Henni Nachtsheim von Badesalz über Eintracht Frankfurt

Dogge Mathilda mag kein Fußball im TV

Badesalz-Comedian Henni Nachtsheim und Redakteur Ronny Th. Herteux haben die aktuelle Lage in (Fußball-)Deutschland unter die Lupe genommen.

Hallo Herr Nachtsheim, wir leben in unruhigen Zeiten. Die einen reagieren über, die anderen überhaupt nicht. Wann haben Sie das letzte Mal reagiert - und wenn ja, auf was?

Das war vor ein paar Wochen. Da hat mir ein Freund ein Handy-Video seines Onkels gezeigt, in dem der erklärt, dass er sich vor Corona schützt, indem er seine Füße mit Klosterfrau Melissengeist einreibt. Da bin ich fast zusammengebrochen ...

Irgendwie ist momentan alles anders, eine Meinung jagt die andere, jeden Tag neue Hinweise, Informationen, Beweise, Ankündigungen, Analysen, Rechtfertigungen, Gutachten, Pressekonferenzen, Interviews, Beschuldigungen. Wohin soll das noch führen, finden Sie sich in diesem Dickicht noch zurecht?

Ich gehe zweimal die Woche in eine hiesige Bäckerei und lass mich von der dortigen Chefin auf den neuesten Stand bringen. Neulich hat sie mir z. B. erklärt, wer warum der beste Virologe ist. "De Beste ist dieser Hendrik Streek, allein von der Frisur her! De Drosten sieht mer einfach immer zu gestresst aus, und der Karl Lauterbach hat schlimme Zähne und en total bescheuerte Haarschnitt, dem glaub ich gar nix!" Das reicht mir persönlich an Information!

Corona ist das bestimmende Thema in dieser Zeit, wollen wir diese Kolumne zur coronafreien Zone erklären?

Gerne! Das Thema nimmt ohnehin wahnsinnig viel Besitz ein, da ist es mal ganz schön, es außen vor zu lassen.

Fangen wir mit einem Thema aus der Bundesliga-Beletage an. Uli Hoeneß hat Borussia Dortmund für seinen Umgang mit jungen Talenten kritisiert, dass sie sie zu schnell wieder zum Verkauf anbieten und so ein tiefes Zugehörigkeitsgefühl bei eben diesen Spielern verhindern. Und dass man das bei Bayern schon immer besser mache. Woraufhin sich Michael Zorc tierisch aufgeregt hat. Was denken Sie, wenn Sie so was mitbekommen?

Im ersten Moment möchte man sagen, dass einen Eintracht-Fan das Gezanke unter Krösussen nicht wirklich interessiert. Ich höre ja auch nicht hin, wenn ein Millionär dem anderen erklärt, warum seine Gärtner seinen parkähnlichen Garten besser pflegen als die des anderen. Wenn man das aber mal ausblendet, muss man zugeben, dass man bei den Bayern immer schon mehr Identifizierung feststellen kann als beim BVB. Und dass eine Menge Top-Spieler in München für sehr lange Zeit spielen, während sie in Dortmund oft schon nach wenigen Jahren wieder verschwinden. Von daher, und das ist für mich der schwierigste Moment bei dieser Antwort, hat Uli Hoeneß nicht ganz unrecht. Oh Mann, dass ich so was noch mal sagen würde. Warten Sie, ich brauche eine Schmerztablette…

Kommen wir zu Frankfurt. Die Eintracht hat am Donnerstag beim FC Basel ein 0:3 aufzuholen, und wie im Hinspiel erneut ohne moralische Unterstützung von den Rängen. Kann die Eintracht überhaupt ohne Fans?

Ja, das haben die Spieler ja nach dem Restart bewiesen, und es unterm Strich besser gemacht als wir es befürchtet haben. Wir alle haben doch geglaubt, die Eintracht kommt ohne Fans im Stadion in Abstiegsgefahr. Ist sie aber nicht!

Können bzw. sollen wir da trotzdem sicherheitshalber irgendwie nachhelfen? Stichwort: Telepathie oder Voodoo-Zauber.

Na ja, ich halt ja eigentlich nichts von diesen Sachen. Aber während des Spiels eine Toblerone mit dem Bunsenbrenner zu bearbeiten, dürfte andererseits auch nicht schaden.

Ich kann mir vorstellen, dass Sie nach den fußballlosen Wochen besonders heiß auf das erste Pflichtspiel der Eintracht sind. Wie darf man sich diese 90 Minuten bei Ihnen vorstellen, so im Wohnzimmer vor dem Bildschirm oder wo auch immer? Wäre eine Beschreibung jugendfrei?

Jugendfrei ist es immer, ich mach nichts Schlimmes. Okay, ich schlittere bei Eintracht-Toren hysterisch schreiend über den Parkettboden, schmeiße mich auf meine Dogge Mathilda (die übrigens seit Neuestem ein Eintracht-Halsband trägt!), renne schließlich, nur in eine Eintracht-Fahne gewickelt, laut johlend über die Hauptstraße und springe wildfremden Leuten auf den Rücken - aber das macht hier ja jeder!

Ich kann mir aber vorstellen, dass Sie die Eintracht lieber im Stadion als in den eigenen vier Wänden verfolgen. Aber wie wäre ein zu einem Drittel gefülltes Stadion zu bewerten? Die einen sagen, besser als nichts, die anderen, da kommt keine Stimmung auf.

Wenn ich dran denke, was allein die Reservebank von Werder Bremen bei den Relegationsspielen gegen Heidenheim für einen Rabatz veranstaltet hat, denke ich, dass ein teilweise gefülltes Stadion schon deutlich besser klingt als ein komplett leeres. Ich weiß natürlich, wie kontrovers das unter den Fans diskutiert wird, aber ich persönlich hätte nichts gegen Spiele mit reduzierten Zuschauermengen. Schauen Sie, derzeit fallen für uns mit Badesalz alle Auftritte erst mal aus, und keiner kann uns seriös sagen, wann wir überhaupt wieder spielen können. Jetzt hat z. B. jemand ein Konzept entwickelt, nach dem man z. B. in der Rittal-Arena in Wetzlar, in die ja über 4000 Leute passen, wenigstens vor 800 Leuten spielen kann. Das Konzept wird derzeit geprüft, was anscheinend ein langwieriger und umständlicher Prozess ist. Aber wenn uns jemand fragen würde, ob wir das machen würden, wäre die Antwort eindeutig Ja: Besser so als gar nicht. Noch ein Beispiel: ich habe in den letzten Wochen auf ein paar kleinen Festivals spielen dürfen. Immer so maximal um die 200 Leute, natürlich unter Einhaltung aller Sicherheitsmaßnahmen, Abstandsreglungen usw. Und Sie glauben gar nicht, wie gut es getan hat, mal wieder vor Menschen aufzutreten, in deren Gesichter zu schauen. Ich bin sicher, dass das Fußballern ähnlich gehen wird, auch wenn nur ein Drittel der normalen Zuschauermenge im Stadion ist.

Wie löst man dann aber das Problem, wer reindarf und wer nicht?

Ich kann da nur für mich sprechen. So gern ich im Stadion bin, würde ich trotzdem problemlos akzeptieren, wenn jemand anderes statt meiner zum Spiel darf. Das Einzige, was ich mir wünschen würde, wäre, dass er mich gut und lautstark vertritt!

Wieder einmal ein Beweis dafür, dass man es nie allen recht machen kann. Allerdings würde die Eintracht es mit einem 4:0-Sieg allen recht machen, zumindest den Eintracht-Fans. Oder gibt es Einwände?

Nur von meiner Dogge! Die guckt donnerstags immer gerne "Criminal Minds" und ist genervt, wenn stattdessen Europa League läuft!

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