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Der nächste Schritt: Auf Till Klimpke kommt in der EM-Saison im Tor der deutschen Nationalmannschaft mehr Verantwortung zu.

Till Klimpke

Die Zukunft beginnt

  • Ralf Waldschmidt
    VonRalf Waldschmidt
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Kein Heinevetter, kein Wolff, kein Bitter: Till Klimpke führt neben Newcomer Joel Birlehm als Torhüter das deutsche Handball-Nationalteam bei den Länderspielen gegen Portugal in die EM-Saison.

Till Klimpke ist noch aufgewühlt. Gerade eben hat seine HSG Wetzlar nach aufreibenden 60 Bundesliga-Minuten den TVB Stuttgart mit 35:34 (21:16) in die Knie gezwungen, da steht er oben vor den VIP-Räumen der Rittal-Arena den Sportjournalisten Rede und Antwort. Nicht nur, um den dritten Heimsieg der Saison zu erklären, in erster Linie seiner Nationalmannschaftsnominierung (siehe auch Seite 13) wegen.

Denn die hat nach Olympia im August in Tokio und vor der Europameisterschaft im Januar 2022 in Ungarn und der Slowakei bedeutsamen Charakter. Der 23-jährige Local Hero geht in dieser Woche praktisch als Nummer eins zwischen den Pfosten in den von Bundestrainer Alfred Gislason initiierten Umbruch. Zusammen mit dem ein Jahr älteren Leipziger Newcomer Joel Birlehm bildet er für die Länderspiele gegen Portugal am kommenden Wochenende das Torhütergespann. Auch das der Zukunft? Bundestrainer Alfred Gislason beginnt altersbedingt Schritt für Schritt das Erbe der Bitters und Heinevetters zu regeln und lässt für den Moment auch EM-Held Andy Wolff außen vor.

»Natürlich ist es ein tolles Gefühl, vom Bundestrainer ein solches Vertrauen zu bekommen«, freut sich Klimpke auf den Nationalmannschaftslehrgang diese Woche in Düsseldorf sowie die beiden Länderspieleinsätze Freitag und Sonntag. Als aktuelle Nummer eins betrachtet sich der 1,98-m-Hüne zwischen den Pfosten aber dennoch nicht. »Ich denke, dass meine Zeit irgendwann kommt und ich dann einer von zwei Stammkeepern sein kann. Dazu muss aber auch fortwährend die Leistung stimmen.«

Mit dieser - so der aufgeräumt und reflektiert wirkende Youngster - ist er nach starkem Saisonstart im Bundesligateam der HSG Wetzlar aktuell nicht ganz zufrieden. Mit Anadin Suljakovic hat der gebürtige Gießener Konkurrenz im eigenen Haus bekommen und zuletzt Spielanteile abgeben müssen. »Anadin hat die letzten Wochen stark gehalten und sich - das muss man ganz ehrlich sagen - das verdient«, sieht Klimpke seinen Gespannspartner als Torhüterkollegen, mit dem er gemeinsam für die Grün-Weißen Bundesliga-Punkte gewinnen will. »Wir kommen sehr gut klar miteinander.«

Der Neuanfang für die DHB-Auswahl setzt sich aber auch auf anderen Positionen fort. So steht zum Beispiel Hendrik Wagner vom Zweitligisten Eulen Ludwigshafen, ab der nächsten Saison Klimpkes Teamkollege bei der HSG Wetzlar, vor seinem Länderspiel-Debüt. »Ich denke, dass, wenn es Richtung Turnier geht, wieder zwei, drei erfahrene Spieler dazustoßen«, kommentiert der Spross der Dutenhofener Handball-Urgesteine Wolfgang und Ruth Klimpke die Personalentscheidungen von Gislason, »aber es wird - glaube ich - grundlegende Änderungen geben.«

Natürlich arbeitet Till Klimpke nach bislang 60 Torhüter-Paraden in dieser Saison auf sein erstes großes Turnier zu Beginn des nächsten Jahres hin, natürlich träumt er von Olympia in Paris 2024 und scherzt: »Den nächsten drei olympischen Spielen...!« Das alles ist für ihn aber kein Grund, die Bodenhaftung zu verlieren. »Die Leistung muss erst mal hier im Verein, in der Bundesliga stimmen, bevor ich an etwas anderes denken darf«, übt sich die Nummer 11 der HSG Wetzlar wie gewohnt in Zurückhaltung. Nicht schüchtern, dafür steht er schon zu lange im Fokus; aber nie Gefahr laufend, überheblich zu werden.

Bevor am Sonntagabend - wie von acht anderen HSG-Teamkollegen auch - die Koffer gepackt wurden und Montag vormittag das Teamhotel-Doppelzimmer in Düsseldorf zu beziehen war, musste Klimpke emotional erst noch den »Tag des offenen Tores« beim 35:34-Krimi gegen den TVB Stuttgart verdauen. Dazu zählte auch der Ärger über einige Schiedsrichter-Zeitstrafen gegen die HSG, nicht gegebene Stuttgarter Offensivfouls, die vermeintlich kontaktlose Abwehr der Gäste sowie nicht geahndete falsche Sperren des TVB. »Abgehakt«, sagt Till Klimpke, der Wetzlarer Nationaltorhüter: »Hauptsache gewonnen! Und jetzt versuche ich beim Nationalteam eine Woche lang Gas zu geben.«

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