Drei-Stufen-Plan zur Zuschauerrückkehr

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(sid). Eine gemeinsame Initiative aus Sport, Kultur und Wissenschaft hat in Berlin eine Studie zur Rückkehr von Zuschauern bei Groß-Events vorgelegt. 20 Wissenschaftler aus verschiedenen Bereichen haben mit der Unterstützung von mehr als 40 Kultur- und Sportinstitutionen einen Drei-Stufen-Plan zur schrittweisen Rückkehr von Zuschauern entwickelt.

Der Leitfaden stellt verschiedene Modelle für Indoor- und Outdoor-Veranstaltungen vor. Ausgehend von einem Basiskonzept können mittels weiterer Maßnahmen wie Hygienekonzepten und Teststrategien neue Stufen erreicht werden, die eine schrittweise Steigerung der Zuschauer pro Veranstaltung ermöglichen.

Aus dem Sport wird die Initiative von allen großen Ballsportverbänden und Ballsportligen unterstützt. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ist genauso vertreten wie der Deutsche Basketball-Bund (DBB) und der Deutsche Handball-Bund (DHB). Auch viele der großen Veranstaltungsarenen haben sich beteiligt.

Mit dem neuen Konzept soll kein Druck auf die Politik ausgeübt werden. »Wir wollen der Politik einen Weg zeigen zum Wie«, sagte Florian Kainzinger, Koordinator der Studie. »Uns geht es nur in zweiter Hinsicht um das Wann. Darüber kann mit der Politik diskutiert werden«, sagte Kainzinger.

»Es ist phänomenal, dass sich Kultur und Sport an einen Tisch gesetzt haben, um zu überlegen, wie kriegen wir die Zuschauer wieder in die Hallen«, sagte Präsident Ingo Weiss vom Deutschen Basketball-Bund (DBB) dem SID und meinte zum Zeitplan: »Nach Ostern sollte Sport wieder möglich sein, und dann sollten auch die Zuschauer wieder in die Hallen und Stadien kommen.«

Nicht wegschließen

Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL), hält eine baldige Rückkehr von Fans in die Arenen für möglich. »Wir können nicht von heute auf morgen die Arenen wieder vollmachen. Aber 30 bis 40 Prozent Auslastung, in Einzelfällen auch mehr, halte ich in absehbarer Zeit für möglich«, sagte Bohmann: »Und mit absehbarer Zeit meine ich nicht Monate, sondern Wochen. Wir müssen jetzt anfangen, eine Abkehr vom harten Lockdown zu wagen. Die Themen werden uns schließlich noch lange begleiten.«

Der Ligenchef im Handball sieht in dem Konzept zur schrittweisen Rückkehr von Zuschauern und Gästen einen Fingerzeig für die Gesellschaft. »Es bringt nichts, die Gesellschaft weiter mit der Holzhammer-Methode wegzuschließen. Es wird höchste Zeit, dass wir lernen, mit dem Virus zu leben, wir dürfen uns nicht weiter verstecken«, so Bohmann. Man könne verantwortungsvoll aus dem Lockdown herauskommen. »Wer soll das zeigen, wenn nicht wir«, sagte Bohmann: »Wir sind nicht Teil des Problems, sondern ein wesentlicher Teil der Lösung. Für uns, aber auch für die Gesellschaft.«

Man werde in den kommenden Wochen »in Siebenmeilenstiefeln eine neue, sehr viel höhere Impfquote erreichen. Zudem wird es schon bald die Möglichkeit von Schnelltests für alle geben. Und spätestens, wenn wir eine Impfdurchdringung bei den gefährdeten Risikogruppen haben, muss geöffnet werden.«

Existenz gefährdet

Ohne die Rückkehr von Zuschauern in den kommenden Monaten droht zum Beispiel Handball-Bundesligist SC DHfK Leipzig eine finanzielle Schieflage. »Aktuell ist die Lage stabil. Das haben wir unseren Partnern zu verdanken«, sagte DHfK-Geschäftsführer Karsten Günther der »Leipziger Volkszeitung«. »Sie sind sehr leidgeprüft, durften seit fünf Spielen nicht in die Halle - und haben trotzdem bezahlt. Wenn das aber noch ein halbes Jahr so bleibt, dann bekommen wir ein richtiges Problem. Das ist einfach ein Fakt und das kann auch kein Hilfsprogramm vom Bund auffangen.«

Laut Günther sei es »essenziell, dass unsere Fans bald zurück in die Arena dürfen«. Der Manager hat die Hoffnung, im März wieder vor Fans zu spielen. »Jetzt ist die Frage, ob der politische Wille bis dahin so weit ausgeprägt ist, das zu ermöglichen.«

Auch Bob Hanning hofft noch in dieser Bundesliga-Saison auf Handballspiele vor Zuschauern. Er habe für die Politik in vielen Dingen Verständnis, sagte der Geschäftsführer der Füchse Berlin im Interview dem »Mannheimer Morgen«. »Wir müssen aber irgendwann auch eine neue Normalität herstellen. Und zu dieser neuen Normalität gehören Handballspiele mit Zuschauern«, ergänzte der 53-Jährige. »Ich bin klar dafür, bis Ostern die Füße stillzuhalten. Aber dann geht es bei entsprechenden Infektionszahlen eben auch darum, die neue Normalität zu gestalten.«

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