Die Rufe werden lauter

(sid/dpa). Die Präsidenten der Regional- und Landesverbände des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) setzen sich mit einem gemeinsamen Appell für Lockerungen im Amateurbereich ein. »Unsere Vereine haben in den vergangenen Monaten einen erfolgreichen Beitrag geleistet, um Kontakte zu reduzieren und Infektionen entgegenzuwirken«, sagte DFB-Vize-Präsident Peter Frymuth:

»Dieses verantwortungsvolle Verhalten darf bei den Erörterungen der Lockerungen nicht vergessen werden, insbesondere deshalb, weil es in besonderem Maße um Kinder und Jugendliche geht.«

Auch Ronny Zimmermann und Hannelore Ratzeburg fordern, dass der »Lockdown für den Sport nicht zum Dauerzustand« wird. »Wir müssen im Blick haben, welche Folgen dauerhafter Bewegungsmangel und fehlende soziale Kontakte gerade für Kinder und Jugendliche haben können«, sagten die beiden im DFB für den Nachwuchs zuständigen Präsidiumsmitglieder unisono. Vereinssport könne für »spürbare Entlastung sorgen und mit den bereits bewährten Hygienekonzepten seiner gesellschaftlichen Aufgabe gerecht werden«.

Die Präsidentenkonferenz folgt damit DFB-Präsident Fritz Keller und Vizepräsident Rainer Koch, die sich Ende vergangener Woche mit einem offenen Brief für Lockerungen im Amateursport eingesetzt hatten. Der Amateursport solle »nicht mehr als Teil des Problems, sondern endlich als Teil der Lösung im Sinne der allgemeinen Gesundheitsförderung begriffen werden«, so der gemeinsame Tenor.

Im Rahmen einer Konferenz hatte Tim Meyer, Vorsitzender der Medizinischen Kommission des DFB, den Präsidenten der Regional- und Landesverbände Erkenntnisse aus jüngsten Untersuchungen präsentiert. Meyer hatte mit Kollegen vom Institut für Sport- und Präventivmedizin der Universität des Saarlandes sowie dem Departement für Sport, Bewegung und Gesundheit der Universität Basel mehr als 750 Partien aus Profiligen und dem Amateurbereich mit mindestens einem Spieler, der der Ansteckung mit dem Coronavirus verdächtigt war, analysiert.

Äußerst geringes Infektionsrisiko

Ziel war neben der Erfassung infektiöser Spieler in Partien oder im Training eine Einschätzung des Infektionsrisikos für andere Spieler und Schiedsrichter. Dabei wurde festgestellt, dass nach aktuellem Kenntnisstand beim Fußballspielen unter freiem Himmel »nur eine äußerst geringe Ansteckungsgefahr besteht«, sagte Meyer. In den entsprechenden Mannschaften seien bis 14 Tage nach dem Spiel keine weiteren Verdachtsfälle festgestellt worden, lediglich in einem Fall waren Zweifel an einer Übertragung während des Fußballspiels nicht gänzlich auszuräumen.

Die Vereine sehnen sich nach einer Rückkehr auf den Fußballplatz. In einer bundesweiten DFB-Umfrage sagten 98 Prozent der rund 50 000 Befragten, dass sie den Amateurfußball vermissen. Vermisst würden vor allem das Gemeinschaftsgefühl und das aktive Fußballspielen, so die Erkenntnisse der Umfrage. Deshalb wurde die Möglichkeit der Rückkehr ins Mannschaftstrainings auch deutlich mehr priorisiert als die Rückkehr in den Spielbetrieb.

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