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Dirk Nowitzki: Uni Gießen lüftet das Geheimnis seines Erfolgswurfs

  • Sven Nordmann
    vonSven Nordmann
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Dirk Nowitzki ist eine Institution im Basketball. Mitverantwortlich für seinen Erfolg: Ein Mittelhesse. Nun hat sich die Uni Gießen mit dem Wurf-Geheimnis des Basketball-Superstars befasst.

Unterhaltsam und anschaulich erklärte Dr. Daniel Ebeling am letzten Samstag im Wilhelm-Hanle-Hörsaal der JLU Gießen, wie der perfekte Basketballwurf physikalisch ablaufen muss. Zentrale Rolle in seinem Vortrag der Reihe "Physik im Blick" spielte dabei der langjährige Trainer und Mentor von Dirk Nowitzki, Holger Geschwindner. Der heute 72-Jährige ist in Bad Nauheim geboren und in Laubach aufgewachsen – und trug durch seine physikalischen Erforschungen maßgeblich zur Treffsicherheit Nowitzkis bei. "Was die Details angeht, ist er meiner Meinung nach der wohl beste Trainer der Welt", sagte der Profi der Dallas Mavericks über Geschwindner.

Abwurfwinkel: 56 Grad, Wurfgeschwindigkeit 26 km/h, der Eintreffwinkel beträgt dann 45 Grad

Der perfekte Wurf

Dieser studierte einst Mathe und Physik und übertrug seine Kenntnisse später auf den Sport: Er berechnete den perfekten Einfallwinkel, die Flugkurve und andere Parameter, um später ein Programm für den perfekten Wurf zu entwickeln. In mehreren Videosequenzen wurden Nowitzki und Geschwindner eingespielt. "In Amerika hat man uns für unsere Forschungen anfangs belächelt", erinnert sich Geschwindner. "Man nannte es Unfug. Also gaben wir unseren Räumen, in denen wir arbeiten, den Namen: Institut für angewandten Unfug."

Der Erfolg gab den beiden Deutschen recht: Nowitzki wurde u. a. 2006 und 2007 zum wertvollsten Spieler der NBA gewählt, 2011 wurde er Sportler des Jahres in Deutschland – seine Freiwurfquote liegt aktuell bei 88 Prozent.

Klar verständlich erklärte Dr. Ebeling im Anschluss, wie der physikalisch perfekte Basketballwurf auszusehen hat. Eine Rolle spielen dabei Dinge wie die Abwurfgeschwindigkeit, der Abwurfwinkel, die Abwurfhöhe, der Abstand zum Korb und der Eintreffwinkel. Die Schlussfolgerung nach einigen physikalischen Formeln und Experimenten im Hörsaal: Glatte Treffer sind möglich ab einem Einfallwinkel von 32 Grad. Der Ball bei 20 Grad noch zu flach "geflogen kommt", um glatt in den Korb zu treffen – bei 70 Grad stünde der Kraftaufwand aufgrund der benötigten Wurfhöhe nicht im Verhältnis.

Kleine Spieler müssen für die optimale Flugkurve mehr Leistung erbringen

Die jeweiligen Werte rund um Abwurf- und Eintreffwinkel können variieren, aber: "Es ist essenziell, dass ich so werfe, dass ich die niedrigste Wurfgeschwindigkeit habe." Beim Abstand eines Freiwurfs und einer Abwurfhöhe von zwei Metern ergeben sich für den "perfekten Wurf" somit folgende Daten: Abwurfwinkel: 56 Grad, Wurfgeschwindigkeit 26 km/h, der Eintreffwinkel beträgt dann 45 Grad.

Zwei abschließende Erkenntnisse: Je höher die Flugkurve, desto höher die benötigte Abwurfgeschwindigkeit (Aufwand). Und: Kleine Spieler müssen folglich mehr Leistung erbringen, um den Ball in die optimale Höhe für die "Ideal-Flugkurve" zu bringen. Neben seinem Förderer Geschwindner hat Deutschlands bester Basketballer Dirk Nowitzki mit seiner Größe (2,13 Meter) also einen weiteren Vorteil, wenn es um den perfekten Wurf geht.

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