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»Drei unten, drei oben«

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(sno) Justus Hinder (15) vom VfB 1900 Gießen erlebt gerade die »perfekte Woche«: Erst konnte der Bayern-Anhänger ein 4:0 der Münchner im Halbfinale der Champions League über den FC Barcelona bejubeln, vier Tage später darf er im »aktuellen Sportstudio« mit Lars Ricken und Paul Breitner im ZDF auf die Torwand schießen.

»Drei unten, drei oben« heißt es dann für den Blondschopf aus Wieseck am Samstag (23 Uhr). Mit einem sehenswerten Video, gespickt mit Tricks, Treffern und Toren, konnte der Rechtsfuß die ZDF-Sportredaktion überzeugen – und darf nun in Mainz gegen die ehemalige Fußballgrößen ran.

Zwei Monate nach seiner Bewerbung hatte der 15-Jährige noch immer keine Rückmeldung bekommen, »da dachte ich schon, dass es nichts wird«. Als am Dienstag dann aber doch ein ZDF-Redakteur anrief »war ich natürlich begeistert. Seitdem übe ich jeden Tag eine Stunde an der Torwand«. Damit der Auftritt vorm Millionenpublikum ein voller Erfolg wird.

In seinem Zimmer hängen Poster der aktuellen Münchner Idole Schweinsteiger, Neuer und Müller. Am Samstag kann er sich mit den ehemaligen Idolen Ricken und Breitner an der Torwand messen. Ein kleiner Kindheitstraum geht in Erfüllung. »Das waren beides große Spieler, den Treffer von Lars Ricken aus dem Champions-League-Finale kennt jeder. Aber ich will gewinnen, ganz klar«, gibt sich Justus selbstbewusst. Letztlich, das weiß der Schüler selbst, »wird es auch ein bisschen Glück sein«.

Eine Person darf ihn im Studio unterstützen, schnell war klar, dass das der Papa sein wird. Der lässt für den Auftritt seines Sohnes ein entscheidendes Relegationsspiel im Tischtennis sausen. »Justus ist wirklich im positiven Sinne fußballverrückt«, sagt der Vater über den Sohn, »wir haben ihn am Anfang alle ein bisschen belächelt, als er da hin wollte. Aber jetzt ist er da.« Und soll, wenn möglich, mindestens einmal treffen. Der Vater hofft, dass die Nerven halten, und auch Justus will an null Treffer »gar nicht erst denken. Nervös werde ich bestimmt sein, aber das ist ja auch normal«.

Da hat er Recht, der Stürmer des C-Junioren-Gruppenligisten VfB 1900 Gießen, der von sich selbst sagt: »Technisch bin ich gar nicht der Allerbegabteste. Aber ich habe einen guten Abschluss.« Auf den kommt es beim Torwandschießen bekanntlich an. Neben dem fußballerischen Talent und einer gesunden Selbsteinschätzung besitzt Justus Hinder auch Humor: »Ich habe gestern am Telefon schon gefragt, ob sie nicht vielleicht den Uli Hoeneß vorbeischicken könnten. Aber der wird den Mund wohl nicht öffnen.

« Dass er solche Sprüche klopfen kann, verdankt Justus Hinder seinem trickreichen Video. Mal trifft er dort vom Garagendach aus per Hacke in die Mülltonne, mal schießt er seinem Kumpel eine Flasche vom Kopf. »Die meisten Tricks habe ich mir irgendwo abgeschaut«, verrät Justus. »Oft gucke ich auch in der Bundesliga, ob ein neuer Trick gemacht wird. Den übe ich dann, bis ich ihn kann«, erklärt der Junge, der sich schon früh mit dem Fußball auseinandergesetzt hat.

»Ich war schon immer ein kleiner Fußball-Analyst, habe mich für die Meinung der Profis interessiert. Und ich schaue schon lange das ›Sportstudio», von daher ist es wirklich eine tolle Sache.« Bevor es zu dieser außergewöhnlichen Gelegenheit kommt, standen unzählige Übungsstunden auf dem Programm. Hinter dem knapp zweiminütigem Video, das er zusammen mit seinen Schwestern kreierte, steckt jede Menge Arbeit, Justus schätzt sie auf rund 20 Stunden. »Als ich an einem Tag aus großer Entfernung in einen Anhänger treffen wollte, mussten wir 200-mal filmen. Das Video lief eine Stunde durch. Aber solche Tage gibt’s halt auch, wo man drei Stunden damit verbringt und es trotzdem nicht klappt«, gesteht er.

Gelohnt hat sich die Mühe aus seiner Sicht aber auf jeden Fall. »Irgendwann habe ich immer öfter gehört: Bewerbe dich doch auch mal beim ›Sportstudio»«. Gesagt, getan. Die ganze Klasse, sämtliche Freunde und natürlich die ganze Familie werden am Samstagabend vor dem Fernseher sitzen und die Daumen drücken. Jetzt muss Justus Hinder nur noch seinen eigenen Ankündigungen Taten folgen lassen – und die Woche mit einem persönlichen Sieg vollenden.

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