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Das Lehrbuch-18:21 von Alexander Feld (2) in Källman-Manier

Drei-Sekunden-Tod

  • Daniela Pieth
    VonDaniela Pieth
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Drama nächster Akt. Nach zwei Last-Minute- Unentschieden in der Handball-Bundesliga ereilt eine ersatzgeschwächte HSG Wetzlar beim 31:32 gegen Frisch Auf Göppingen am Ende ein Drei-Sekunden-Tod.

Erst in letzter Sekunde musste sich die HSG Wetzlar in der Handball-Bundesliga gestern Abend Frisch Auf Göppingen geschlagen geben. Nach dem 31:31-Ausgleich durch Kristian Björnsen handelten FAG-Keeper Urh Kastelic und Sebastian Heymann am schnellsten und beförderten die Kugel mit dem Schlusspfiff über den Anwurf ins leere Wetzlarer Gehäuse zum 32:31 (15:12)-Siegtreffer.

Dabei sah es sogar lange Zeit nach einem souveränen Sieg der Gäste aus. Ohne drei Leistungsträger musste die HSG gegen Göppingen auskommen. Zu den beiden verletzten Spielern Stefan Cavor und Anton Lindskog gesellte sich auch noch Filip Mirkulovski, der nach seiner Länderspielreise positiv auf den Corona-Virus getestet wurde.

Trainer Wandschneider setzte im Rückraum auf Olle Forsell Schefvert, Magnus Fredriksen und Ivan Srsen. Am Kreis agierte Patrick Gempp, der in der Abwehr von Philipp Henningsson ersetzt wurde. »Den Aderlass haben wir heute gar nicht so groß thematisiert«, erklärte Wetzlars Alexander Feld anschließend im Interview bei Sky. »Ich finde, wer dabei war oder nicht, die Qualität in der Mannschaft ist immer noch da, um zu Hause gegen eine Mannschaft wie Göppingen dagegenzuhalten.«

Nachdem die ersten beiden erfolgreichen Aktionen den beiden Torhütern vorbehalten waren, zeigten die Gäste das konsequentere Spiel. Neuzugang Josip Bozic-Pavletic und die beiden deutschen Nationalspieler Marcel Schiller und Sebastian Heymann netzten innerhalb von zwei Minuten zum 3:0 für Frisch Auf ein, ehe es Srsen gelang, den ersten Treffer für die Hausherren zu markieren. Göppingen machte munter weiter, Torhüter Urh Kastelic hatte nach acht Minuten bereits fünf Paraden auf dem Konto und so legte Wandschneider nach dem Gäste-6:2 von Schiller per Siebenmeter das erste Mal den grünen Karton auf den Zeitnehmertisch. Seine Mannschaft hatte zunehmend Probleme, sich gegen die bewegliche Abwehr von Göppingen durchzusetzen und so ordnete er früh den siebten Feldspieler an.

Aber es sollte noch einige Minuten dauern, ehe diese Umstellung griff. Kastelic zeigte in der 23. Minute bereits seine neunte Parade und so dauerte es bis zum 12:13 von Kristian Björnsen, ehe sich Wetzlar auf Tuchfühlung herangearbeitet hatte.

»Wetzlar hat das mit dem siebenten Feldspieler gut gespielt und unsere Fehler, die wir vorne gemacht haben, bestraft«, erklärte Nationalspieler Heymann bei Sky. »So wurde es ein sehr enges Ding, am Ende mit einem glücklichen Ausgang für uns.« Zwei weitere entschärfte Bälle von Kastelic und die Treffsicherheit von Schiller sorgten für die 15:12-Führung der Gäste zur Pause. Und die machten zu Beginn der zweiten Halbzeit da weiter, wo sie aufgehört hatten. Jakob Bagersted wuchtete den Ball in der 37. Minute zum 20:13 ins leere Wetzlarer Tor. Göppingen war auf Siegeskurs.

Doch in der Folge erwachte der Kampfgeist der Grün-Weißen erneut, Wandschneider stellte auf eine 4:2-Deckung um und die Aufholjagd begann. Sehenswert das Freiwurftor von Alexander Feld mit beidbeinigem Absprung zum 18:21 (42.), Emil Mellegard verkürzte gar auf 19:21. Nach ein wenig Wild-West-Handball auf beiden Seiten setzte sich Göppingen wiederum auf 26:20 (50.) ab, doch die Hausherren gaben sich nie auf. Auch eine Verletzung von Magnus Fredriksen schüttelte die HSG ab und so sorgte Maximilian Holst per Siebenmeter in der 55. Minute für den 28:28-Ausgleich.

Frisch Auf-Coach Hartmut Mayerhoffer rief seine Spieler zur Besprechung, die in der Crunch-Time die besseren Nerven bewiesen. Zwei Tore von Kresimir Kozina und eine Parade von Kastelic, der mit 16 gehaltenen Bällen getrost als Matchwinner bezeichnet werden konnte, bedeuteten die 30:28-Führung für Göppingen. Doch Björnsen sorgte im Drama drei Sekunden vor Schluss tatsächlich noch für den 31:31-Ausgleich, dem schnellen Umschalten von Kastelic und Heymann hatten die Grün-Weißen in den letzten drei Sekunden aber nichts mehr entgegenzusetzen.

»Ich habe gedacht, das Spiel wäre jede Sekunde vorbei«, meinte Feld. »Dass da doch noch Sekunden auf der Uhr waren, haben wir - glaube ich - nicht so realisiert. Tja, das waren dann die Sekunden, die zu lang waren und uns das entscheidende Tor gekostet haben.«

Wetzlar: Till Klimpke, Ivanisevic; Feld (4), Srsen (2), Henningsson (3), Björnsen (9), Ole Klimpke, Weissgerber, Holst (5/4), Fredriksen (2), Forsell Schefvert (1), Gempp (1), Mellegard (2), Rubin (2).

Göppingen: Rebmann, Kastelic; Neudeck, Theilinger (1), Kneule (8), Heymann (5), Bagersted (2), Ellebaek (1), Jonsson, Schiller (8/5), Goller, Bozic-Pavletic (3), Hermann, Zelenovic, Kozina (4).

Steno / SR: Otto/Piper (Syke/Kiel). - Zeitstrafen: 6:2 Minuten. - Siebenmeter: 5/4:6/5.

Untröstlich und erschöpft: Die Wetzlarer Olle Forsell Schefvert und Alexander Feld nach dem 31:32-Drama gegen Frisch Auf Göppingen.

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