wir ein starkes Zeichen setzten, indem wir zeigen, dass wir zu den Top-Nationen gehören.

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