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Das Olympiastadion in Berlin ist wohl für die meisten Nachwuchsfußballer ein Sehnsuchtsort - so auch für die Romanfigur Robin aus dem Erstlingswerkes »Robin fährt nach Berlin« des WZ-Mitarbeiters Uwe Lange.

Ein Kindheitstraum

  • Philipp Keßler
    VonPhilipp Keßler
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(phk). Dass in jeder Krise auch eine Chance steckt - und dass das keineswegs nur eine abgedroschene Phrase ist -, hat Uwe Lange eindrucksvoll bewiesen. Der Journalist, unter anderem Freier Mitarbeiter dieser Zeitung, hat das vergangene Jahr dafür genutzt, sich einen lang gehegten Traum zu erfüllen: Sein Buch »Berlin! Berlin! Robin fährt nach Berlin!

« über den 16-jährigen Nachwuchsfußballer Robin und seinen Traum vom Profizirkus ist ein Roman für ältere Kinder, Jugendliche und jung gebliebene Erwachsene, auf die Sport eine ähnliche Faszination ausübt wie auf den 64-Jährigen.

Das Projekt, in das Lange während des ersten Corona-Lockdowns rund dreieinhalb Monaten im Homeoffice in Heusenstamm investiert hat, und mit der Veröffentlichung um den Jahreswechsel einen erfolgreichen Abschluss gefunden hat, hat gleich mehrere Hintergründe: Es soll erstens eine Hommage an den legendären Sportjournalisten Sammy Drechsel sein, dessen Jugendroman »Elf Freunde müsst ihr sein« noch heute zu Langes Favoriten gehört. Zweitens war das Vorhaben auch persönlicher Natur. Bis dato hatte sein 31-jähriger Sohn Robin, der nicht nur beim Namen der Hauptfigur von Langes Roman Pate stand, kein Buch zur Hand genommen - ein Ehrgeiz für den Vater, der nicht erst seit seiner Zeit als Journalist eine Leseratte ist.

Mit Erfolg: Als Lange das Buch seinem Sohn und seinen beiden Töchtern zu Weihnachten unter den Baum legte, habe es nicht einmal bis Silvester gedauert, bis es durch geschmökert war. Und zu guter Letzt ist die fiktive Geschichte um den Aufstieg eines talentierten jugendlichen Kickers zum gefeierten Kapitän einer Profimannschaft gewürzt mit - natürlich leicht veränderten - Anekdoten, die Lange in all den Jahren als Begleiter von Amateur- und Profisport selbst erlebt oder zu hören bekommen hat. »80 Prozent des Buchinhalts basieren in der einen oder anderen Form auf meinen Erlebnissen. Ich wollte natürlich keine Originalnamen hineinnehmen, aber es sind aus meiner Sicht die Stories enthalten, die den Sport so interessant machen - die aber medial nur selten in dieser Ausführlichkeit abgebildet werden«, erklärt Lange.

Erinnerungen eines Sportenthusiasten

Der dreifache Familienvater arbeitet seit Jahrzehnten als Sportjournalist, vor allem für Eishockey, Football und Fußball im Rhein-Main-Gebiet, schreibt für (fast) alle großen und kleinen Zeitungen der Region. Selbst in jungen Jahren Fußballer gewesen, ist Lange als Trainer und Schiedsrichter im Amateurbereich aktiv gewesen, ist zudem dem Frankfurter Eishockey seit 40 Jahren eng verbunden, agierte unter anderem viele Jahre als Teammanager des heutigen Zweitligisten. Eine enge Verbindung unterhält er seit jeher auch zu den Footballern aus der Mainmetropole sowie zu den Fußballern der Eintracht, in deren Museum er bei Führungen mitarbeitet. »Ich war immer der Mann im Hintergrund«, sagt Lange, denn Aufregung um seine Person ist ihm grundsätzlich fremd. Dennoch hat er etwas zu sagen: »Der Sport hat mich immer von dummen Gedanken abgehalten. Unter anderem hatte ich in der Jugend einen ehemaligen Nationalspieler als Trainer. Er ist der Grund dafür, dass ich bis heute nicht eine Zigarette geraucht habe«, sagt Lange, lacht kurz, um dann wieder ernst zu werden: »Ich wollte im Buch auch Denkanstöße mitgeben, wollte zeigen, dass im Leben nicht alles immer glatt läuft, dass es aber auch irgendwie weitergeht.«

Gelungen ist Lange mit diesem Ansatz nicht nur eine durchaus realitätsnahe und plausible Geschichte über den Weg aus dem Jugendfußball beim »kleinen Verein« vor Ort - für den gebürtigen Frankfurter noch heute die Basis für Stars - bis hin zum Profibereich. Sein Werk ist auch eine gut zu lesende und überaus sympathische Fiktion, die angesichts der mal mehr, mal weniger offensichtlichen Anleihen aus dem Rhein-Main-Gebiet gerade für Hessen das eine oder andere Déjà-vu bereithält und zum Schmunzeln einlädt - ohne dabei Langes sportjournalistischen Hintergrund zu verbergen.

Auch soziale Verantwortung

Damit hat Lange inhaltlich die Grundlage dafür geschaffen, den Nachwuchs »mal von der Playstation wegzulocken und für ein Buch zu begeistern«, gleichzeitig aber trotz Corona-Krise und weggebrochener Aufträge Herz und soziale Verantwortung bewiesen. Denn seine Entscheidung für den Hamburger Verlag Tredition und der damit verbundenen Mitsprache bei der Preisgestaltung (10,99 Euro als Paperback, 4,99 Euro als E-Book) sorgt dafür, dass sein Erstlingswerk auch etwas für den kleinen Geldbeutel ist. »Der kommerzielle Erfolg ist mir egal, denn ich wollte etwas tun, was mir Spaß macht. Es geht mir schlicht darum, Menschen wieder einmal für ein Buch zu begeistern«, erklärt Lange.

Die ersten Erfolge mit dem seit Frühjahr im Buchhandel gelisteten Werk geben ihm Recht: »Ich war schon überrascht, dass mich Leute schon früh nach einer Fortsetzung gefragt haben«, sagt Lange. Das will er »nicht gänzlich ausschließen«, denn ein paar Ideen habe er noch auf Lager. Und genau wie die Geschichte seiner Protagonisten hat man das Gefühl, dass auch Langes Laufbahn als Schriftsteller noch längst nicht am Ende ist.

WZ-Mitarbeiter Uwe Lange hat mit »Robin fährt nach Berlin« seinen ersten Roman vorgelegt.

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