Im DOSB-Präsidium

DOSB-Präsidium: Jonathan Koch will den Kern des Sports erhalten

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Ein Gießener vertritt die Interessen der Athleten im höchsten Gremium des deutschen Sports. Der ehemalige Ruderer Jonathan Koch gehört zum Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Jonathan Koch steht im Dauerstress. Der ehemalige Gießener Top-Leichtgewichts-Ruderer befindet sich in der Endphase seines Master-Studiums. Da ist ein gut funktionierendes Zeitmanagement ein Muss. Seit letztem Jahr zählt der Olympionike zudem als Vertreter der Athleten zum Präsidiums des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Der in Gießen geborene Jonathan Koch hat seine Jugend in einer ruhigen Seitenstraße zwischen dem Mildred-Harnack-Fish-Haus (früher Otto-Eger-Heim) und der Petruskirche verbracht. Als Zehnjähriger fand er bei der Gießener RG 1877 den Zugang zum Rudersport. 15 Jahre später wurde der dreifache Olympiateilnehmer mit dem Leichtgewichts-Vierer in Neuseeland Weltmeister. Im Alter von 32 Jahren beendete er seine mit vielen großartigen Erfolgen gespickte Karriere – mit Bronze im leichten Vierer bei der WM in Sarasota. Es hat für Koch alles gepasst. Und seit Dezember 2018 vertritt der multiperspektivisch denkende Koch die Interessen der Athleten im höchsten Gremium des deutschen Sports.

Was macht Ihr Studium, welchen Schwerpunkt hat es?

Jonathan Koch: Ich befinde mich in den letzten Zügen meines Master of Science in internationalem Sportmanagement – da geht es darum, die ökonomischen, sozialen und politischen Zusammenhänge von Sport, hauptsächlich auf internationaler Ebene, kennenzulernen und die Anwendung verschiedener Modelle und Theorien zu verstehen.

Wie sieht Ihre berufliche Zukunft aus?

Koch: Ich werde jetzt erstmal meine Masterarbeit schreiben und dann sehen, was die Zukunft so bringt - aber es wird sicherlich einen Bezug zum Sport haben.

In welcher Funktion sind Sie im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) in Frankfurt tätig?

Koch: Ich bin dort rein ehrenamtlich tätig und zwar in erster Linie in der Athletenkommission im DOSB und bei Athleten Deutschland e.V. Die Athletenkommission sind sechs gewählte Vertreter aller Athletenvertreter der einzelnen Sportarten aus Deutschland. Athleten Deutschland e.V. ist der Verein, den die Athletenvertreter gegründet haben, um die Interessenvertretung besser zu organisieren.

Seit Kurzem sind Sie auch ein Teil des Präsidiums des DOSB.

Koch: Ja. Seit Dezember 2018 bin ich auch noch in der Funktion der Athletenvertretung ein Mitglied im Präsidiums, also dem höchsten Gremium im deutschen Sport.

Wie sind Sie zu diesem Amt gekommen?

Koch: Die Athletenkommission hat einen Platz im DOSB-Präsidium inne – da ich aus Frankfurt bin und die anderen nicht, war diese Aufgabe eigentlich schon vorbestimmt. Thematisch bringe ich durch mein Studium aber auch einiges an Vorkenntnissen mit.

Was ist Ihre Hauptaufgabe in diesem Gremium?

Koch: Die Interessen der Athleten zu vertreten.

Wie und auf was können Sie Einfluss nehmen?

Koch: Formal habe ich eine von neun Stimmen. Den größten Einfluss, den ich nehmen kann, liegt aber eigentlich darin, die Perspektive der anderen Teammitglieder immer besser zu verstehen, denn nur so kann man dann auch die Sichtweise der Athleten nachvollziehbar rüberbringen.

Wie tauschen Sie sich mit den Athleten aus – sind Sie bei Wettkämpfen auch vor Ort?

Koch: Zum Glück habe ich noch einigermaßen Feedback aus meiner alten Trainingsgruppe. Ich stecke also noch ganz gut in meiner Peergroup drinnen. Wenn es irgendwo Sorgen und Probleme gibt, gibt es auch immer wieder Athleten, die sich an die Athletenkommission wenden. Aber es ist in der Tat ein strukturelles Problem, dass sich in der Athletenkommission überwiegend Ex-Athleten engagieren, weil man am Ende der Karriere überhaupt erst die Zeit dafür findet. Es liegt da zum einen in der Natur der Sache, dass immer wieder neue Athletenvertreter nachrücken. Gleichzeitig versuchen wir aber auch, in Zukunft mit Athleten Deutschland e.V. diese Problematik systematischer zu lösen, z.B. mit Umfragen, einem Organisationsgedächtnis und Profis, die die Athletenvertreter beraten.

Mit welcher Intention sind Sie an die Sache herangegangen?

Koch: Meine Intention ist es, im Sinne der Athleten und damit im Sinne des Sports und seinen Werten zu handeln. Wenn die Akteure mitbestimmen, dann bleibt der Kern des Sports auch erhalten.

Haben sich Ihre Erwartungen bislang erfüllt?

Koch: Ich stehe ja noch am Anfang (lacht). Und von heute auf morgen wird das auch nicht gehen.

Welches große Projekt verfolgen Sie momentan – oder steht an?

Koch: Athleten Deutschland e.V. wird bald durch die Unterstützung des Bundesministeriums des Innern Personal einstellen können. Es ist sehr spannend, was sich da entwickelt hat. Im April werde ich beim IOC-Athletenforum in Lausanne die deutsche Athletenkommission vertreten, das wird auch sehr interessant werden.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft im DOSB?

Koch: Dass die Selbstdarstellung vom Sport nicht mehr alleine auf Medaillen liegt. Sport ist eine gesellschaftliche Bereicherung, die sowohl intra- als interindividuell wirkt. Wenn die Athleten immer nur auf ihre Erfolge reduziert werden, geht viel zu viel Wertvolles verloren. All die Werte, die der Sport transportiert und die die Athleten Tag für Tag leben, sind eine Bereicherung für unsere Gesellschaft. Auf Reden wird das zwar immer gerne beschworen – die lebendige Umsetzung kommt meines Erachtens manchmal noch etwas zu kurz.

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