imago0048878117h_180621_4c
+
Ronny Zimmermann, der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung der Regionalliga Südwest, blickt auf die Saison 2020/2021 zurück.

Eigenlob und Selbstkritik

  • VonRedaktion
    schließen

(joc). Am vergangenen Samstag war es so weit - nach insgesamt 42 Spieltagen endete die Spielzeit 2020/21 in der Fußball-Regionalliga Südwest. Die Saison stellte die Vereine und die Ligaführung vor eine der herausforderndsten Aufgaben jeher. Nachdem die Regionalliga Südwest von November bis kurz vor Weihnachten 2020 den Spielbetrieb einstellen musste, hätten nur wenige daran geglaubt, dass diese Spielzeit mit 462 Spielen vollständig ausgespielt würde.

Ronny Zimmermann, der Vorsitzende der Gesellschafterversammlung der Regionalliga Südwest, Präsident des Badischen Fußball-Verbandes und DFB-Vizepräsident, blickt auf die vergangene Saison zurück und gewährt einen Einblick in den Zukunftsplan der Liga.

Herr Zimmermann, wie lautet Ihr Fazit zur Saison?

Wir sind glücklich darüber, dass die lange Saison sportlich vollständig abgeschlossen werden konnte. Die Fortsetzung der Saison und die Einführung von Corona-Testungen zu einem Zeitpunkt, an dem in Deutschland noch keine Test-Infrastruktur bestand, erwies sich im Nachhinein als völlig richtig. Damit wurde neben der sportlichen Entscheidung damals schon aufgezeigt, dass regelmäßige Testungen eine Öffnungsperspektive für sämtliche gesellschaftliche Bereiche während der Pandemie darstellen können und folglich eine vorzeitige Rückkehr in ein halbwegs normales Leben möglich ist. Wenn auch die Regionalliga Südwest nicht gänzlich von Corona-Infektionen verschont blieb, haben wir es gemeinsam geschafft, diese Herausforderung zu bewältigen. Die aufgetretenen coronabedingten Probleme blieben in einem überschaubaren Rahmen. Seitens der Politik hätte ich mir gewünscht, dass eine weitergehende Unterstützung erfolgt wäre, denn die unterschiedlichen Handhabungen in den beteiligten fünf Bundesländern werfen innerhalb eines Wettbewerbes schon Fragen auf.

Sämtliche Entscheidungen der Liga wurden gerichtlich angefochten, wie stehen Sie dazu?

Wir waren von dieser Entwicklung nicht sonderlich überrascht, denn das hatte sich ja im Vorfeld abgezeichnet. Gestört hat mich vielmehr die Tonalität, die Art und Weise, wie mit unseren Mitarbeitern bisweilen umgesprungen wurde, das hat definitiv Grenzen überschritten. Gerichtliche Überprüfungen hingegen sind völlig in Ordnung und im Sport auch nicht selten. Zudem handelt es sich um ein grundgesetzlich geschütztes Recht in Deutschland. Leider, und das muss man so konstatieren, wurde zwar immer wieder über Solidarität und Verständnis gesprochen, aber als es darauf ankam, gaben eben doch die individuellen Interessen den Ausschlag. Vor diesem Hintergrund wurden sämtliche der anstehenden Entscheidungen auf Herz und Nieren geprüft und insbesondere umfangreichen rechtlichen Prüfungen unterzogen. Die jetzt vorliegenden Ergebnisse bestätigen unsere Arbeit, freuen kann man sich über solche Abläufe aber sicher nicht. Weniger schön fand ich, dass selbst die gerichtlichen Bestätigungen nicht akzeptiert und öffentlich angegangenen wurden. Irgendwann muss selbst innerhalb einer Pandemie ein Einsehen einkehren.

Wie bewerten Sie die Reaktion auf die Entscheidungen?

Rückblickend kann man feststellen, dass wir mit unseren Entscheidungen richtig lagen. Wenngleich die eine oder andere besser zu einem früheren Zeitpunkt getroffen worden wäre, wie die Frage der potenziellen Aufsteiger, die man besser zeitgleich mit der Entscheidung über die Fortsetzung getroffen hätte. Aber man muss ehrlicherweise auch sagen, dass zum damaligen Zeitpunkt bei der nur mit einer hauptamtlichen besetzten Regionalliga-Geschäftsstelle »Land unter« war. Was gerade damals von den handelnden Personen abverlangt und ihnen andererseits auch zugemutet wurde, hat zum Teil das Maß des Menschenmöglichen und vor allem des Zumutbaren überschritten. Aber auch die angesprochene Entscheidung zu den Aufsteigern wurde unter Berücksichtigung sämtlicher Aspekte, ohne Ansehen von konkreten Verbands- oder Vereinsbetroffenheiten, sachlich und insbesondere unter Berücksichtigung sportlicher Aspekte und der Interessen der Regionalliga getroffen. Eine der vielen Entscheidungen aber, die nicht jeden glücklich machen oder zufriedenstellen konnten.

Wie sieht der Fahrplan für die zukünftige Regionalliga Südwest aus?

Die vergangene Saison hat uns vor Augen geführt, dass die Belastung der Mitarbeiter der Geschäftsführung nicht hinnehmbar ist. Wir möchten die nun kommende Zeit nutzen, um Änderungen der Struktur der Regionalliga Südwest GbR durchzuführen, um diese zukunftsfähig zu machen. Unser Ziel ist es, noch bessere Rahmenbedingungen zu schaffen und einen Teil dazu beizutragen, dass sich der deutsche Fußball und die Klubs weiterentwickeln können.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare