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Mit 18 Jahren schon Stammkraft beim TSV Eintracht Stadtallendorf: Ben-Luca Fisher.

Die richtige Entscheidung

Mit 18 Jahren ist Ben-Luca Fisher aktuell der jüngste Spieler des TSV Eintracht Stadtallendorf - und dennoch bereits Stammkraft beim noch aktuellen Fußball-Regionalligisten.

Nicht viele Akteure schaffen mit 18 Jahren den Sprung in eine Mannschaft der Fußball-Regionalliga Südwest. Ben-Luca Fisher hat das beim TSV Eintracht Stadtallendorf geschafft, eine imponierende Leistung. Wir haben mit dem talentierten Innenverteidiger, der aus Jesberg im Schwalm-Eder-Kreis stammt, unter anderem über seinen Werdegang, prägende Erfahrungen und wichtige Wegbegleiter seiner Karriere gesprochen.

Herr Fisher, Ihr Heimatort liegt nur eine halbe Stunde von Stadtallendorf entfernt. Dennoch hat Sie Ihr persönlicher Weg in Sachen Fußball zunächst nach Nordhessen geführt.

Genau. Ich komme aus Jesberg und habe bei der JSG Borken angefangen, Fußball zu spielen. In der F-Jugend bin ich dann zum KSV Baunatal gewechselt, was ich vor allem meinen Eltern zu verdanken habe.

Inwiefern?

Meine Mutter hat mich immer zum Training gefahren. Von Jesberg braucht man mit dem Auto eine halbe Stunde nach Baunatal - und wir haben da viermal in der Woche trainiert! Ich bin daher unfassbar dankbar, dass sie und mein Vater so viel für mich gemacht haben.

2018 wechselten Sie zum FC Schalke 04, um dort in der U17 zu spielen. Wie kam es zu diesem Wechsel?

Das war eigentlich ein Zufall. Wir haben mit der U17 von Baunatal gegen die U16 von Eintracht Frankfurt gespielt. Bei diesem Spiel war der Chefscout von Schalke da, um für die nachfolgende U17 zu scouten - und wollte sich eigentlich die Frankfurter angucken. Ich habe ja bei Baunatal einen Jahrgang höher gespielt, sodass die Eintracht-Spieler in meinem Alter waren. In dem Spiel habe ich wohl meine Sache gut gemacht, sodass mich der Schalker Scout danach angesprochen hat.

Was passierte dann?

Er hat mich gefragt, ob ich mir vorstellen könnte, dort mal ins Training zu kommen. Ich war dann zwei-, dreimal da und schließlich hat mich der Verein auch verpflichtet.

Bei Schalke spielten sie ein Jahr und hatten mehrfach mit Verletzungen zu kämpfen. Würden Sie dennoch sagen, dass Sie diese Zeit weitergebracht hat?

Natürlich hat mich das weitergebracht, vor allem in Sachen Persönlichkeitsentwicklung. Ich musste lernen, selbst für mich Termine zu regeln und wann ich was mache. Sportlich war es so, dass ich zwar auf viele Einsätze kam, die aber aufgrund der Verletzungen meistens nur kurz waren.

Welche Verletzungen waren das?

Vor meinem Wechsel zu Schalke hatte ich eine Entzündung in der Wachstumsfuge, wegen der ich drei Monate nicht spielen konnte. Als es bei Schalke losging, war ich quasi wieder bei null. In der zweiten Vorbereitungswoche habe ich mir gegen Karlsruhe nach fünf oder sechs Minuten das Nasenbein gebrochen und fiel erneut für knapp sieben Wochen aus. Im Winter war ich endlich fit und hatte auch gutes Feedback vom Trainer. Dann bin ich allerdings am Influenza-A-Virus erkrankt, was eine weitere Pause von zwei Wochen bedeutete. Das alles hat mich natürlich zum Nachdenken gebracht.

Mit welcher Erkenntnis?

Ich habe erkannt, dass sowohl im Fußball als auch im Leben eben nicht immer alles gut laufen kann. Diese Erfahrung war sehr wichtig und davon profitiere ich auf jeden Fall.

Wie ging es danach für Sie weiter?

Schalke wollte mich ausleihen und es gab auch zwei, drei Vereine, die Interesse hatten. Ich hatte allerdings auch die Überlegung, nach Hause zu wechseln - vor allem wegen der Schule, damit ich hier Abitur machen kann. Da haben dann das nähere und das familiäre Umfeld eine Rolle gespielt, sodass ich mich schließlich entschlossen habe, zu Hessen Kassel zu wechseln. Dort habe ich ein Jahr in der A-Jugend gespielt, bis im letzten Sommer der Wechsel nach Stadtallendorf kam.

Was sprach für Stadtallendorf?

Auf jeden Fall der Trainer. In der Jugend habe ich unter Dragan (Sicaja, Anm. d. Red.) am Stützpunkt in Borken trainiert, wodurch ich ihn schon kannte. Ich habe natürlich auch mit dem KSV Hessen Kassel gesprochen, was sie machen wollen und wie sie mich entwickeln wollen. Das Konzept von Stadtallendorf war allerdings überzeugender und deswegen bin ich hierher gewechselt.

Bis zu diesem Zeitpunkt spielten Sie im Mittelfeld, bei der Eintracht hingegen in der Innenverteidigung. Wie ging es Ihnen mit dieser Umstellung?

Mein Berater hat mir über zwei Jahre immer wieder erzählt, dass ich ein guter Innenverteidiger wäre. Ich hingegen war der Meinung, dass ich im Mittelfeld gut aufgehoben bin (lacht). Dann kam ich hierher und habe beim Trainingsauftakt neben Kevin Vidakovics zum ersten Mal überhaupt Innenverteidiger gespielt. Die Vorbereitung war für mich super, auch wenn sich Kevin dann leider verletzt hat. Ich habe auf jeden Fall gemerkt, dass ich diese Position spielen kann, und fühle mich dort inzwischen sehr wohl.

Trotz seines langfristigen Ausfalls hört und sieht man bei Spielen, wie Kevin Vidakovics Sie von der Bank aus lautstark unterstützt. Wie wichtig ist diese Hilfe für Sie?

Das ist sehr wichtig, auch wenn es leider nur von außen ist. Man hört nicht immer alles, aber dennoch sind seine Tipps für mich sehr hilfreich. Auch abseits der Spiele hat er immer ein offenes Ohr für mich.

Wie schätzen Sie generell Ihre Stärken und Schwächen ein und wo sehen Sie noch Steigerungspotenzial?

Natürlich gibt es immer Dinge, die man verbessern kann: Meinen schwachen Fuß zum Beispiel, aber auch bei Stellungsspiel und Athletik kann man noch zwei, drei Schippen drauflegen. Wie sagt man so schön: Man sollte Stärken stärken und Schwächen verbessern. Klar, habe ich gewisse Anlagen, aber man kann sich immer steigern.

Manche Spieler schauen sich ihre eigenen Spiele nachträglich an, um an ihren Fähigkeiten zu arbeiten. Gehören Sie auch dazu?

Eigentlich gucke ich mir jedes Spiel noch mal an - und nicht so gute Spiele auch mehrfach, um Sachen zu verbessern. Das mache ich entweder mit meinem Berater oder auch mit Leuten aus dem Trainerstab. Es hilft enorm, sich selbst zu reflektieren - sowohl bei Fehlern, aus denen man lernen kann, als auch bei Dingen, die man gut gemacht hat.

Für Sie ist es die erste Saison im Halbprofi-Bereich. Wie wichtig ist für Sie in diesem Zusammenhang die Unterstützung Ihres Beraters Cemal Akkoyun - auch abseits des Platzes?

Enorm wichtig. Er regelt alles für mich und sagt mir vor allem auch, wenn ich etwas nicht gut gemacht habe. Für mich ist er kein Berater, sondern ein enger Freund. Wir reden über alles - auch Privates - und er hilft mir einfach sehr weiter.

Bislang haben Sie 28 Pflichtspiele für die Eintracht absolviert, die meisten davon über 90 Minuten. Hätten Sie bei Ihrem Wechsel gedacht, dass Sie so schnell Stammspieler werden?

Ehrlich gesagt nein, das kam peu à peu. Ich bin hierher gekommen, um mich weiterzuentwickeln und auf meiner Position zu lernen. Am Anfang hätte ich bei 15 Spielen von einem sehr guten Ergebnis gesprochen, sodass es mich natürlich freut, dass es jetzt mehr geworden sind.

Sie gehen derzeit noch zur Schule. Wie schaffen Sie es, den Unterricht und den Mammutspielplan der Regionalliga Südwest unter einen Hut zu bringen?

Das ist schon viel und auf jeden Fall schwierig. Man muss sich manchmal auch die Zeit für die Schule nehmen, obwohl man lieber etwas anderes machen würde. Ich muss aber sagen, dass meine Schule sehr viel Verständnis für mich zeigt.

Inwiefern?

Sie wissen, dass ich auf einem höheren Niveau Fußball spiele, und geben mir daher auch gewisse Freiheiten. Wenn ich mal nicht kommen kann, weil wir zum Beispiel unter der Woche auswärts spielen, dann werde ich vom Unterricht befreit.

Nächstes Jahr steht für Sie das Abitur auf dem Programm. Haben Sie schon Pläne für die Zeit danach?

Mein konkretes Ziel ist das Abi. Ansonsten denke ich über ein Studium nach, wobei da noch nichts konkret ist.

Wie sieht es sportlich aus?

Im Moment bin ich dem Trainer und Fejz Hodaj (Sportlicher Leiter bei Eintracht Stadtallendorf, Anm. d. Red.) dankbar, dass sie mir das Vertrauen schenken und ich hier meine Spiele machen darf, was ich mit guter Leistung zurückzuzahlen versuche. Ansonsten habe ich mir über die Zukunft noch nicht so viele Gedanken gemacht, weil Fußball ein kurzlebiges Geschäft ist: Es kann ganz schnell nach oben, aber auch ganz schnell nach unten gehen. Deswegen zählt für mich aktuell, dass ich in den restlichen Spielen der Saison meine Leistungen bringe und vor allem fit bleibe!

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