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Der Amateurfußball rechnet wegen der Corona-Pandemie nicht mit einer Saison-Fortsetzung vor Mitte April.

Die Zeit wird knapp

  • vonPeter Froese
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Wie geht es nach dem Lockdown weiter? Wir haben Stimmen und Stimmungen heimischer Fußballtrainer eingefangen. Alle sind sich einig: Die Gesundheit sollte im Vordergrund stehen. In Sachen Saisonfortsetzung sind die Meinungen aber durchaus unterschiedlich.

Die heimischen Vereine befinden sich aufgrund der Pandemie seit November erneut im Lockdown. Wann der Ball auf den heimischen Sportplätzen wieder rollen kann und wie die laufende Spielzeit am Ende gewertet wird, steht in den Sternen. Wir haben uns bei den heimischen Trainern der Hessen-, Verbands- und Gruppenliga nach der Stimmungslage erkundigt.

Wie halten Sie als Trainer derzeit den Kontakt zu Ihrem Team und wie bereiten Sie die Spieler auf einen möglichen Re-Start vor?

Daniyel Bulut (FSV Fernwald - Hessenliga - 10. Platz): »Wir halten Kontakt über WhatsApp und Telegram. Zudem nutzen wir die TrainingsApp Runtastic, mit der man Lauf- und Trainingseinheiten aufzeichnen und innerhalb der Mannschaft teilen kann. Ich sage den Spielern jeden Sonntag, was sie in der kommenden Woche machen sollen. Derzeit finden aber nur Läufe und Kräftigungsübungen statt. Den üblichen Vier-Wochen-Plan gibt es aufgrund der ungewissen Lage nicht.«

Mario Schappert (SC Waldgirmes - Hessenliga - 7. Platz): »Ich bin eher ein Typ, der länger in der Kabine bleibt und mit seinen Spielern über Gott und die Welt spricht. Dies ist leider komplett weggebrochen. Ich telefoniere nicht gerne, sondern bespreche die Dinge lieber von Angesicht zu Angesicht. Derzeit muss auch ich mich aber auf einen regen WhatsApp-Austausch beschränken. Es gibt lediglich einen ›kleinen‹ Trainingsplan von mir. Viele meiner Jungs halten sich selbst mit Lauf- und Fitnessübungen fit. Das Ziel von uns allen muss sein, dass wir eine gewisse Grundfitness haben, wenn wir wieder auf den Platz dürfen, um Verletzungen vorzubeugen.«

Sherwin Rahmani (FC Turabdin/Babylon - Verbandsliga - 7. Platz): »Ich mache mir zurzeit keine Gedanken über einen möglichen Re-Start und halte lediglich sporadisch telefonischen Kontakt zu meinen Spielern. Diese halten sich mit der TrainingsApp Runtastic eigenverantwortlich fit. Ich halte nichts davon, Spieler wochen- bzw. monatelang mit Stabilitätsübungen oder Laufeinheiten zu malträtieren. Wir haben uns unser Hobby ausgesucht, weil wir Fußball spielen und keinen Marathonlauf absolvieren wollen. Erst wenn es einen konkreten Termin für einen Re-Start gibt, werden wir mit der dann möglichen einer fußballspezifischen Vorbereitung starten.«

Oliver Dönges (SG Kinzenbach - Verbandsliga - 13. Platz): »Wir halten immer mal wieder über WhatsApp den Kontakt. Den Spielern habe ich mitgeteilt, dass sie sich selbstständig fit halten sollen.«

Benjamin Höfer (FC Gießen II - Verbandsliga - 20. Platz): »Ich habe zu meinen Spielern bereits ein gutes Verhältnis aufgebaut und stehe in stetigem Kontakt per Telefon und WhatsApp.«

Daniel Schäfer (FC Cleeberg - Verbandsliga - 10. Platz): »Es ist schwer, die Mannschaft ohne echte Perspektive bei der Stange zu halten. Meine Spieler halten sich zu 90 Prozent selbst fit. Sie waren laufen oder haben Einzeltraining auf dem Platz gemacht. Ab Februar möchte ich die Maßnahmen aber ansatzweise wieder bündeln.«

Thorsten Schäfer (SC Waldgirmes II - Verbandsliga - 4. Platz): »Von Online-Training halte ich persönlich nichts. Allerdings kann ich auf sehr motivierte Spieler zurückgreifen, die sich regelmäßig selbst fit halten.«

Daniel Marx (TSF Heuchelheim - Gruppenliga - 5. Platz): »Wir hatten unter anderem eine virtuelle Weihnachtsfeier. Seit dem 15. Januar findet wöchentlich eine Spielersitzung und ein virtuelles Workout statt. Zudem haben meine Spieler von mir Laufpläne erhalten. Zudem werden ab Februar taktische Inhalte virtuell geschult. Regelmäßige Zusammenkünfte helfen, dass man sich als Team nicht aus den Augen verliert.«

Frederik Weinecker (TSV Lang-Göns - Gruppenliga - 10. Platz): »Ich sende meinen Spielern jeden Sonntag den Trainingsplan der kommenden Woche zu. Die Jungs arbeiten diesen recht fleißig ab. Zudem führen wir einmal pro Woche ein Videotraining über ein Portal durch.«

Dennis Frank (SG Kesselbach/Odenhausen/Allertshausen - Gruppenliga - 14. Platz): »Wir halten per Telefon und WhatsApp Kontakt. Die Spieler halten sich durch Ausdauerläufe fit und spenden zum Teil pro gelaufenen Kilometer einen gewissen Betrag.«

Bastian Panz (FSG Wettenberg - Gruppenliga - 18. Platz): »Aufgrund der derzeitigen Kontaktbeschränkungen ist dies schwierig. Wir halten über WhatsApp Verbindung. Die Spieler haben von mir für Februar einen Trainingsplan erhalten. Dessen Schwerpunkt liegt auf der Ausdauer und der Stabilisierung, beinhaltet aber auch die Ballbehandlung auf engem Raum. Er orientiert sich an den Trainings- und Spielzeiten vor dem Lockdown und soll damit ein Stück weit für Normalität im Tagesablauf sorgen.«

Michael Delle (MTV 1846 Gießen - Gruppenliga - 11. Platz): »Der Kontakt unter den Spielern ist beim MTV 1846 traditionell sehr eng. Wir haben wöchentliche Stabilisations- und Yogaeinheiten, die wir über Videokonferenzen durchführen. Zudem gehen die Spieler in Pärchen laufen. Wir haben eine Challenge ausgerufen, bei der die Letzten recht unangenehme Aufgaben zu erledigen haben. Dies ist ein Ansporn zur Teilnahme an virtuellen Workouts und den in Eigenregie zu absolvierenden Kilometern.«

Thomas Brunet (Spvgg. Leusel - Gruppenliga - 7. Platz): »Derzeit besteht zwischen mir und meinen Spielern nur ein latenter Kontakt. Zunächst einmal brauchen wir Licht am Ende des Tunnels, damit wir wissen, wie es wann weitergeht. Ich verlange von meinen Spielern, dass sie sich selbst fit halten. Jeder sollte dies so einrichten, wie er es kann.«

Was denken Sie, wann die Saison weitergeht und in welcher Form könnte sie abgeschlossen werden?

Bulut: »Ein Einstieg in den Trainingsbetrieb im März halte ich für schwer realisierbar. Dies könnte aus meiner Sicht maximal in Vierer- oder Fünfer-Gruppen geschehen. Wenn das erste Punktspiel erst nach dem 1. Mai stattfinden wird, macht die Saison für mich keinen Sinn mehr, es wäre dann nur die ›juristische‹ Lösung. Eine Vorbereitung von lediglich drei bis vier Wochen halte ich wegen des Verletzungsrisikos für unverantwortlich. Ich favorisiere den Abbruch und die Annullierung der Saison als einzige sinnvolle Lösung. Ich begrüße die Entscheidung des HFV, die Situation abzuwarten. Derzeit ist das Risiko, zu spielen, zu hoch. Und ohne Zuschauer spielen will ja auch keiner. Ein Abbruch mit anschließender Wertung könnte uns in dieser Saison ja egal sein. Dennoch wäre es nicht gerecht, denn die geringe Anzahl der absolvierten Spiele berechtigen meines Erachtens weder zum Aufstieg, noch wäre es gerecht, Vereine absteigen zu lassen. Auch eine Hinrundenwertung halte ich persönlich nicht für fair.«

Schappert: »Die komplette Runde wird bei maximal 38 Spielen nicht zu stemmen sein. Realistischer erscheint mir da schon, dass wir die noch ausstehenden sieben Spiele der Hinrunde abschließen können, um eine halbwegs gerechte Lösung der Auf- und Abstiegsfrage herbeizuführen. Es wäre aus meiner Sicht nicht gut, wenn wir erneut mit 20 Mannschaften in die neue Runde starten. In der Hessenliga sind permanente englische Wochen mit ihren langen Auswärtsfahrten eine harte Belastung. Hier sollten die Verantwortlichen bedenken, dass unsere Spieler Amateure sind und in der Regel einem Beruf nachgehen.«

Rahmani: »Der Verband hat ein großes Interesse daran, zumindest die Hinrunde zu beenden, um eine halbwegs vernünftige Wertung und für die kommende Saison wieder normale Klassengrößen zu erhalten. Ich erwarte, dass der harte Lockdown erst im März enden und der Kontaktsport Fußball nicht vor April zulässig sein wird. Bei diesem Szenario wird die Zeit knapp, zumal sich die Pandemie dann noch nicht in Luft aufgelöst haben wird. Es wird weitere Verdachtsfälle geben, bei denen ganze Teams in Quarantäne geschickt werden. Neben einer erneuten Verzerrung des Spielplanes werden viele Arbeitgeber Bedenken anmelden, wenn sich ihre Mitarbeiter auf dem Sportplatz anstecken oder vorsorglich in Quarantäne geschickt werden.«

Dönges: »Ich gehe davon aus, dass nur die Hinrunde fertig gespielt wird. Allerdings rechne ich mit einem Re-Start frühestens Mitte April/Anfang Mai. Die Verantwortlichen des TuS Dietkirchen hatten eine gute Idee. Danach sollte die Anzahl der festgelegten Absteiger reduziert und die neue Runde aufgrund der dann erneut hohen Anzahl von Mannschaften in einer zweigeteilten Liga mit anschließenden Auf- und Abstiegsspielen geplant werden.«

Höfer: »Eine Fortsetzung der Runde macht aus meiner Sicht keinen Sinn. Uns würde ein voller Terminplan erwarten, der bei weiteren Verdachtsfällen zudem schnell über den Haufen geworfen werden könnte. Eine Wertung nur nach der Hinrunde ist keine faire Lösung, denn wir waren vor dem Lockdown gut drauf und haben uns noch Chancen ausgerechnet, den Klassenerhalt zu schaffen. Ich plädiere daher für eine Annullierung der Saison.«

Schäfer: »Ich würde es als schlimme Sache empfinden, wenn man nach fünf Monaten Pause die Runde in ständigen englischen Wochen zu Ende spielen müsste. Daher hoffe ich, dass die Verantwortlichen beim Verband kluge und weise Entscheidungen treffen. Nach meinem Gefühl würde man viel Druck rausnehmen, wenn man die Runde abbrechen würde. Dann könnte man die Pandemie bis weit ins Frühjahr hinein aussitzen und im Mai/Juni eine gute und lange Vorbereitung mit dem einen oder anderen Testspiel mehr durchführen.«

Schäfer: »Ich halte maximal die Beendigung der Hinrunde für realistisch. Bei einem zu erwartenden Re-Start Mitte April könnte man die sieben bis acht Spiele dann locker bis Juni über die Bühne bringen.«

Marx: »Ich hoffe, dass wir zumindest die Hinrunde beenden können. Somit wäre eine faire Regelung der Auf- und Abstiege aus meiner Sicht gewährleistet, da dann ja jeder gegen jeden gespielt hat. Ich bin vorsichtig optimistisch, dass dieses Modell funktionieren kann, sobald es wärmer wird.«

Weinecker: »Wenn man sich die Meldungen anschaut, rückt der Termin für einen möglichen Re-Start immer weiter nach hinten. Es war für uns bereits im Sommer schwierig, die Jungs nach dem ersten Lockdown fit zu bekommen. Dies hatte sich in vielen Verletzungen während der Runde niedergeschlagen. Bevor man die Spieler erneut an ihre Belastungsgrenze bringt, sollte man die Runde lieber beenden oder aber maximal nach Ende der ersten Halbserie werten. Ich persönlich plädiere für die Annullierung der Saison.«

Frank: »Wieso man sich darauf versteift, alles zu spielen, leuchtet mir nicht ein. Wir waren bei der SG selbst vom Virus betroffen und wissen, wie es ist, wenn man zu Hause isoliert ist und hofft, dass es nicht so schlimm wird. Man muss die Saison daher nicht auf Biegen und Brechen durchziehen, zumal wir alle keine Profis sind. Man kann seinen Spielern nicht hinter die Stirn schauen und sicher sagen, wo die waren und ob sie sich vielleicht irgendwo angesteckt haben. Wir werden uns mit den Spielern und dem Vorstand im Vorfeld eines von Verbandsseite bestimmten Re-Start-Datums zusammensetzen und beraten, ob wir als SG das Risiko eingehen wollen, dass wir Leute infizieren. Gerade die Vereine in unserer Spielklasse werden von vielen älteren Ehrenamtlichen getragen, die es zu schützen gilt. Wir müssen daher warten, dass uns die Impfungen schützen. Angesichts der sich anbahnenden Virus-Mutationen ist es auf keinen Fall das Risiko wert, einen Schnellschuss zu wagen.«

Panz: »Ich bin froh, dass ich die Entscheidung über den Termin eines möglichen Re-Starts nicht treffen muss. Der Verband wird eine faire Lösung für alle suchen, wobei ich eine Wertung nach Ende der Hinrunde für die wahrscheinlichste Variante halte. Wir werden alle Entscheidungen akzeptieren und können mit allen Entscheidungen leben. Die vergangenen Monate haben uns gelehrt, dass es Wichtigeres als Fußball gibt. Dennoch hoffen wir, dass wir bald wieder unserem Hobby nachgehen können.«

Delle: »Ich hoffe, dass man mit den Lockerungen sehr vorsichtig umgeht. Der Fußball steht weit hinter Schulen und Kindergärten. Daher kann ich mir vorstellen, dass es am Ende eine Annullierung der Saison geben wird. Der Ligabetrieb sollte auf alle Fälle erst wieder starten, wenn man bedenkenlos und mit gutem Gewissen größere Menschenansammlungen aus verschiedensten Regionen verantworten kann.«

Heuchelheims Gruppenliga-Trainer Daniel Marx hofft darauf, dass zumindest noch eine Halbserie komplett stattfinden kann.

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