Doping in den Bundesligen: Zugriff fast null

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(dpa). Das Doping-Kontrollsystem in den Bundesligen der Männer im Handball, Basketball und Volleyball offenbart nach Recherchen der ARD-"Sportschau" große Lücken. Wie sportschau.de berichtet, werden 89 Prozent aller Profis in den deutschen Topligen nicht unangekündigt getestet. Eine Anfrage bei der Nationalen Anti-Doping-Agentur Anfang November habe ergeben, dass 90 Athleten im Testpool gemeldet waren, die ihre Aufenthaltsorte für unangemeldete Kontrollen angeben mussten. Dies seien nur deutsche Nationalspieler, Jugend-National- und Perspektivspieler.

"Das ist eine gewisse Ausrechenbarkeit, weil wir uns hier nur auf einen bestimmten Kreis von Spielern fokussieren können", sagte die NADA-Vorstandsvorsitzende Andrea Gotzmann der ARD-Dopingredaktion. "Die Unberechenbarkeit der Kontrollen außerhalb des Wettkampfes ist für uns eingeschränkt, da wir nur die Möglichkeit haben, Athleten, die dem deutschen Kadersystem angehören und in einem Testpool eingeordnet werden, außerhalb von Wettkämpfen, zu kontrollieren."

Der Zugriff der Kontrolleure auf ausländische Spieler in den deutschen Ligen liege laut dem Bericht fast bei null. So habe der dänische Handball-Nationalspieler Lasse Svan, der seine 13. Saison für die SG Flensburg/Handewitt absolviert, noch nie eine Trainingskontrolle gehabt. "Von den deutschen Kontrolleuren war keiner bei mir zu Hause. Ich habe die mal beim Training gesehen, auch nicht oft, aber es ist vorgekommen", sagte der Olympiasieger laut sportschau.de. "Aber da wurde ich auch nicht gewählt."

Auf ARD-Anfrage bestätigte die dänische Anti-Doping-Agentur, dass Spieler ihres Landes nur von ihr und wenn sie sich in Dänemark aufhalten getestet würden. Diese Regeln würden auch für Agenturen anderer Länder gelten. In der Basketball-Bundesliga sei knapp ein Drittel der Profis US-Amerikaner. Die amerikanische Agentur USADA teilte auf die ARD-Anfrage nach Doping-Tests der US-Spieler in Deutschland im Jahr 2019 mit: "Die Anzahl ist null."

Ungeachtet dessen verwies laut ARD NADA-Chefin Gotzmann darauf hin, dass die Agentur grundsätzlich die Möglichkeit habe, bei Wettkämpfen in Deutschland alle Spieler zu kontrollieren. Wie die NADA jedoch zudem mitteilte, seien im vergangenen Jahr bei 21 Spielen Kontrolleure vor Ort gewesen - von insgesamt 340 möglichen Partien. Das sind gerade einmal sechs Prozent.

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